Tag 08 & 09 : Nida, Litauen -> Im Wald hinter Liepaja, Lettland


im niemandsland


Song des Tages: „XOXO“ Casper feat. Thees Uhlmann


„...Wir liegen lachend in den Trümmern

und fühln uns frei,
wir sind 30 Fuß high und steigend.
Zuhause ist da, wo man sich vermisst,
doch wir glauben an ein Licht,

das niemals verlischt....“


Ich stehe im Wald. Der Campingplatz ist - bis auf ein Schweizer Weltreisemobil - völlig leer. Und ich fühle mich ausgesprochen wohl hier. So entscheide ich spontan wegen der Arbeit, die sich bei mir (wegen der verquatschten Fährtfahrt, auf der ich ja eigentlich durcharbeiten wollte) angestaut hat, heute schon wieder stehen zu bleiben: sehr ungern, weil ich wieder nichts genug sehe von der Welt, aber ich habe vesprochen, zu arbeiten und es hilft heute nichts... Bis die Sonne hinter dem Wald hervorkriecht und mich mit ihrer Kraft aus dem Franz herauslockt, heize ich den Innenraum mit der offenen Gasflamme kuschlig warm und bin konzentriert bei der Sache.

Zur Belohnung gibt es einen laaangen, tollen Spaziergang über eine der größten Dünen Europas. Ich laufe ewig barfuß über den kalten Sand, über die völlig menschenleeren Hügel und bin sehr beglückt über diese grandiose Natur und das Gefühl, hier völlig allein zu sein und mich trotzdem geborgen zu fühlen. Das zugehörige Dorf Nida ist wirklich wie aus dem Bilderbuch: unfassbar sauber und aufgeräumt, mit seinen pittoresken Holzhäusern und den netten Gärten.

Was mich tatsächlich extrem beeindruckt: diese absolute Stille. In meinem Wald höre ich wirklich keinen (!) einzigen (!) Ton. Verrückt.

Am nächsten Tag „entkable“ ich meinen Franz: all mein Elektrokram ist aufgeladen und selbst die Batterie ist tatsächlich wieder gefüllt - und los. Die Kuhrische Nehrung besteht ja nur aus einer langen Straße durch den Wald. Um das Meer zu sehen, muss ich einen kleinen Stop machen und rüberspazieren. Auf der Düne sitzend genieße ich einen traumhaft klaren, weiten Blick, ganz ohne Mensch. Toll.

Ich nehme einen sehr lustigen alten Herrn mit, der als Anhalter am Straßenrand steht. Leider können wir uns nicht unterhalten, aber er sieht großartig aus mit seinem riesigen Hut. Die kleine Fähre bringt mich wieder ans Festland und jetzt drücke ich auf die Tube, um mal ein paar Kilometer zu machen! Unterwegs gable ich einen spanischen Tramper auf, mit dem ich laut lachend die nächsten Kilometer verbringe. Auf völlig unspektakulärer Strecke, quasi nur durch den Wald und ohne Aussicht kreuzen wir die Grenze nach Lettland. Als ich Miguel in der nächsten Stadt, Liepaja, absetze, entscheide ich spontan, die Jungs von der Fähre zu besuchen, die erzählten, dass sie hier in der Nähe mit Freunden in einer Jagdhütte wohnen und neben der ich parken könne.


Gute Entscheidung: ein lustiger, langer Abend - sogar mit Tanzbein schwingen...

"Uz veselibu" (sprich: os wesseli bu) heißt übrigens Prost (reicht auch nur "Bu"), Danke Andris.