Tag 26 : Bucht -> Igoumenitsa -> Ioannina, Griechenland


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Song des Tages : „leider geil“ deichkind


„Auf dem Pfad zur inneren Ruhe liegen viele weggeworfene Äußerlichkeiten“
Ernst Ferstl


Der nächtliche Sturm war eher ein heftigeres Lüftchen und das Gewitter dann nur weit hinten über Corfu zu sehen: eine unspektakuläre, ruhige Nacht also und am frühen Morgen kann ich mich schon wieder in die Sonne ans Meer setzen.

Der Abschied von diesem Platz fällt mir tatsächlich am schwersten von allen auf dieser Reise, denn er ist - trotz fehlendem Luxus wie Strom, Wlan, Dusche - perfekt für mich und mein Urlaubsgefühl. Ich fühle mich hier extrem geborgen (durch gleichgesinnte Nachbarn, die einander sehen, aber in Ruhe lassen) und bin trotzdem super frei.

Aber... ich verabschiede mich trotzdem, denn ich habe die Idee, mir doch noch kurz die Berge anzusehen und auf einem der tollen Bäche dort oben eine Rafting-Tour zu machen. Und sobald ich im Franz sitze und die Musik aufdrehe, freue ich mich über das Neue, das es heute zu sehen geben wird - es muss ja schon so bald Richtung Heimat gehen, dann möchte ich die letzten Eindrücke noch mit aller Kraft einsaugen.

Sonst war ja Ancona mein Zielhafen, aber mit meiner Abneigung gegen diesen Teil Italiens möchte ich mir den Streckenabschnitt gerne sparen und mich diesmal in Venedig absetzen lassen. In den letzten netzfreien Tagen konnte ich die (wenigen) Abfahrtstage nicht recherchieren - dann frage ich halt mal oldschoolmäßig vor Ort nach... In Igoumenitsa erkämpfe ich mir mit sehr unverschämtem Fahrmanöver und passendem Grinsen einen Spitzenparkplatz, kaufe das perfekte Ticket für die Fähre am Samstag Früh und gönne mir ENDLICH (!) meinen Morgenfrappé im Straßencafé. Ich sitze und gucke: alle so relaxed, gut gelaunt bummeln sie durch die Fußgängerzone, jeder kennt offenbar jeden und nach der völligen Frauen-Abwesenheit in Montenegros und Albaniens Straßenbild sehe ich endlich wieder schöne, toll gepflegte Damen und Teenies ... extrem entspannt, die ganze Atmosphäre. Gefällt mir gut, ich fühle mich so wohl, dass ich mir nach dem Kaffee auch noch ein Gyros in der nächsten Eckkneipe gönne.

Auf Lefkas niedergelassene Deutsche, die ich in Albanien traf, erzählten mir, dass die Anfeindungen gegenüber den Deutschen teilweise sehr deutlich geworden sind. In dieser Woche sollte ja eine wichtige Entscheidung fallen, wie es mit Griechenland in der EU weitergeht - und ich habe natürlich keine Ahnung... Bißchen peinlich, aber so naiv kann ich allen weiterhin wenigstens ganz unvoreingenommen und sehr freundlich begegnen.

Nach dem Stadtbummel erklimme ich laut beschallt mit Franz wieder eine recht steile, aber überraschend toll ausgebaute Strecke, die über wunderschöne Fernsichten nach Ioannina führt. Das in den Gipfeln hängende Gewitter wirkt - in Kombination mit der völligen Abwesenheit von Menschen - ein wenig unheimlich... aber egal.

In der Stadt finde ich auf Anhieb den Campingplatz am See und im anrückenden Gewittersturm bringe ich mich und Franz nach unserer Verlotterung der letzten Tage wieder auf relativ sauberen „Original“-Zustand: tut auch wieder gut!