Tag 42 : Dugi Otok -> Betonstrand, Kroatien


echt düster hier


Song des Tages: „The passenger“ von Iggy Pop


„...Oh, the passenger
     He rides and he rides -

     He sees things from under glass -
     He looks through his windows eye -                He sees the things he knows are his -
     He sees the bright and hollow sky -     

     He sees the city asleep at night -
     He sees the stars are out tonight -                And all of it is yours and mine -
     And all of it is yours and mine -
     Oh, lets ride and ride

     and ride and ride...“

Früh wache ich von durch das offene Dachfenster tröpfelnde Regentropfen auf: greisslich. Greisslicher Platz, greissliche Aussicht, greissliche Nachbarn, greissliches Wetter. Bäh. Es grummelt und poltert laut im Himmel. Mit dem Gedanken, dass vielleicht angesichts dieses fiesen Wetters ein paar der Erste-Reihe-Parker einpacken und ich das selbe Glück wie am Bohinj-See habe, mache ich noch vor dem Frühstück eine Inspektions-Runde. Leider stellt sich heraus, dass es hier keinen einzigen Stellplatz direkt am Wasser gibt und auch die besten Plätze winzigklein und mit Zaun begrenzt sind: greisslich.

Aber der Strand ist schön: eine ganz spezielle Felsküste, ein pittoresker Leuchtturm, die hohen Pinien – sieht alles einladend aus... Der Regen hat aufgehört, die Luft steht nass, der Himmel grummelt immer noch sehr laut vor sich hin und es liegen tiefgraue Wolken als Decke dicht über dem Meer. Und bevor ich noch ganz realisiere, dass mich ein zartes Lüftchen streift, platzt plötzlich wie eine Bombe der Sturm los! Er peitscht die Wellen auf einen Schlag drei Meter höher an den Strand und trifft mich bis zum Knie, der Wind reisst alle losen Gegenstände und den gesammelten Staub mit sich, dem Kiosk wird die Tür aus den Angeln gerissen, alle Leute rennen zu ihren Fahrzeugen und Zelten und versuchen, sich an die ausgefahrenen Markisen zu hängen, den fliegenden Gummibooten hinterher zu springen, umstürzende Campingmöbel zu fangen, das Nötigste zu sichern. Auch ich renne - schon auf ein paar Metern völlig durchnässt - zum Bus, schlage die Türe hinter mir zu und sehe durch die Fenster, wie vor allem die armen Zelter gegen diese Macht ankämpfen müssen. Da lob ich mir doch meinen kleinen Franz, der zwar kräftig durchgerüttelt wird, aber nicht aus der Verankerung gerissen werden kann.

Ich bin froh, dass ich Schlauberger all mein weniges Zeug abends immer (!) wetterfest verstaue und jetzt nichts nachrennen muss - und ich mache mir einen leckeren Tee und ein prima Frühstück und kann aus meiner Höhle mitleidig den anderen zusehen. Fast eine Stunde steht der krasse Gewittersturm direkt über uns. Blitze und Donner gleichzeitig, der Wind peitscht mit fieser Kraft und auch wenn alle Zelter inzwischen vor Angst in ihren Autos und Bussen sitzen, ist es doch ganz schön aufregend, der wild gewordenen Welt da draußen zuzusehen...

Blitz und Donner treten endlich leicht verzögert auf, aber der Sturm scheint sich über uns festgebissen zu haben. Guten Gewissens gönne ich mir ein gepflegtes Vormittagsschläfchen und als ich mir (sehr erfrischt) meinen Kaffee mache, knipst sich aus dem Nichts die Sonne wieder an. Ich gönne den Platzbesitzern noch ein wenig Zeit, sich die Dramatik der Lage anzusehen und mache mich dann auf die Suche nach einem schöneren Platz.

Die Sonne hat sich doch schnell wieder verzogen und düsteren, schweren Wolken das Feld überlassen... Ein ganz neues Bild, aber auch mal interessant, das Land in dieser Farbpalette sehen... Die Wolken liegen bräsig auf den Hügelkuppen und reichen bis knapp über Franz‘ Dach. Kein einziges Auto begegnet mir, während sich Dugi Otok – die lange Insel – wahrlich lang vor mir ausbreitet. Ich kann die Fahrt nicht genießen, weil nichts zu sehen ist. Auch als ich das andere Ende der Insel erreicht habe, ist kein weiterer Campingplatz aufgetaucht. Schade! Ich sehne mich so sehr nach einem neuen Paradies-Platz, ich würde so gerne mal wieder irgendwo angekommen sein... Und ich fahre und fahre... und höre eins meiner Lieblingslieder im Dauerloop.

Also wieder zurück zur Festland-Fähre. Die Warteschlange ist lang, ich koche mir in aller Ruhe einen Kaffee, lege mich lesend aufs Bett und als wir irgendwann auf die Fähre rumpeln, steht die Sonne strahlend, aber schon ziemlich tief am Himmel.

Kroatien scheint in diesem Jahr besonders voll zu sein, Hauptsaison ist sowieso und ich bin froh, nach einer Stunde überhaupt einen freien Stellplatz zu finden. Auch wenn die deutschen Nachbarn sehr starken Kontaktaufnahmewunsch signalisieren, ziehe ich mich etwas unhöflich hinter Franz zurück und verbringe den Abend mit Arbeit am Laptop. Ich habe Strom und Wlan, die Luft ist lau, der Wein schmeckt, ich kann aus der ersten Reihe über die (fies betonierte!) Strandpromenade auf das Meer blicken... und bin ganz zufrieden.