Tag 34 : Obstgarten -> Unter der Birke


im glücks-rausch


Song des Tages: „Verschwende Deine Zeit!“ Die Toten Hosen


„In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks.“
Heinrich Heine


Beim Zahlen frage ich den Chef nach einer Reparatur-Möglichkeit. Erst winkt er ab, da Samstags kein Mechaniker arbeitet, aber dann fällt ihm die Motorrad-Werkstatt ein, die durch den angeschlossenen Laden möglicherweise doch geöffnet haben könnte. Mit bangem "Mädchen-Blick" (der zweite auf meiner Reise!) bitte ich den Besitzer eindringlich, dass er sich – zwar außerhalb der regulären Werkstatt-Öffnungszeit – trotzdem bitte (!) meinen Franz ansehen soll. Ich müsste wissen, was das Problem ist, ob es vor Ort geregelt werden könne oder ich tatsächlich heim müsste. Er ist beeindruckt von meinen bisherigen alleine gefahrenen Kilometern und hebt Franz tatsächlich auf die Bühne. Was für ein Unterschied zu meinen letzten Werkstatt-Besuchen in Griechenland: feinstes Werkzeug in Reih und Glied aufgereiht, blitzblank geputzt, überall Hightech-Geräte, moderne Hebebühne, fusselfreier Boden... jetzt bin ich beeindruckt. Mit einem Kaffee in der Hand stelle ich mich mit dem sympathischen Chef unter den Franz, erfrage allerlei Technisches und ratsche über unsere unterschiedlichen Camping-Erfahrungen. Eine halbe Stunde später ist Franz wie neu! Professionell repariert: der schwarze Gummistopfen sitzt – dank gutem Gerät – wieder an der originalen Stelle, ein paar wackelige Schrauben sind nachgezogen und zusätzlich gibt es noch ein gutes Urteil über den Gesamtzustand. Hurra! 30 Euro und Tausend-Mal-Tausend Dank von mir und aufrichtige Gute-Fahrt-Wünsche von ihm lassen mich über beide Ohren strahlend vom Hof fahren.

Jetzt geht die zweite Reise so richtig los! Tiefblauer Himmel, laues Lüftchen... ich mag nicht zurück auf die Autobahn, sondern nutze die Gelegenheit, mal zu sehen, was es daneben zu entdecken gibt. Die Landschaft ist wie aus dem Bilderbuch: saftig, blau und sattgrün – herrlich. Ich fahre nach Gefühl Richtung Süden, treffe die alte Tauernstrasse, kreuze unter der Autobahn durch die Täler, gehe ein Stück zu einem beeindruckenden Wasserfall spazieren, mache eine sehr gemütliche Kaffee-Pause im Künstler-Städtchen Gmund und finde zum richtigen Zeitpunkt einen netten Stellplatz auf einer Wiese unter Birken.

Auch wenn es mir hier zu voll und zu laut ist: ich strahle heute in meinem Glücks-Rausch einfach alle an, die mir in die Quere kommen. Ganz gegen meine übliche Art nicke ich jedem Camper auf dem Platz zu, als ich mich zur Dusche begebe und nehme extra einen anderen Rückweg, um den anderen Kollegen auch noch zu zu nicken...