Tag 15 & 16 : Pool-Oma -> Erste-Reihe


keine ruhe in der ersten reihe


Song des Tages: „Ole black and blue eyes“ The Fratellis


Und obwohl es hier bei Oma sehr familiär ist, es viele komfortable Vorteile hat und ich mich ausgesprochen geborgen fühle, packe ich entschlossen nach der zweiten Nacht wieder zusammen. Mir fehlt hier einfach der Blick aufs Meer. Es ist mir zu brav, mir fehlt das Freiheits-Gefühl und tatsächlich: ich will wieder fahren...

 

Erst im vierten Anlauf treffe ich auf einen wirklich hübschen Campingplatz. Die Stellplätze sind zwar parzelliert und nummeriert (was in mir jedes Mal einen starken Fluchtreflex erweckt), aber ich finde einen Platz direkt am Strand mit schön viel Freiraum drum herum. Fein! Aber schon beim Einparken spüre ich die bohrenden Blicke der Nachbarn. Ich bocke Franz in die Waagrechte, montiere gleich darauf mein Boot und habe das Gefühl, dass die Nachbar-Familie mein Erscheinen gar nicht packt. Zum ersten Mal fühle ich mich beobachtet und gescannt. Ich komme nicht umhin, grüßend zu nicken, schweige aber aus Prinzip und Selbstschutz. Mein Gegenüber besteht aus einem älteren Ehepaar mit etwa 30-jährigem Sohn, alle drei im Partner-Look: Trainingshose, Muskelshirt, unrasiert. Und allen dreien ist offensichtlich so fade, dass sie nichts anderes zu tun haben, als mir beim Leben zu zu sehen. Unangenehm! Ich verstecke mich hinter Franz, der zum Glück groß genug ist, um meinen Tag in seinem Schatten und Schutz zu verbringen.

Trotz Glotz-Attacke ist dieser Platz toll! Ich paddle gemütlich über samtweiches und höchstens brusttiefes Wasser am Sandstrand entlang (wie ein Pool aus Meerwasser), schnorchle und sitze stumm über das Wasser starrend, während ich die Augen an mir kleben fühle. Immer wieder prüfe ich, ob ich mir die Blicke einbilde – und immer wieder sehe ich direkt in irgendein gelangweiltes Augenpaar, das nichts Besseres zu tun hat, als auf mich zu glotzen. Warum nur?

Ich beschließe, dass mir das total egal sein muss, um mein schönes Erste-Reihe-Plätzchen weiter zu genießen und verbringe den Tag alleine im Meer, den Abend alleine in der Taverne und die beginnende Nacht alleine am Strand, als ob ich nichts merken würde...