Tag 41 : Obstwiese an der Kolpa -> Zadar, Kroatien -> Dugi Otok


rallye durch‘s computerspiel


Song des Tages: „Something Good“ Alt J


Da am nächsten Tag auf diesem Campingplatz irgeneine politische Veranstaltung stattfinden soll (mit Kindertrampolin, Riesengrill und nach den aufgestellten Boxen zu urteilen sehr lauter Musik), flüchte ich nach dem Frühstück ganz schnell und überquere die kleine Grenz-Brücke nach Kroatien.

Für heute habe ich mir das Ziel Zadar ausgedacht, da mir meine Freundin Niki den Tipp der Insel Dugi Otok geschickt hat. Das sieht auf den Bildern superschön aus, klingt landschaftlich hervorragend und da ich Fährfahrten ja so liebe, gönne ich mir das Ticket von Zadar nach Brbinj in der Hoffnung auf das nächste paradiesische Stellplätzchen. Also sause ich rasch über die Autobahn an die Küste und bin ganz beglückt, so unverhofft rasch das Meer wiederzusehen, von dem ich mich so herzschwer vor Kurzem verabschiedet hatte. Ich reihe mich am Hafen in die Warteschlange ein und sehe entspannt bei Sonnenuntergang dem Treiben auf und am Wasser zu. Auf die Fähre fahre ich völlig routiniert, lasse ich mir die steife Brise um die Nase wehen und esse dann im Franz ganz gemütlich zu Abend.

Um mir von den anderen drei mitreisenden Campern nicht den besten (und vielleicht letzten?) Platz auf dem nächsten Campingplatz wegschnappen zu lassen, will ich mich ranhalten... Das heißt: die Adresse googeln, ins Navi eingeben und straight dort hin düsen, um möglichst als Erste anzukommen. Das weckt in mir gleich meine Rallye-Fahrer-Ambitionen... Während die anderen Camper noch in der Fähre auf die Ausfahrt warten, sause ich schon den Hang zur Hauptstrasse hoch, drehe die Musik lauter und folge im Stockdunklen blind meinem TomTom – der mich direkt und ohne Umwege in eine Sackgasse führt. Super! Danke!

Ich muss so laut über mich lachen, während ich Franz durch irgendeine Dorf-Fußgänger-Zone quetsche... Aber was soll ich tun? Das Navi sagt, hier sei der Campingplatz... Ich spreche ein paar Leute aus dem Fenster aus an, alle weisen vage geradeaus und obwohl es offensichtlich keine Straße mehr ist, fahre ich trotzdem weiter. Eltern ziehen ihre Kinder vom Weg, bummelnde Teenies weichen sehr zögerlich zur Seite, vor den Cafés sitzende Männerrunden lachen über mich. Ich lache einfach zurück und zucke mit den Schultern... Mir doch egal! Umdrehen geht hier eh nicht. Irgendwann erklärt mir eine Frau zurücklachend, dass ich hier links und dann geradeaus der Straße folgen soll, dann wäre ich gleich da. Den Gedanken an einen guten Stellplatz in erster Reihe gebe ich auf, während ich zum 20. Mal das gleiche Lied höre und über einen sehr zugewachsenen, sehr holprigen Schotterweg schaukle. Die Frau sagte, ich könne den Campingplatz nicht verfehlen und ich hatte mit ein paar hundert Metern gerechnet... aber hier ist weder Licht, noch ein Hinweisschild, noch irgendetwas anderes als eine baumhohe Gebüsch-Gasse zu sehen. Es fühlt sich an wie in einem ganz schlechten Computer-Spiel, denn ich sehe wirklich nur gerade den Lichtkegel weit, über die Büsche links und rechts ist weder Mond noch Meer als Leitsystem auszumachen, die Straße wird immer schmaler, quasi nur noch ein Pfad, sie windet sich in plötzlich auftauchenden Kurven irgendwo entlang und ich habe keinerlei Orientierung mehr. Kurz nachdem es mir ein bisschen zu unheimlich wird, lichtet sich das Gestrüpp zu einem hohen Pinienwald und dort hinten ist ein Gatter zu sehen. Na also: menschliches Leben! Die schlechtgelaunte Platzbesitzerin weist mir den augenscheinlich letzten Platz zu und ich stehe – statt wie erträumt am Strand – zwischen zwei deutsche Busse gequetscht am Maschendrahtzaun. Tolle Rallyefahrerin...