Tag 18 - 25 : Melissa Beach


glück allein


Song des Tages: „Constellations“ Jack Johnson


„Der beste Beweis für die Beruhigung der Seele ist, so meine ich,
stehen bleiben zu können und mit sich zu verweilen.“
Seneca


Sehr früh am nächsten Morgen sitze ich mit den Füßen im Sand im Schatten der Pinie an meinem Tisch, eine luftige Brise weht, es ist kein Mensch am Strand, ich genieße meinen Kaffee und das frische Brot: Paradies. Ich verbringe meine Tage mit Arbeit am Laptop, lesen, ruhen, schlummern. Meine Nachbarn müssen mich für bekloppt halten: spricht kein Wort und grinst die ganze Zeit... Ich habe mich auf das allernötigste Nicken in drei Richtungen beschränkt und hoffe sehr, dass ich beim Abfahren meine Schweigsamkeit und Abwehrhaltung nicht bedauere: Immer noch hatte ich bei jedem Anlassen Angst, dass Franz wieder nicht anspringt und ich Starthilfe brauche. Bisher stand ich möglichst abschüssig, so dass ich damit eventuell anrollen hätte können. Oder ich stand zumindest so, dass mich Fremde unkompliziert per Kabel starten können. Aber diesmal stehe ich mit der Front zum Meer und um Franz aus diesem Sand zur Starthilfe umzudrehen, müssten schon einige starke Hände mithelfen... Und mit meinem offensichtlichen Allein-sein-wollen finde ich wahrscheinlich eher nicht so leicht freiwillige Helfer... Ich schiebe dieses Problem einfach zur Seite: alles kommt, wie es kommt.

Und zum Glück erweisen sich die nächsten Nachbarn als ähnlich verschlossen wie ich und so kann ich völlig ohne Blickkontakt und ohne ein Wort die Tage verbringen und lebe noch abgeschotteter als bisher. (Ich dachte nicht, dass ich meine äußerliche Unnahbarkeit noch steigern kann!) Der einzige Grund in Richtung „Zivilisation“ wie ich die Gegenrichtung zum Meer nenne, zu gehen, sind die Waschräume. Sonst verlasse ich meinen Platz nur, um frühmorgens eine Stunde am Strand zu spazieren, vormittags bei wenig Wellengang eine Runde zu paddeln, mich nachmittags in den mannshohen Wellen auszutoben und zum Sonnenuntergang an den Strand zu setzen und Wein zu trinken. Sonst verbringe ich die alle Zeit in scheinbar meditativer Haltung, lesend, schreibend, denkend. Immer wieder muss ich über meinen Anblick schmunzeln, den ich wahrscheinlich nach außen abgebe...