Tag 27 - 32 : Ancona -> Riccione -> Österreich -> München


heimflug


Song des Tages: „Fly away“ Lenny Krawitz


„... Let‘s go and see the stars,
     the Milky Way or even Mars,
     where they could just be ours.
     Let‘s fade into the sun,
     let your spirit fly for we are one
     just for a little fun.
     Oh, oh, oh yeah!
    I want to get away!

    I want to fly away!...“

Die Fähre schaukelt und brummt mich wieder durch die Nacht und als ich im ersten Sonnenlicht an der Espressobar stehe, sehe ich das alte, zurückgelassene Land.

Italien begrüßt mich diesmal mit einem Kulturschock: Autobahn! Straßenschilder! Fahrbahnbegrenzungen! Und ich stelle überrascht fest: Franz hat einen 5. Gang! Nach fast vier Wochen in den Bergen und im Schneckentempo die Steilküsten entlang habe ich glatt vergessen, dass ich mit meinem Bus sowohl geradeaus, als auch fast schaukelfrei und vor allem schneller als 60 km/h fahren kann...

Leider geht mein Plan, in den Hügeln der Marken einen netten, ländlichen Campingplatz zu finden nicht auf, denn offensichtlich sind inzwischen in den Niederlanden Sommerferien: flächendeckend blonde Köpfe. Aber nachdem ich weit und breit keinen einzigen Hinweis finde und ich weiß, dass Wildcampen definitiv verboten ist, muss ich mich wohl oder übel Richtung Tourismus-Hochburgen orientieren, also nach Osten, Richtung Küste. Minütlich wächst der Nerv, denn ich weiß, dass ich diese Gegend verabscheue. Aber es hilft nichts: ich lande in Riccione, meinem persönlichen Super-Gau. Ein Campingplatz neben dem anderen und für mich persönlich einer schrecklicher als der andere. Also halte ich einfach an irgendeinem, bekomme auf meinen ausdrücklichen Wunsch den ruhigst möglichen Platz (wenn man von Ruhe in dieser Umgebung sprechen kann)... Nach einer extrem coolen Rückwärts-Einparkaktion auf Miniplatz unter Bäumen freue ich mich über die bewundernden Worte des jungen Platzanweisers, esse mein karges Abendmahl in der offenen Schiebetür und streife dann noch über den Platz, um mir das Grauen genauer anzusehen. Ich schmunzel wieder mal über mich: ich bin tatsächlich die einzige im weiten Kreis, die hier von Grauen spricht – Tausende sind freiwillig und glücklich hier. Wunderbar, denn so nehmen wir uns niemals gegenseitig unsere Lieblingsplätze weg: ich werde mich nicht ohne Not auf diese Art Plätze stellen – und diese Campingfreunde werden sich nicht für meinen Stellplatz-Geschmack erwärmen. So sind wir alle gut aufgeräumt...

Im Morgengrauen bin ich wach – und mit mir einige Nachbarn, die ihre Outdoor-Teppiche von den herunter gewehten Blättern frei fegen, die Outdoor-Kafeemaschine röcheln lassen oder ihre Bollerwagen bepacken, um das erste Bummelbähnchen zum Strand zu erwischen.

Und auch hier gibt es keinen Blick für niemanden von mir. Noch ohne Frühstück zahle ich den teuersten Platz meiner Reise, lege mein Abschiedslied supersuperlaut auf Dauerschleife und neugierig schaudernd schleichen Franz und ich noch ein bisschen am „Strand“ entlang, bis wir das erste Hinweisschild Richtung Autobahn entdecken. Schnell weg!

Auf der italienischen Autobahn erwischt mich der Blues. Während ich mit 100 Sachen auf der rechten Spur entlang rausche und mit blutendem Herzen die Autobahn Richtung Deutschland einschlage (statt die lockende Abzweigung nach Slowenien zu nehmen) denke ich sehnsüchtig, wie traumhaft jetzt noch 2 oder 3 Wochen wären...

Österreich lässt mich schnell und unkompliziert einen sehr netten am Ossiacher See und einen originellen Platz am Hallstätter See finden, den ich nochmal einen ganzen Tag genieße. Stundenlang paddle ich über den großartigen See, mache einen kleinen Wander-Ausflug in die Berge und verbringe meinen allerletzten, sehr lustigen und interessanten Abend mit einem deutschen Rentner-Paar zwischen unseren Bussen.
 
Mit sehr lauter Fahrerin und aufmunternder Musik hechelt Franz als letzte Herausforderung zwischen unseren Brummi-Kollegen den Irschenberg hoch und lässt uns gesund und vor allem zutiefst glücklich in München landen...