Tag 23 : Livadh -> Ksamil, Albanien


unspektakulär schön


Song des Tages: „Taro“ Alt J


Gestern Nacht kam noch der Juniorplatzchef (oder „Juniorplatzhirsch“?) mit der 2-Liter-Flasche „Homemade Raki“ daher und hat mich 2 Stunden quasi monologisierend in recht gutem Englisch unterhalten. Die paar Fragen, zu denen ich (beim Luftholen) Gelegenheit hatte, beantwortete er ausführlich, was dem Gespräch (neben dem guten Schnaps) immerhin einen Mehrwert gegeben hat:

Wichtige Antworten auf meine (mich drängenden) Fragen:
- bei den Alten ist heute noch ganz klar die Einstellung, dass die Frau geschlagen werden darf („should“ sagte er, was auch immer er meinte) und dem Mann klar untergeordnet ist - die jungen Albanier dagegen haben diese Einstellung nicht mehr (mit Ausrufezeichen!)...
- die jungen Frauen sind sehr selbstbewußt, allerdings zählt bei deren Männerwahl nicht das gute Herz oder „a fine guy“, sondern: nur die Kohle. Das betrübt ihn sehr, wie es schien...
- er meint, das Leben in Albanien sei selbstgewähltes Schicksal: Alle haben viel Land und es ist nur an einem selbst, was man daraus macht. Sein Großvater hat guten Wein darauf erzeugt, seine Familie hat im letzten Jahr den Campingplatz daraus gemacht und wenn Gemüse darauf angebaut wird, kann man es immer gut verkaufen: er sagt, dass keiner arm bleiben müßte. Nur gehen die Leute dummerweise in die Stadt und haben dort dann keine Chance mehr...
- und (die mir wichtigste Antwort): „For albanian people their car is their god. Nothing is more important!“ Viele haben in den großen Städten sehr gute Jobs (Advocat, Designer like you, Polizist, Behörde (with corruption, of course!), Politiker und klar!, Drogen...) aber ALLE kaufen zuerst das dicke Auto, dann ein weniger gutes Haus und ganz am Ende das Essen... Und großer Spaß der Großstädter ist, logisch, Sonntags das dicke Auto zu zeigen...
OK, Danke, alles Wichtige soweit geklärt.

Ich fahre früh los, es ist echt heiß. Da bietet sich eine Beach-Pause am abgelegenen Strand an, der weiter hinten allerdings (bei zweitem Blick) gerade mit dem Bagger für die Hauptsaison bearbeitet wird.

Das einzig Aufregende (ausser Ausgrabungsstätten), das etwa an meiner Route liegt, ist eine sagenhafte Quelle - Wasser find ich immer gut, also hin.
Und tatsächlich ist jetzt, abseits allen Sonntagsverkehrs, aller Großstädte und Touristen-Hotspots sehr viel weniger Bonzenverkehr und auch die Städtchen sind deutlich weniger protzig...

Aber die Menschen bleiben unvorstellbar ... (ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll)... herzlich? freudig? aufgeschlossen? beglückt? ... Oft wird mir zugewunken (beim ersten Mal bin ich stehen gebblieben, weil ich dachte, der Alte will mitgenommen werden...), immer zugelächelt und an der Tankstelle bekomme ich zur Begrüßung einen Händedruck (!) und einen Espresso mit Familienanschluss unter dem Fernseher mit italienischer Soap... Ich freue mich darüber!

Die tolle Quelle erweist sich als ganz schön, aber unspektakulär, jedenfalls den weiten Umweg (plus die 4 km extrem schlechte Schneckentempo-Durchschüttel-Schotterpiste) nicht wert. Ja mei. Schon dauergähnend und hart an der Grenze zur Fahr-Unlust wieder zurück auf die Hauptstraße, Platz suchen und (zum Glück!!) einen duften finden. Duschen, waschen, kochen, Schläferchen und dann (natürlich!) mit feinem Wein dem feinen Sonnenuntergang zusehen (und dabei sehr coolen, französischen Rap von der Bar gegenüber hören)... Ach, so gut gehts mir...