Tag 09 : Funtana -> Osor auf der Insel Cres, Kroatien


im reise-Flow


Song des Tages: „Poor Young Man's Heart“ Kristofer Aström


„Eine Flow-Erfahrung tritt auf, wenn jemand vollkommen in einer Tätigkeit aufgeht und dabei nicht nur die Zeit, sondern auch all seine Sorgen vergisst.

Je stärker der Flow, desto weniger ist man sich seiner selbst bewusst. Man verschmilzt mit dem, was man tut.“


Artikel in der Zeitschrift „Flow“

über den Psychologen Mihály Csikszentmihályi


Flottes Frühstück im Franz, denn es muss ja keiner merken, dass ich zum zweiten Mal mitten im Dorf übernachtet habe. Richtig legal ist das nicht. Also bin ich um 8 unterwegs auf der Suche nach einem gemütlichen Morgen-Kaffee und relativ schnell entscheide ich, dass ich raus aus Istrien muss: für mein (Fahr-)Vergnügen brauche ich eine Strecke, auf der ich mich am Meer orientiere und es ständig im Blick halten kann. Istrien ist mir viel zu verbaut, nervt mich mit den völlig überdimensionierten „Lidl“-Werbetafeln und hat dafür noch nicht mal ordentliche Strandbars (ich bin echt so sehr Griechenland-verwöhnt...). Natürlich fahre ich auf Kaffee-Pirsch immer respektlos direkt rein in den Stadtkern, aber anhalten ist nicht möglich: kein einziger Parkplatz kombiniert mit keinem ansprechenden Café. Also einfach weg von der Küste, quer über die Halbinsel und - nachdem sich die Route mit Fähranleger-Schildern selbst erklärt - sehr entspannt über sanfte, grüne Hügel zum Meer, zum ersten Kaffee mit Meeresduft! Ich freu mich.

Auf die nächste Fähre gehüpft. Die knappe halbe Stunde Überfahrt zur Insel Cres ist der gefühlte Startschuss zu meiner „richtigen“ Reise: Meeres-Brise, Luft, Sonne, Schiffsdiesel - und das Wahnsinns-Gefühl, wieder im „Reise-Flow“ zu sein. Offenbar brauche ich diesen Kick des Übers-Wasser-Bewegens, um mich wirklich reisend zu fühlen.

Auf der Insel spuckt die Fähre alle Fahrzuge aus, die sich langsam auf der einzigen Straße entlang des Inselkamms verteilen. Es ist ein traumhafter Höhenweg mit grandiosem Blick: der Fahrgenuss pur, den ich ausführlich und laaangsam mit chilliger Musik auskoste. Auf einer der 12% Steigungen fällt der Tankanzeiger auf unter Null: Mist, ich hab echt nicht daran gedacht, dass Tankstellen auf der Insel sicher Mangelware sind! Während ich den Reservekanister einfülle, ärgere ich mich über meinen Anfängerfehler, aber vier nette Motorrad-Italiener muntern mich mit lustigen Sprüchen über Franz wieder auf. Naja, 5 Liter werden schon reichen... zur Not erbettle ich mir irgendwo einen vollen Kanister von gecheckteren Leuten - alles entspannt.

Samir´s Campingplatz-Tip (Danke!) lässt mich vertrauensvoll und kompromisslos Osor ansteuern und damit einen Volltreffer landen: relativ wild, abseits am Rand, direkt am Wasser. Herz-Glück!


Den Abend verbringe ich im angrenzenden Dörflein, deren Einwohner ihren Lieblings-Heiligen mit Kirchturmglocken- und Akkordeon-Konzert feiern. Ich bin gefangen von dem Schwung und der Kraft dieser Musik und den vielen Singenden, die im Kreis stehen, Bier in der Hand halten und absolute Geborgenheit ausstrahlen. Lebenslust.