Tag 29 : Fähre -> Venedig -> Toblacher See, Südtirol


Cruisen lassen und cruisen wollen


Song des Tages : „Ayo Technology“ Milow


Trotz des laut durchscheppernden Kühlaggregats des LKWs neben mir und der obligatorischen Alarmanlagen-Kakophonie schlafe ich grandios gut. Der Wecker klingelt allerdings schon wieder um 5, weil ich noch was vom Meer und dem Sonnenaufgang sehe möchte. Also ohne Frühstück rauf an Deck, das erste Mal seit langem wieder „ordentlich“ angezogen (also etwas mehr als das Flatterkleidchen) und mich innerlich vom Sommer, dem Meer und der Reise insgesamt verabschieden. Es fällt mir echt schwer!

Um 8 sind wir endlich von Board und ich stehe kurz darauf vor dem Campingplatz: quasi neben dem Fähranleger, Blick auf Venedig und mit direkter Boots-Verbindung dorthin... eigentlich perfekt. Aber die aus Bussen strömende, hinter hochgehaltenen Armen hinterhertrabende, schnatternd-dichte Menschenmasse... Mich schaudert es bei der Vorstellung, mich mit diesen Horden durch die Stadt treiben zu lassen - und die Idee, den Tag mit ihnen in Venedig zu verbringen, stirbt sofort. Ich drehe zackig um und setze mich erstmal ins erstbeste Straßencafé, das sich als mein Frühstückstraum entpuppt: lauter kleine salzige und süße Häppchen für je 90 Cent und der Cappucho für 1,30. Herrlich! Die Sonne wärmt mich, ich breite meine (völlig zerissene, alte) Karte aus und lausche: die immer anwesenden, krakeelenden Männer, die an schöne Irlaube erinnernde Geräusche der Kaffeemaschine und das typischen Klappern der Kaffeetassen... Ich liebe italienische Cafés!! Ich sitze und gucke auf meinen Plan - und entscheide: wenn ich die letzten Wochen immer gen Süden gefahren bin, orientiere ich mich ab jetzt einfach straight gen Norden - quer durch die Berge.

Ein Stück herrlicher Autobahn läßt den Franz in lange vergessenen Geschindigkeitsrausch geraten und ich finde mich genußvoll cruisend in traumhafter Bergkulisse wieder. Ein kleines Schläfchen auf irgendeinem Wanderparkplatz, ein kurzer Bummel durch Cortina, eine superschöne Kirche besichtigen, eine Kuh streicheln, einen Minikaffee auf einer Terrasse am See trinken... schön!! Und: ganz plötzlich reden wieder alle Deutsch - und die Preise verdoppeln sich! Welcome back, auch wenn es erst Südtirol ist.

Allerdings: wenn ich mir Sorgen um ein Land machen wollte, dann wäre es hier oben! Während Griechenland schon immer etwas leger mit seinen Gebäuden umging, Kroatien m.E. einfach kein großes Architekturbewusstsein hat und Montenegro/ Albanien insgesamt im sichtbaren Aufbruch sind... hier ist alles am verfallen/ aufgegeben/ zu verkaufen.... Beängstigend, finde ich!

Ich "stolpere" über einen wirklich sehr netten Campingplatz am Toblacher See, mitten drin in den Dolomiten. Parzellierte Plätze, geschlossene Schranken, eine Plastikkarte für die Waschräume, WiFi kostet halbstündlich, es gibt Bürozeiten, Fahrverbotszeiten und ein Wäscheleinenaufhängverbot - egal. Ich parke Franz und gehe fast 2 Stunden um diesen supersuperzauberhaften See spazieren, genieße die echt ersehnte (extrem saubere!) Dusche, hole mir ein kühles Südtiroler Bier im Weißbierglas - für 5 (!) Euro!!! - zu meinem Abendritual und friere mich zitternd und zufrieden durch den Abend.