Tag 19 : Budva, Montenegro -> Barbullush, Albanien


die neugierde siegt


Song des Tages : „Barfuaß grodaus...“ Bürgermeista


"Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass es etwas gibt, das wichtiger ist, als die Angst."

Ambroise Redmoon


„...und wenn i kurz moi inne hoit,
    dann woass i, was i brauch

    und was ma foit:
    barfuaß grodaus in die Sonna naus,

    in die Sonna naus.
    Barfuaß grodaus in die Sonna naus!...“

Gestern kamen wir drei Ausflügler von unserer Rundfahrt sehr spät zurück, wir hatten unser Zeitgefühl verloren, zu lange in der Pause geratscht und die Strecke war dann länger als gedacht. Wie selbstverständlich haben mich Vesna und Rolf übernachten lassen und mir nochmal ein super Frühstück auf der Terrasse kredenzt. Was für Schätze!

Dann breche ich doch wieder auf: mir laufen die Urlaubstage davon und ich will noch Albanien durchfahren. Einige Stunden haben mich die Schwärmereien und traumhaft klingenden Beschreibungen meiner vier Gastgeber noch in ziemliche Unsicherheit über meine Route gebracht - aber Montenegros Berg-Highlight habe ich sehen dürfen, Küste habe ich insgesamt in Kroatien genug gehabt und die mich extrem reizende Tara-Schlucht (inklusive Rafting), hatte ich zumindest so ähnlich schon in Slowenien.

Auch wenn es reizvoll klingt und sicher, gemütlich, heimelig und es garantiert schön wäre, mich weiter in Montenegro aufzuhalten... hey: da gabs doch den eigentlichen „Sinn“ dieser Reise: ich will Neues sehen, Neues erleben!
Also - weiter.

Auf Vesnas und Rolfs Empfehlung fahre ich eine der schönsten Strecken überhaupt: die einspurige Passstraße am riesigen Skutarisee entlang. Das ist genau meins! Während der etwa 3 Stunden Fahrt kommen mir etwa 8 Autos entgegen, was ziemlich waghalsige Ausweichmanöver bedingt (ich bin froh, dass ich auf der Hangseite fahre!) - und sonst: völlig allein tuckert der Franz mit etwas über Schrittgeschwindigkeit und grandiosen Aussichten über das extrem bucklige Sträßchen... Genuß und Freude pur!!

Irgendwo im Niemandsland sitzt eine ältere Frau am Straßenrand und winkt mir strahlend lächelnd mit ihrer Weinflasche zu. Warum nicht? Also begleite ich sie (naja, sie zieht mich untergehakt) zu ihrem Häuschen und probiere mich durch ihre Liköre und Weine... Hoppla! Aber wirklich lecker! Sie redet ohne Unterlass und beschreibt und preist an - ich bin begeistert und kaufe ihr 2 Liköre (Kirsch? mit Kaffee und möglicherweise Pflaume) und einen superleckeren, tiefroten Wein in Plastikflaschen ab. Der Preis ist ihr wahrscheinlich eine abendliche Party wert - aber 4 Liter bester, handgemachter Alkohol sind für mich super Geschenke und eine total schöne Erinnerung!

Vor der albanischen Grenze kostet mich die „Schlange“ aus 10 Autos eine schwitzend-heiße Stunde und danach kurve ich bayerisch (!) singend durch Shkodra. Eigentlich muss ich hier gar nicht durch, aber ich will einfach mal sehen, wie es aussieht. Ich liebe zielloses durch fremde Städte fahren und inmitten des Verkehrs rumkreuzen und gucken. Ein paar Mal höre ich einen lauten „Deutschland!!“- Brüller... ja, hallo zurück!

Schilder gibt es in dieser Stadt definitiv keine, aber die Sonne leitet mich klar nach Süden. Easy finde ich die richtige Straße, kurz drauf auch den Campingplatz einer holländischen Familie. Und ich muss so lachen: das „wilde“ und „gefährliche“ Albanien empfängt mich als Erstes mit einem Pool! Aaaaahhh: das hab ich mir gewünscht!