Tag 12 : Kokkala -> durch die Mani -> Kalamata


mani


Song des Tages: „Drogen nehmen und rumfahren“ Bernadette La Hengst, Knarf Rellöm & Guz


Die Engländer sprachen gestern Abend vom südlichsten Ende Europas, das sich an der Spitze des Mani-Fingers befindet. Gut, dass ich so aufmerksam gelauscht habe, denn damit habe ich heute mal ein Ziel. Ich schraube also meinen Franz wieder rauf in die Berge und versuche erfolgreich, das Quietschen und mein gestriges Schock-Erlebnis zu verdrängen. Mit wunderbarer Aussicht und sehr lauter Musik klappt es – aufwärts – ganz gut. Abwärts bin ich nur halb so gut gelaunt und singe sehr viel leiser mit. Weil ich mich ärgere, dass mir das Fahren so viel weniger Spaß bereitet, mache ich auf freier Strecke ein paar heftige Bremstests. Alles deutet auf eigentlich hervorragend funktionierende Bremsen.... Dann entscheide ich, dass mein schlechtes Gefühl den Bremsen gegenüber nur durch das quietschende Geräusch verursacht wird, das Quietschen schiebe ich auf zu heiße Reifen durch zu heiße Straßen und den Fast-Unfall auf einen simplen Fahrfehler durch Unaufmerksamkeit. Und damit hebt sich die Laune, alles ist wieder gut, ich kann wieder grölen und den Kopf leer haben.

Die Straße gabelt sich und ich kann nicht erkennen, welches die richtige Wahl zum südlichen Ende ist. Das will ich aber auf jeden Fall erreichen und schalte damit mal ausnahmsweise das Navi ein. Ganz klar: scharf links, den U-Turn, in die mini Schotterstraße. OK, wenn es das behauptet und sich offenbar sicher ist, folge ich natürlich brav. Nach 500 Metern aber spricht TomTom: „Ich berechne neu!“ – und während ich mir noch Flüche über ihn ausdenke, stehe ich vor einer Mauer. Rechts Abgrund, links Felswand, Straße gerade mal so breit wie Franz und 500 Meter rückwärts. Ungut. Aber ich bleibe cool, weil ich weiß, dass es eh nichts nützt: wer vorwärts reinkommt, kommt auch rückwärts wieder raus, rede ich mir zu. So ist es: sehr langsam und bedrohlich nah an Abgrund und Fels taste ich mich wieder aus der Sackgasse. Ich klopfe mir selbst und Franz anerkennend auf die Schulter, als wir wieder auf der komfortablen – und offensichtlich richtigen – Teerstraße sind.

Das Ende des europäischen Festlands erweist sich als trüber Ort mit drei Tavernen und einem Supermarkt. Wenig attraktiv! Also mache ich mich auf die Fahrt durch die wirklich traumhafte Mani, geniesse diese Gegend sehr (ich liebe diese absolute Kargheit!), würde so gerne einfach bleiben, aber finde leider erst sehr spät einen eher hässlichen Platz. Egal jetzt. Lange duschen, Klamotten waschen, lecker kochen, ein Bierchen trinken und dann beruhigt schlafen ist der Plan für das Jetzt. Heute nicke ich noch nicht mal den Nachbarn zu, sondern mache mich gänzlich unsichtbar, so wenig Lust habe ich auf Menschen-Kontakt.