Tag 21 : Barbullush -> Karpen (südlich von Dürres), Albanien


wo ist denn jetzt das abenteuer?


Song des Tages: „Guaranteed“ Eddie Vedder


„...what is the purpose of my life if it doesn't have to do with learning to let it go...“
Jack Johnson


„...on bended knee is no way to be free
    lifting up an empty cup, I ask silently
    that all my destinations will accept the one that's me
    so I can breathe...

 

... wind in my hair I feel part of everywhere....

 

... leave it to me as I find a way to be
    consider me a satellite forever orbiting..."

Plätze zu verlassen, auf denen ich ein solch luxuriöses Leben habe (also viel Raum um mich, keine nervenden Nachbarn, eine gute Dusche und ein geborgenes Gefühl) fällt mir immer schwer. Diesmal kommt dazu, dass ich noch weniger weiß, was mich auf der Weiterfahrt erwartet, als sonst - ist es wirklich so beängstigend, wie der Balkan und Albanien im Speziellen meist dargestellt wird? Fiese Straßen, Anfeindungen, übergriffige Bettlerei?

Trotzdem räume ich - nach ausführlicher Poolplantscherei - den Franz wieder auf Reisestatus und mache mich auf den Weg nach Süden. Mein Wohnmobil-Reiseführer beschreibt begeistert alle Ausgrabungen, Kirchen/ Moscheen und Städte entlang der Strecke und auch die Berliner haben mir eine Menge (Touristen-)Tipps gegeben - aber eigentlich will ich einfach nur sehen, wie die Welt hier aussieht, wie der Alltag ist, wie die Menschen leben. Darum spare ich mir alle Besonderheiten (und Tourihöllen-Basare) und lasse mich Richtung Süden treiben. Ab und zu nehme ich einen spontanen Abstecher von der Hauptstrasse und staune: es ist so viel gediegener, gepflegter, üppiger, fast schon spiessig entlang der Straßen. Der Müll liegt größtenteils in den Tonnen, die Häuser stehen meist farbenfroh in großen Gärten, die Straßen sind in der Regel gut befahrbar (wenn man die vielen tiefen Krater und Bremsschwellen in Bordsteinkanten-Format rechtzeitig entdeckt), geheiratet wird in klassischem Prinzessin-Kostüm in offenbar dafür errichteten Locations in der Lagune und (was mich am meisten erstaunt!) die Autos sind quasi alle gehobene Mittelklasse. Gibts doch gar nicht! Vor 5 Jahren röhrten hier fast ausschließlich extrem schäbige „Hausmeister“-Benz (viele mit verwittertem D-Aufkleber) und jetzt? Eindeutig abgelöst von der A-Klasse.

Ich bin also extrem überrascht und sogar ein wenig enttäuscht: Abenteuer ist diese Gegend jedenfalls nicht (mehr). Sicher wäre es im Hinterland spannender, aber dafür fehlt mir diesmal die Zeit, in ein paar Tagen sollte ich die Fähre erwischen. Ich komme wieder!

Am frühen Nachmittag entscheide ich spontan, auf den Campingplatz zu fahren, an dem ich vor 5 Jahren schon mal war. Er ist mir damals als einer der tollsten Plätze überhaupt in Erinnerung geblieben: Der Stellplatz unter Schattendächern direkt am Strand mit einer vorgelagerten, künstlichen Insel. Ich finde ihn auf Anhieb (der damals einzige Hinweis, ein mit „Kamp“ beschrifteter Stein, wurde von immerhin drei Holzschildern abgelöst) und freu mich wie verrückt, als ich den letzten freien Platz in der ersten Reihe bekomme.

Ein Platz direkt am Wasser mit Aussicht hat mir echt gefehlt. Umsomehr genieße ich den Abend still im Sand sitzend...