Tag 02 : Elmritz bei Leipzig -> Peine bei Hannover


ausgebremst


Song des Tages: „I‘m Into You“ Chet Faker



Kalt ist es im Franz, 5 lausige Grad. Dank doppelter Bettdecken-Schichtung kein Problem, zum Aufstehen allerdings sportlich. Aber schon als die Kanne Tee kocht, zeigt das Thermometer „kuschlige“ 10 Grad an. Ist halt keine reine Spaß-Tour, diesmal.

Ein spektakulärer milchig-dunstiger Sonnenaufgang über die Fluß-Aue versüßt mir die Kälte und den Tee trinke ich eingemummelt draussen an den Bus gelehnt. Dank abgeklemmter Batterie startet Franz einwandfrei, ich winke der netten Platzchefin zurück und hole mir kurz drauf einen Kaffee bei McDonalds. Und schon bockt der Franz schon wieder. Aber: cool bleiben, nicht ärgern, zweimal um das Auto gehen und durchschnaufen... reinsetzen und: springt an. Einfach nicht nachdenken, einfach fahren.

Und als ich noch über die Landschaft, über dieses platte, für bayerische Augen so dünn besiedelte Land staune und mich an der entspannt-leeren Autobahn und meinem mit 100 Sachen brav dahinschnurrenden Franz erfreue - beginnt es ausgesprochen unangenehm zu ruckeln. Ach, Franz.

Runter vom Gas, rauf auf den nächsten Rastplatz. Kann ja eigentlich nur irgendwas am Reifen sein, denke ich, trete an die Räder und spüre tatsächlich, dass sich das rechte Hinterrad ungesund auf der Achse bewegen lässt. Auch der dazu getretene Litauer rät in perfektem Englisch von der Weiterfahrt ab, tippt aufs Radlager und beglückwünscht mich zur ADAC-Mitgliedschaft. Ich mich auch.

Drei Stunden später stehen Franz und ich vor einer Renault-Werkstatt in Nirgendwo. Der sehr freundliche Meister bemitleidet mich für meinem Schrotthaufen (O-Ton), erinnert schulterzuckend an den morgigen Feiertag, bestellt das Ersatzteil, verspricht den Mechaniker für Montag Früh und hat nichts dagegen, als ich ihn frage, ob ich bis dahin auf dem Nachbar-Feld campieren dürfte. Ich lasse mein Laptop in der Werkstatt-Küche laden und stelle mich auf das hübsche Maisfeld... aber bei genauerem Nachdenken fällt mir auf, dass der einmalig geladene Laptop niemals bis Montag Früh reichen wird, was mittlere Panik hervorruft. Also recherchiere ich doch den nächst gelegenen Campingplatz, besichtige auf dem Weg die Stadt Peine (mit St. Jakobi, einer der schönsten Kirchen, die ich je gesehen habe!) und darf dann als einziger Gast in einer riesigen Geisterstadt von Wohnwagenburgen herrlich abgelegen direkt am See parken: ein Traumplatz - Glück gehabt!