Tag 33 : München -> Obstgarten, Österreich


geschenkte zeit!


Song des Tages: „Restless“ von kakkmaddafakka


Nach großer Begrüßung und Wiedersehensfreude verbringe ich die folgenden Wochen, mich selbst wieder in der Realität zu installieren. Ich brauche Tage, um ein eigenes Bad wieder als Selbstverständlichkeit zu empfinden...

Und dann: mir würde Zeit geschenkt werden, ich könnte mich noch einmal loseisen, ohne dass es jemand wirklich bemerkt ... hin und hergerissen hadere ich die ganze Nacht, ob ich das tun darf, mir leisten kann, ob es gescheit ist... am nächsten Morgen, ganz klar: Raus! Eine knappe Stunde später sitze ich wieder im Franz. Ich habe nur einen Bruchteil von den Sachen dabei, die ich beim ersten Mal dabei hatte, zu hektisch will ich weg. Ich will jetzt keinen Moment verbummeln, denn mir wurden noch mal drei satte Wochen geschenkt! Diesmal muss ich niemandem etwas erklären, diesmal fahre ich gänzlich ohne Abschiedsschmerz Richtung Süden, wieder Richtung Tauernautobahn, aber diesmal werde ich die Abzweigung nach Slowenien nehmen...

Es ist großartig! Mein Wunsch, den ich als unmäßig abgetan habe, wurde mir erfüllt: wieder alle Freiheit der Welt für mich und drei Wochen Zeit! Das Wetter ist gut, die Brummis kommen mir vor wie alte Bekannte, der Franz schnurrt, die Musik schallt wie gewohnt laut und bringt gute Laune...
     
Und dann mich holt das Problem mit dem Schaltgestänge wieder ein. Mist - alles Schönreden hilft nicht: der fünfte Gang ist kaum mehr zu treffen. Dass ich beim Rückwärtsfahren etwas länger brauche, ist ja OK, aber meinen 3-Tonner auf die ausreichende Geschwindigkeit zu bringen, um endlich hoch schalten zu können und dann so viel Zeit mit der Einfädelung in die richtige Position zu verbringen, dass Franz wieder auf 60 km/h abfällt – das ist nicht gut! Mein Grinsen gefriert, ich fahre meist entweder über- oder untertourig und kaufe mir beim nächsten Kaffee-Stopp ein Warndreieck in dem erstmaligen Bewusstsein, dass Franz doch anfälliger sein könnte, als ich es wahrhaben will?

Ich biege früh von der Autobahn ab, um etwas entspannter über die Landstraße zu fahren, finde einen netten Campingplatz auf der Obstwiese eines Bauernhofs, stelle mich wie gewohnt weit ab von allen und koche mir erstmal Tee...