Tag 6: Dornberk -> Skoflije


song des tages: "500 miles away from home" the hooters



Dem hervorragenden WLAN am Platz, meiner nervigen Erkältung und der vielen Arbeit zuliebe bleibe ich einen Tag stehen. Sitze unter der Markise mit Blick auf die Weinberge und lasse - schwuppdiwupp - einen ganzen Tag vergehen. Das hatte ich schon lange nicht mehr: einfach mal eben so stehen bleiben. Ja, ich arbeite tatsächlich den ganzen Tag. (Unter anderem bin ich im Auftrag einer Camper-Zeitschrift unterwegs und will den (arbeitsintensiven) Artikel gleich nach der Rückkehr abgeben.)

 

Nein, eigentlich ist es nie Zeit"verschwendung", stehen zu bleiben, aber sonst bin ich (durch die großen Distanzen) deutlich getriebener, hektischer, unruhiger... Auf diesem Roadtrip habe ich mir mal nur eine kleine Strecke vorgenommen (der Artikel-Story wegen). Und das trägt zwar trotzdem leider nicht zu meiner inneren Entschleunigung bei,  ist aber trotzdem mal eine ganz schöne Erfahrung...

 

Nach einem letzten Poolhüpfer breche ich auf, begucke mir Stanjel: die alte Stadt auf dem Berg, die mir gepriesen wurde. Schön, leer, mittagshitzengelähmt. Steine, ein Drittel verfallen, sympathisch - und wahrscheinlich im Sommer sehr überlaufen. EInen Spaziergang auf jeden Fall wert... aber nach einer Stunde bin ich schon wieder im Franz.

 

Und fahre an der Höhlenanlage von Škocjan dann doch vorbei. Durch den Tag Pause bin ich gerade so noch im Zeitplan und verkneife mir sehr schweren Herzens einen Besuch... Schade, aber vernünftiger.

 

Ich folge grundsätzlich jedem Campingplatz-Schild, also auch dem zum Camping Dujceva domacija, wo mir eIne sehr nette Dame am Eingang zuwinkt. Sie lädt mich ein, den Platz einfach anzusehen und zu bleiben, oder auch nicht... sie käme am Abend vorbei, um "einzuchecken". Ein Fluss, grüne Wiese, Schatten: für mich perfekt. Ich denke nicht eine Sekunde nach, schon ist Franz geparkt und ich im Wasser. Hier bleibe ich. Viel zu früh am Tag eigentlich, aber ich kann so einer Stelle einfach nicht wiederstehen. Ein Dutzend Mal plantsche ich im herrlichen Nass, arbeite, genieße. Ruhe. So schön!

 

 




Tag 4: Gonjace -> Nova Groica -> Dornberk


song des tages: "Shala-Lala-La" WAldeck feat. la Heidi



Mein Müsli esse ich stehend vor Franz und dem Aussichtsturm mit einer sehr coolen alleinreisenden Engländerin, die gerade angekommen ist. Wir unterhalten uns über die erstaunten Blicke, die uns immer wieder treffen, wenn wir allein aus unseren Bussen aussteigen. Darüber, wie schön es ist, ganz alleine den Abend zu verbingen - aber wie oft wir auch wirklich tollen Menschen begegnen: so wie uns beiden.

 

Sehr schade, dass ich weiter möchte. Ja, die Strecken sind hier minimale Distanzen, aber nach meinem Motto SLOWenien möchte ich mir diesmal einfach mal viel Zeit lassen, langsam trudeln und doch viel entdecken.

 

Es ist grau heute, Schade, denn die Fernsicht über das so herrliche Land ist trübe eingeschränkt und immer wieder nieselt es. Trotzdem mache ich gleich beim nächsten Städtchen Smartno einen kleinen Spaziergang in der Hoffnung auf einen Kaffee mit Aussicht. Gefällt mir ausgesprochen gut hier. Vor allem da es total leergefegt ist - was leider daran liegt, dass um diese Uhrzeit noch nichts geöffnet hat... Also keinen Kaffee für mich. Und weiter.

 

Unerwartet steht da das Schild "Italia" - ein kurzer Ausflug ins nicht erkennbare Nachbarland. Schon gestern habe ich in dem Restaurant nur italienisch gehört: wundervoll, Europa, oder? Einfach ohne Gedanken dahin fahren, wo es gefällt - ohne Rücksicht auf (menschengemachte) Landesgrenzen...

 

Die Stadt Gorizia (italienisch) wird ohne Übergang zu Gorica (slowenisch) und plötzlich schüttet es wie Weltuntergang. Ich "flüchte" mich in mein bewährtes Internetcafé: Macdoof bietet mir für zwei Stunden einen feinen Arbeitsplatz: schnelles Internet, Stromanschluss und einen großen Cappuchino für 1,50 Euro. Davon gibts gleich zwei, ich schaffe was weg. Im Einkaufszentrum nebenan besorge ich mir ein fehlendes Kabel und schüttle verwundert den Kopf... Ich könnte hier genauso in München sein: zu 50% die selben Läden... Langweilig.

 

Meine innerere Campingplatz-Navigation führt mich, gerade als ich mich nach einer Dusche sehne, zum unglaublich idyllischen Campingplatz "Saksida" bei Dornbek, mitten in den Weinbergen. Rein in den Pool, den Nachmittag und Abend fein in Ruhe genießen! Hier kann man es echt sehr, sehr gut aushalten...

 

 




Tag 3: Tolmin -> slowenische Toskana -> Gonjace


song des tages: "home" John Allen


"... and if you're searching for a home - just go where your heart tells you to go ...

 

... if you love what you're doing, darling, you will find your home ..."


Nach drei wunderbar lustigen Abenden in meinem kleinen Paradies, wo ich tagsüber superviel weggearbeitet habe, erzwinge ich den Absprung und verabschiede mich von Vili und den anderen Gästen: ich möchte ja unbedingt noch viel mehr sehen ...(auch wenn ich hier noch gut ein paar Wochen am Platz bleiben könnte...)

 

Als lasse ich mich wieder über die kleinsten Straßen treiben. Es ist so unfassbar gediegen, so brav, sauber, geordnet, gebügelt und unanstrengend hier - das Gegenteil zu meinem  letzten Trip, auf dem ich Albanien durchkreuzte... Ich mag das schon, zwischendurch allerdings kämpfe ich ein ganz kleines bisschen mit einem Gefühl der Langeweile... Da hilft nur Musik laut und Augen auf! Welch Schönheit gibt es hier zu sehen! - Kein Abenteuer, dafür Ästhetik satt!

 

Und die Soca begleitet mich und ich fühle mich einfach zu Hause. Immer wieder springt mir die knallende Smaragdfarbe in die Augen, fast blendende Schönheit, fast irreale Erscheinung! Ich liebe sie!

 

Am Städtchen Kanal hüpfe ich am frisch aufgeschütteten Sandstrand mit Blick auf die spektakuläre Brücke (von der im August internationale Brückensprungmeisterschaften ausgetragen werden!) nochmal in den Fluss. Ab hier trennen sich unsere Wege (dann wandelt sie auch ihr Gesicht in einen eher dunkelgrünen, bräsigen Strom), denn ich biege ab nach Westen in die "slowenische Toskana", das Goriška Brda (Görzer Hügelland).

 

Franz zeigt wieder seine unnachahmliche Geduld in Sachen kurviger Höhenmeter und brummt ganz gelassen mit mir durch glitzer-grünen Wald... ein toller Typ! Völlig unvermittelt stolpern wir ins gleissende Licht des Bergkamms und sind beide baff erstaunt über diese Aussicht! So still hier oben, so ein Blick... Wow!

 

Ein paar wenige Kilometer weiter zieht mich in der Ortschaft Gonjače ein schon weitem offensichtlich begehbarer Aussichts-Turm an: klar, da muss ich rauf! Und irgendwie ist es so genial schön hier, dass ich in dem ausgesprochen hübschen Restaurant "Pri Marjotu" frage, ob ich wohl über Nacht stehen bleiben dürfte... Es scheint, als seien die Slowenen noch nicht völlig von Wohnmobilisten entnervt, der nette Kellner sagt entspannt ja. Und um meinen Dank zu unterstreichen, esse ich natürlich dort zu Abend: Deal.

 

Ein leckeres Essen, ein traumhafter Sonnenuntergang, eine fabelhaft ruhige Nacht... Nichts mehr will ich!




Tag 2: Bovec -> Tolmin


song des tages: "yesterday" beatles - danke, Vili !


Ich verabschiede mich aus Bovec mit einem Kaffee auf dem Marktplatz und nehme natürlich den englischen Tramper mit, der mit einem Papp-Schild am Straßenrand steht. Sofort kommen wir in ein richtig gutes Gespräch. Obwohl überhaupt nicht auf meiner Strecke, fahre ich ihn wegen der schönen Unterhaltung direkt zu seinem Ziel, wir ratschen bei einem Kaffee weiter und ich falle ihm beim Verabschieden um den Hals. Mit seinen klugen, warmherzigen Worten hat Paul mir so unfassbar gut getan – dieser Moment, dieser „Zufall“, so viele inspirierende Ideen! Danke für eine Herzbegegnung!

 

Langsam fahre ich über die kleinstmöglichen Straßen und dann sehe ich diese Brücke, die mich natürlich magisch anzieht. 2,40 Meter breit, für maximal 5 Tonnen: da muss ich drüber. Wie liebe ich solche Pfade, solch ungewöhnliche Strecken...! Am Ende ein verrottetes Schild, das zu einem Campingplatz weist. Ich folge – und lande im Paradies. Ein Blümchenbus steht gleich am Eingang, auf den terrassierten Plätzen nur kleine Vans, oder Zelte, PKWs. Ein Bach plätschert unten, es ist grün, schattig, wundervoll. Der Chef begrüßt mich mit Handschlag, bietet mir sofort etwas zu trinken an, lässt mich an seinem Tisch Platz nehmen, gibt mir einen Teller Suppe und isst erst mal gemütlich mit mir. Ich bin angekommen, bin daheim.

 

Zur Vollendung des Glücks darf ich direkt neben dem Bach parken, werfe mich in die einen Steinwurf entfernte Soca und verbringe dann einen sehr lustigen Abend mit sehr leckerem Essen, etwas Bier, mit Vili und einigen Gästen. Perfekter geht es nicht.




Tag 1: München -> Wurzen-Pass -> Vrsic-Pass -> Soca-Tal


song des tages: "can't take it no more" meister Lampe


Auf dieser Tour möchte ich mir mal Zeit lassen, mich langsam bewegen, mir viel ansehen, einfach SLOWenien. (Spitzen Wortspiel!)

 

Als perfekten Einstieg wähle ich den anstrengenderen, aber fahrtechnisch schöneren Weg über den „Wurzenpass“. Direkt hinter Villach ist der Abzweig gut ausgeschildert – gleichzeitig warnen große Tafeln, dass diese Strecke über viele Kilometer mit bis zu 18% Steigung wartet, die größeren Mobilen und Gespannen nicht empfohlen und nicht erlaubt ist. (Diese kommen über den leicht zu fahrenden „Predilpass“ von Italien aus nach Bovec.)

 

Und der Pass zeigt gleich zu Beginn, was er kann: schon nach ein paar Metern muss ich in den ersten Gang zurückschalten und stelle sogleich das (wahrscheinlich extrem nervige) Hindernis für die nachfolgenden Sportwagen dar. Ich habe nicht daran gedacht, dass Wochenende ist und diese Strecke damit für „Sonntags-Fahrer“ als Ausflugsziel prädestiniert ist... Tja: alle schnelleren müssen sich gedulden, bis ich immer wieder an den Rand fahren und sie vorbeiwinken kann – was sich nicht oft wiederholt, denn auf dieser Steigung den Kasten zu stoppen, um dann neu anzufahren, ist eine Herausforderung. Ein Flachländer (Belgier) sitzt mit hochrotem Kopf in seinem Kleinwagen und müht sich, los zu kommen, würgt immer wieder ab... Im vorbei „heizen“ (in Schrittgeschwindigkeit) kann ich ihn in seiner Verzweiflung beobachten und sehe zugleich, wie ihm der hinter mir kriechende Österreicher zur Hilfe kommt. Ich genieße die Kehren, den Wald, die Langsamkeit, ich grinse breit und lasse mich in Ruhe von Franz hoch tragen. Immer mit Blick auf seine Temperaturanzeige und mit vielen lobenden Worten.

 

Um meinem Van eine Pause zu gönnen und weil ich einfach neugierig bin, mache ich Stopp beim „Bunkermuseum“. Der kleine, steile Fußmarsch zum Eingang tut mir gut und Franz darf derweil im Schatten abkühlen. Ich bin echt überrascht: im abgelegenen Wald hat der Privatmann Mag. phil. Andreas Scherer die (in den 60ger Jahren erbaute) Stellungsanlage des kalten Krieges (in der er selbst stationiert war) erhalten. Ich lasse mir vom netten Kassenmann (7,50 Euro Eintritt für Erwachsene) ganz viel erklären, betrachte im Museumsshop wieder einmal kopfschüttelnd die angebotenen Kriegsspielzeuge und originalen Atemschutzmasken, Helme, Spaten, Munitionskisten... wer kauft etwas, das mit Tod, Leid und Angst zu tun hat? Auch wenn es, wie ich höre, nur um Technik-Faszination und Sammelspaß zu tun haben soll... Ich betrete schaudernd die erhaltenen Bunker, folge dem Schützengraben, sehe die Geschütze und bekomme Gänsehaut vor Grusel, als ich mich in einen Panzer setze. Im Gästebuch bedanke ich mich für „Geschichtsunterricht in Farbe“ und zünde im Geister eine Menge Kerzen mit der Bitte um Frieden an...

 

Im wirklich netten Ort Kransja Gora gönne ich mir einen Blick ins Zentrum: wandern und radeln stehen hier ganz oben auf dem Plan. Sieht schön aus und fast bleibe ich hier. Das „Camping verboten“-Schild auf dem von der App Park4Night angezeigten Stellplatz würde mich nicht hindern, aber ich will zum „meinem Fluss“ und zum Paddelcamp.

 

Einige steile Kurven später treffe auf den Jasna See und bin völlig erstaunt, wie belebt diese eigentlich weit entfernte Ecke ist. Das letzte Mal (vor 5 Jahren) war hier eine verfallene Wirtschaft und vereinzelte Wanderer beim Baden. Heute ist der riesige Parkplatz übervoll, und ich finde wegen der Höhenbegrenzung keinen Platz zum Halten. Schade, denn das schicke Café mit Holzterrasse, die stylische Imbissbude und der Strand würden mich sehr locken... Aber es ist halt Sonntag.

 

Der Wurzenpasses hat sich in Kransja Gora in den Vrsicpass verwandelt, der auf gleicher Straße folgt. Auch der mit über 1.600 Metern höchst gelegene Punkt ist von Selfie-Knipsern nervig belagert, der Verkehr staut sich hinter einem PKW, der ein Schaf unter die Räder gebracht hat (wie da passieren kann, wo man hier doch wirklich in Schrittgeschwindigkeit unterwegs ist?) und von Ruhe ist keine Spur, so dass ich leider eilends das Weite suche. Weiter im ersten Gang rolle ich die restlichen, teils sehr steilen 26 Kehren hinunter, bis ich freudestrahlend auf „meine“ Soca stoße. Eine Abkühlung in einer Gumpe ist ersehnte Pflicht (mit unterdrücktem Kreischen vor dieser Kälte!) und ich folge der Straße entlang des wunderschönen Flusses bis zum Ort Bovec, wo ich mich ein paar Tage zum Wildwasserpaddeln aufhalten werde. Heimat.

 

Ich wohne auf der tollen „Kamp Klin“ und nehme ihn sogleich als einen meiner Lieblingsplätze in dieser Gegend auf. Wenige Plätze im Socatal haben einfach-direkten Wasserzugang und hier kann man von gleich zwei Gewässern direkt am Ufer sitzen, weil dieser Platz idyllisch zwischen dem kleinen Lepenjica-Flüsschen und der Soca liegt.

 

Und ich bleibe auf meiner Picknickdecke, bis es dunkel wird und höre das Rauschen, sehe das Farbenspiel des Wassers, während die Sonne hinter dem Berg verschwindet und bin einfach nur in Ruhe an diesem Platz.