Tag 1: München -> Trento -> Ancona


wer vor der Türe steht, hat den schwersten teil der reise hinter sich


song des tages: "Alone" von Leoniden (Danke, Luis!)


Ich bin raus! Hab den Schritt vor die Türe geschafft - wenn auch wieder später und hektischer als gedacht...

 

Bei Sonnenuntergang suche ich mit der genialen App Park4Night rasch nach einem Übernachtungsplätze in meiner Nähe (Südtirol) und wie immer einen praktischen gefunden. Schön/ romantisch geht anders, aber ums Eck, relativ ruhig und sicher... mehr brauche ich nicht!

Um 6 Uhr bin ich schon wieder on the road, genieße mehrfach italienische Espresso-Aufwach-Shots auf den Raststätten. Ich gönne mir nur minikurze Pausen, denn ich muss unbedingt pünktlich in Ancona sein, um die bereits gebuchte Fähre zu erwischen - so trödle ich nicht, sondern sause (espressogestärkt) einfach durch.

 

In Ancona lässt sich der Porto easy finden, Ticket am Schalter geholt (inmitten etwa 40 Truckern), in die Schlange eingereiht, einweisen lassen und festgestellt, dass es diesmal offenbar wirklich keine Chance gibt, mich heimlich in den Franz zum Übernachten zu schleichen... Mist. Eine Kabine möchte ich mir diesmal nicht leisten, sondern  mir jetzt mal eine "gemütliche" Ecke für mich und meinen Schlafsack suchen - auch schön, im Freien zu schlafen...

 

In etwa einer halben Stunde wird die Fähre komplett beladen sein, ich hole mir ein Feierabend-Verabschiedungs-Bier, stelle mich in die Meeres-Brise - und genieße!




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Tag 2: Durres -> Freistehen am Meer


song des tages: "come as your are" nirvana - unplugged


Die Nacht auf dem Meer war mittel: ich wollte ja romantisch draussen an Deck schlafen - aber ehrlich gesagt hat mich dann mein Bauchgefühl nach innen geschickt: es fühlte sich einfach nicht gut an, mich als die einzige Alleinreisende unter hunderten Truckern irgendwo möglichst abseits ins Dunkle zu legen. Der einsetzende Regen und der wirklich zu kalte Wind haben mich bei der Entscheidung unterstützt: also lag ich in meinem superkuschligen Schlafsack in der Ecke irgendeines Raums (obwohl mir der nette Steward noch eine Kajüte im 20-er Schlafsaal angeboten hat. Nur 5 Euro - iiiih, nee, Danke!) Mit der Kaputze über den Kopf habe ich mich von albanischer Popmusik, kartenspielenden Männern, lautstark zufallender Tür (direkt neben mir) und dem ohrenbetäubendem Dieselbrummen schon früh in den Schlag "singen" lassen - und hab bis zum Sonnenaufgang ganz wunderbar geschlafen.

 

Entsprechend der einstündigen Verspätung bei der Abfahrt landet die Fähre um 10 Uhr entspannt in Durrës.Das Abladen geht relativ flott (ich komme raus, knapp bevor mich das Deck voll laufender LKW-Motoren vergiften konnte), die Grenze ist mit einem flüchtigen Blick auf den Pass (Germania gut!!) schnell durchfahren, mit meinem deutschen Kennzeichen muss ich (anders als die Italiener) keine zusätzliche Versicherung kaufen und darf mich gleich ins Stadtgetümmel werfen - und erstmal lautstark beim ersten Stau im Kreisverkehr mithupen!

 

Durrës finde ich gut: eIne volle, hochbetonierte Stadt entlang des Meeres. Von der palmenbewachsenen Promenaden-Straße zweigen kleine Pfade zum Meer, der Strand ist überraschend sauber und es wird alles geboten: fliegende Händler, eine Art Klamotten-Flohmarkt, Spielplätze, Musik, unendlich viele Strandcafés... Die Tretboote werden gerade frisch gestrichen, die Sonnenschirm-Ständer wieder eingegraben, die Bars sind voller Handwerker: ich hätte null Lust, hier im Sommer zu sein!

 

Nach Geldwechsel und leckem Börek (hmmm!) sehe ich im Café Frauen sitzen. Jetzt bin ich zum dritten Mal in Albanien und sehe erstmalig Frauen ganz selbstverständlich Kaffee trinken. Da setze ich mich dazu, schlürfe an meinem (Sahne-) Cappuchino und komme dann mit der jungen Frau ins (englische) Gespräch. Sehr süß! Also: es ist ganz normal, dass alle Frauen (Teilzeit) arbeiten und ich dürfe in Albaniens Städten locker so viel Kaffee trinken, wie ich will: alles normal. Super!

 

Ich fahre eine ganze Weile die super ausgebaute Autobahn in südlicher Richtung entlang der Küste, ohne etwas vom Meer zu sehen, biege dann nach Gefühl (und Tipp aus einem Buch) ab. Obwohl es kilometerlang nicht den Anschein macht, dass ich hier wirklich zu einem guten Ende finde, folge ich der angegebenen Richtung. Mit vielen Abstechern, Sackgassen, kleinen Brücken, rumpeligen Schotterpisten und holperigsten Minipfaden (würde ich fast als tadschikische Straßenverhältnisse bezeichnen) finde ich ein Paradiesplatz. Wow!! Ich bin beglückt, stelle mich abseit dreier anderer Busse und bin voller Freude über dieses Glück, diesen Platz gefunden zu haben. Schnell komme ich mit den anderen ins Gespäch und es wird mit Österreichern, Münchnern, Norddeutschen und einem Belgier ein wahnsinnig schöner, interessanter Abend am Lagerfeuer! Herzbegegnung. Danke, Ihr alle!




Tag 3: entlang der Küste -> Ksamil


song des tages: "into something good" rhonda, akua naru


Ich trenne mich extrem (!) ungern von diesem Platz! Aber ich will noch was sehen von Albanien und mich zieht es weiter! Als ich mir oben auf dem kleinen Hügel diesen Ort und diese Aussicht nochmal ganz verinnerliche, komme ich mit einem älteren Albaner ins Gespräch. Fast eine Stunde "unterhalten" wir uns in albanisch-italienisch-deutscher Zeichensprache - und verabschieden uns mit einer ganz herzlichen Umarmung. Welch schöner Moment!

 

Mit meinem Gespräch habe ich allerdings die Yoga-Stunde verpasst, die schon gestern angekündigt war. So schön, an diesem Fleck...

 

Ich treibe Franz über die schotterigsten Pfade und folge immer wieder Stichstraßen zum Meer (nach vollmundigen Ankündigungen/ Schildern mit: "Café Paradiso", "Golden Beach", "Oaze") - und sehe von Müll überfluteten Pinienwald, unfertige Buden und langweiligen Sandstrand. Also weiter.

 

Albanien ist offenbar in konträre Schichten unterteilt: ganz arme Müllsucher, ganz geldige Cafébesucher. Ich bin sehr gespannt, was mich weiter im Inneren des Landes erwartet. Hier jedenfalls fängt es an, mich leicht zu nerven... All diese unfertigen oder abgebrochenen Bauten, diese lieblosen, schlampigen Konstruktionen. Eigentlich mag ich das wahnsinnig gerne, ich mag den Charme des Anfangs, des geschickten Provisoriums - aber irgendwie bedrücken mich diese Szenerien überall... vielleicht liegts am trüben Wetter? Oder an der trüben Leere der Vorsaison?

 

Ich finde keinen einzigen schönen Stellplatz mehr, die ganz seltenen Campingplätze sind ausgestorben und sehr wenig attraktiv gelegen. Ich fahre also den Llogara Pass und bin leicht enttäuscht, dass mich weder eine schöne Aussicht erwartet, noch spektakuläre Fotos gelingen - ich fahre also ungebremst, bis ich ziemlich erschöpft nach all den Kurven auf einen Platz stolpere, den ich schon kenne. Hier wollte ich eigentlich nicht hin, aber die Dusche lockt mich extrem. Ausserdem ist es für heute echt genug!




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