Tag 25 : Irgendeine Bucht, Griechenland


Schweigendes Stillsein


Song des Tages : „Morning has broken“ Cat Stevens


„Wer nach aussen schaut, träumt. Wer nach innen schaut, erwacht.“
Carl Gustav Jung


Wie jeden Tag wache ich früh auf, sehe aus dem Fenster und freue mich! Was für eine Idylle....: die Sonne lauert noch hinter dem Berg, alle anderen 9 Menschen hier in der Bucht schlafen noch und ich trinke meinen Kaffee in absoluter Ruhe am ruhenden Wasser.

Neugierig frage ich später den Franzosen, was er in dem großen Sack aus dem Meer mitbringt: Seeigel. Er bekommt leuchtende Augen, als er mir vorschwärmt: in Frankreich gelten sie als seltene Delikatesse, sind superteuer und schmecken très, très bon, wie Kaviar! Er zeigt mir, wie schön sie sind, wie man sie öffnet und rauslöffelt.... uuuuh. OK, schmeckt, als würde man ein durchgeweichtes Meerwasser-Essenz-Gummibärchen essen. Interessant, aber Merci, mehr braucht‘s wirklich nicht... Non, Non...

Und noch einen Tag bleibe ich in diesem kleinen, übersichtlichen Idyll... einfach nur mal wieder alle Eindrücke und die Gedanken sortieren. Wenn ich an kürzliche Begebenheiten denke, dann habe ich das Gefühl, als seien inzwischen Monate und nicht nur Tage vergangen...

Ich bin ganz für mich, schicke nur ab und zu ein freundliches Lächeln zu den anderen, nachmittags bitte ich die griechische Familie um die Aufladung meines Laptops an ihrem Solarpanel und die restliche Zeit verbringe ich absolut schweigend - und meine Stille absolut genießend.

Am späten Abend bricht dann Hektik aus: einer der Camper hat einen möglicherweise schweren Sturm im Wetterbericht gesehen und warnt nun alle radebrechend über die Gefahr, bei starkem Regen nicht mehr aus der Bucht zu kommen... Ich sehe mir den Boden an: Kies, fest. Die Auffahrt zur Strasse ist betoniert, Franz ist relativ leicht... ich bleibe stehen, räume alles zusammen, mache Franz regendicht und, als der Wind tatsächlich schlagartig stark auffrischt, setze ich mich mit meinem albanischen Rotwein direkt ans Wasser und betrachte in meine Picknickdecke gehüllt ewig den Sturm, die Sonne, die Wolken, das Meer. So schön!

Als es dunkel ist, ziehe ich mich in mein Nest zurück, ausgestattet mit einem Pappbecher voll großartigem, selbstgemachtem Limoncello und Eiswürfeln (!) vom Franzosen. Hmmmm...