Tag 46 : Insel Brac im Garten -> Weinlaube, Kroatien


schneller abschied vom meer


Song des Tages: „Tesselate“ Alt J


Dann reise ich doch wieder ab. Mich zieht es zwar nicht wirklich weg, weil es so traumhaft schön ruhig und entspannt hier ist, aber mir genügt das familiäre Eingebundensein erstmal und vor allem will ich noch ein bisschen was sehen, bevor ich endgültig nach Hause muss. Also großes Abschieds-Zeremoniell und wieder bin ich mit mir allein. Die schöne Erinnerung an gestern Abend lässt mich lächeln, während ich die Insel kreuze.

Mit der Fähre zurück auf das Festland gesprungen, durch die Großstadt Split gewuselt und – weil ich mich doch noch nicht vom Meer trennen will – auf die Küstenstraße abgebogen. Verwöhnt vom tollen Garten-Platz will ich nicht den erstbesten nehmen und sehe mir mehrere, knapp hintereinander liegende an. Zu groß, zu laut, zu voll, zu brav, zu animiert, zu dreckig, zu eingezäunt.... es beginnt schon wieder zu nerven. Da sitzt am Straßenrand neben einem handgemalten "Kamp"-Schild ein älterer Herr, der mich zu sich winkt. Ich lasse mich von seiner freundlichen Art überreden, mir den Platz mal anzusehen, immerhin steht die Sonne schon wieder wirklich tief. Wir besichtigen den Vorgarten seines Hauses, der in vier Stellplätzen unterteilt ist. Einer ist von einem Uralt-Wohnwagen besetzt, auf einem haben sich Holländer für die Saison eingerichtet und die beiden klitzekleinen nebeneinander liegenden bietet mir Branco an. Die Negativ-Aspekte (keine Sicht auf das Meer und Familien-Anschluss durch direkt angrenzende Wohnblock-Balkon-Reihen) verlieren gegen seine Überredungskunst, die hereinbrechende Nacht und den für mich ausgesprochen charmanten Waschplatz direkt auf der Durchgangsstraße... Ich finde es toll hier. Mit geübter Routine parke ich auf einem Zug von der steilen Straße rückwärts in den mit Weinreben überdachten Platz ein, ernte einen erstaunten „Spezialista!“-Ausruf vom Chef, zahle ihm 10 Euro auf die Hand und nehme erstmal eine lange Dusche in der an die Straße angrenzende Kabine. Das mag ich!

Da ich die letzten Tage nicht zum Einkaufen kam, gönne ich mir ausnahmsweise einen Tavernen-Besuch im nahegelegenen Mini-Hafen. Ich bin mir bewusst, das dies mein letzter Abend am Meer sein wird und so setze ich mich nach dem hervorragenden Essen noch eine Weile auf die Felsen, bevor ich mich in meine „Laube“ zurück ziehe. Franz' Stoßstange dient mir wie so oft als Weinglas-Abstell-Fläche, die Füße lege ich daneben und so starre ich auf meine beiden (unter der Dusche) gewaschenen Kleider, statt mich lange und sentimental vom Meer zu verabschieden...