Tag 13 : Kalamata -> Pool-Oma


franz und ich in guten händen


Song des Tages: „Miles“ Sallie Ford and the Sound Outside


Als ich – eigentlich auf der Suche nach meinem Morgen-Frappé - durch Kalamata fahre, fasse ich den spontanen Entschluss, diese Großstadt zu nutzen, und mir eine fachlich kompetentere Meinung als die meinige zu Reifen/ Bremsen zu holen. Ich fahre zwar ganz gut mit meiner Verdrängungs-Strategie, aber das Quietschen nervt mich beim Musikhören, ehrlich! Also in einen der vielen Reifen-Läden in Kalamatas Outback rein, dem kaum englisch sprechenden Chef mal das Problem vorführen, das Quietschen lautsprachlich demonstrieren und Franz gleich darauf hochgebockt sehen. Typisch ich: keine Ahnung vom Preis, aber mich freuen, dass das Problem rasch gelöst wird. Ich verstehe, dass er sich sicher ist, dass die Spur falsch eingestellt ist (sichtbar am ungleich abgefahrenen Profil, sag ich doch!) und dass es deswegen quietscht. Das Reifen-Dilemma kann er lösen, das Schaltgestänge sieht er als definitiv kein Problem an, aber die Bremsen sollte sich ein Fachmann ansehen. Weil sich die Fahrerin des Campers blöd stellt (und dabei mädchenhaft lächelt), ruft er einen Mechaniker an, der kurz drauf vorbei kommt und mir nach Blick auf die noch vom Reifen befreiten Bremsen bestätigt: Alles OK, die halten noch 30 Tage! Da grinse ich schon wieder, die Reifen werden montiert (wie toll: King‘s Tire steht drauf !) und ich zuckle dem Moped des Mechanikers hinterher, um die Spur einstellen zu lassen.

Im Irgendwo steht dann Franz vor dessen Werkstatt, ein (für diese Umgebung) etwas unnatürlich wirkendes High-Tech-Gerät wird an die Reifen gesetzt und nach ein paar Minuten ist die Spur neu eingestellt. Leider spricht der sehr nette Mechaniker kein einziges Wort Englisch und schreibt mir den Preis auf mein dreckiges Seitenfenster: 30 steht jetzt neben der 50, die der letzte Werkstatt-Besuch gekostet hat. Dessen Ergebnis hat mir zwar eine Menge Spaß bereitet, aber leider statt erhoffter 100.000 nur 50 Kilometer gehalten. Die griechischen Straßen waren halt doch stärker als das griechische Provisorium... Mir ist es eigentlich egal, denn ich hab mich inzwischen dran gewöhnt, zu rühren, statt zu schalten, aber weil ich generell viel von Kfz-Mechanikern halte, mir die Aussage der 30-tägigen Bremsen-Haltbarkeit gut gefallen hat und ich zudem die Gelegenheit nutzen möchte, versuche ich, ihm die wichtige Frage zu stellen: ist es gefährlich, mit meinem kaputten Schalthebel wieder in die Berge zu fahren – oder ist es lediglich eine Einschränkung des Fahrkomforts? Wir versuchen einige Minuten lang ein griechisch-englisches-Hand-und-Fuß-Gespräch, bis sich ein anderer Werkstatt-Kunde zu uns gesellt. Offenbar hat er, den Kopf im Motorraum seines Uralt-Kadetts unser Kommunikations-Problem mitbekommen und versucht zu dolmetschen. Er spricht zwar genauso wenig Englisch, aber er versteht meine Gestik besser. So rutscht auch der dritte Mechaniker unter meinen Bus, besieht sich die Baustelle und versucht mir irgendwas zu erklären. Beide Männer reden auf mich ein, ich gestikuliere zurück, innerlich lache ich über uns: drei Menschen reden, wedeln, erklären gleichzeitig - ohne Ergebnis. Ähnlich denkt wohl auch der Kunde, der daraufhin sein Handy zückt und mich dann mit seiner Tochter verbindet, die hervorragend Englisch spricht. So kommunizieren wir jetzt also zu viert und sie kann mir versichern, dass die fehlende Buchse keine Gefahr bedeutet. Ich bedanke mich überschwänglich bei ihr und kann endlich mal meine grenzenlose Dankbarkeit über alle griechischen Mechaniker und Männer und Menschen überhaupt loswerden, woraufhin sie schallend loslacht... Da hab ich wohl einen Nerv getroffen, wage aber ob der Telefon-Kosten nicht weiter nachzufragen.

Wieder glücklich und beruhigt werfe ich meinen Franz wieder an, der mich neu bereift, auf Spur gebracht, mit gesund gesprochenen Bremsen und einer nur kleinen Komfort-Einbuße wieder raus aus der Stadt bringt und finde spät am Tag einen schattigen, ruhigen Platz mit großartigem Pool und großartiger Oma. Ich stelle mich so weit abseits von allen anderen, dass ich noch nicht mal in Kopf-Nick-Verlegenheit komme und lasse mich lange im warmen Süßwasser treiben. Morgen, so nehme ich mir vor, werde ich mal endlich nichts tun, denn ich habe das Gefühl, als sei ich schon seit Wochen nur unterwegs. Ich fühle mich wirklich müde, mein Kopf ist randvoll mit Eindrücken und ich mag grad einfach keine Straßen mehr sehen.