Tag 13 : Punta Kriza -> Mali Losinj -> Zadar, Kroatien


Schneckentempo-tag


Song des Tages: „Riptide“ Vance Joy


Nach der frühen Paddelrunde spricht mich ein netter Rentner an, der sehr ungläubig fragt, ob ich wirklich ganz allein unterwegs bin (als ob er befürchtet, dass ich meinen Reisegefährten im Auto einschliesse)? Und ob ich dabei nicht einen Mann vermisse? Die Reaktion auf mein Alleinsein ist immer ähnlich: erst sehr ungläubiges Nachfragen (Wirklich ganz allein? Für so lange Zeit? Und schon zum dritten Mal?) dann in der Regel der Ausruf: Toll, echt, aber das wär nichts für mich! Auf meine Frage nach dem Hindernis, alleine zu reisen, kommt von den Männer fast unisono: weil ich jemanden zum reden brauche und die Frauen antworten: und weil ich es mir alleine nicht zutraue.

Gemeinsames Reisen ist superschön! (Und Familienreisen sowieso!) Aber warum gibt es tatsächlich so wenige Alleinreisende? (Ich habe in all den Wochen vielleicht 5 Männer gesehen.) Muss man unterwegs reden, um das Erlebte zu teilen und sich damit bewusst zu machen, dass es wirklich passiert ist? Oder braucht man den gewohnten Zustand, dass jemand neben einem sitzt und mir zuhört/ mich volltextet? Oder muss man reden, weil es sonst zu still/ zu viel Zeit für ein Selbstgespräch wäre?
Und was genau kann frau sich nicht zutrauen? Die „Hausarbeit“ (waschen, spülen, räumen) auf Reisen alleine zu meistern? Alleine zu tanken/ den Weg zu finden/ Strecken zu planen..? Oder einfach nur überall alleine aufzutreten und damit aufzufallen?

Ich falle sicher auf, auch wenn ich oft versuche, mich unsichtbar zu machen, indem ich Blickkontakt vermeide... (wie Kinder, die sich mit zugehaltenen Augen verstecken...) aber wie ich wirke, ist mir definitiv egal! (Ehe-)Frauen reagieren oft mit eher biestigen Blicken auf mich. Männer sprechen mich häufiger an, wobei ich dann ein wenig den Eindruck habe, dass sie mich (in ihrem Mitleid) beschützen/ aufmuntern möchten...

Aber warum bekommt die Allreinreisende erstmal Mitleid? Ein wenig kann ich es sogar nachvollziehen, weil es mich (ich gestehe!! - und ich muss dabei sehr über mich selbst lachen!) auch reflexartig überkommt, wenn ich den „Verdacht“ habe, dass da eine Alleinreisende sitzt (was sich noch nie bestätigt hat) - aber ich verstehe nicht: welche Gründe sprechen gegen das lange, selbstbestimmte (!) Alleinereisen?

Den heutigen Tag verbummle ich im Schneckentempo: langsaaam packen, laaaangsam die schöne Strecke durch den Urwald zurück schleichen, mich laaangsam mit Umwegen an Mali Losinj rantasten, dort einen laaangsamen Cappuchino auf der Promenade trinken, in die Fährschlange einreihen (es ist sooo heiß: im Franz steigt das Thermometer auf 45 Grad!), raufgehüpft und mit lesen, schreiben, gucken (und mich verbotenerweise nen Stündchen im Franz schlummern legen) die 6 Stunden Fahrzeit verbringen.

Die Fahrt dauert länger als ich vermutet hatte (nachgefragt habe ich schlauerweise nicht...) und wir legen erst um 23 Uhr in Zadar an. Ich mag die Dunkelheit einfach nicht besonders - und noch weniger, wenn ich dann noch keine „Heimat“ habe und definitiv nicht weiß, wo ich hin soll/ kann. Aber Glück gehabt: Wohnwagenschwaben neben mir reden über einen möglichen Stellplatz am Yachthafen - diese Info nehm ich gleich mal als Ziel. Nach Gefühl (der angesprochene Taxler konnte mir jedenfalls nicht helfen, aber er empfahl mir, einfach irgendwo stehen zu bleiben: Zadar sei sicher!) finde ich auch relativ rasch die beschriebene Stelle - die Checkerschwaben sind natürlich schon da. Auf dem Plateau mit Blick über die Marina stehen noch zwei bewohnte Camper, so empfinde diesen Platz als sehr gemütlich und fühle mich geborgen: gute Nacht!