Tag 05 : Insel Poel -> Insel Usedom


Graus lass nach


Song des Tages: „My god knows how to cry“ Hanna Leess



OK: ich habs ja eigentlich erwartet/ befürchtet/ geahnt: der August ist der denkbar falscheste Zeitpunkt für einen ruhigen Strandgang an der deutschen Ostseeküste. Ich fahre von (meinem persönlichen!) Graus zu Graus: Kitschige Disneyland-Leuchttürme als Hotel/ Bar/ Kiosk flankieren die Straßen, unendliche Shopping-Meilen mit Souvenirläden/ Edelboutiquen/ Fischbrötchenbuden weisen den Weg Richtung Strand, Promenadeanlagen versperren die Sicht. Wenn nach Parkplatzsuche das Meer dann endlich in Greifweite liegt, muss neben der Parkgebühr auch Kurtaxe am Automaten und Eintritt zum Strandbad gezahlt werden. Nein, das schaffe ich nicht... Da kann mich kein Matjesbrötchen trösten, auch die Aussicht von der Promenade über die Strandkörbe zum Meer ist nach wenigen Minuten nicht mehr reizvoll: hier ist nicht mein Revier!

Zwar liegen wohl zwischen den Seebädern ein paar eintrittfreie Strände hinter der Düne, die sind aber heute leider (am heissesten Wochenende des Sommers mit Ferien in diversen Bundesländern) wegen Mangel an Parkplätzen kaum erreichbar. Als ich dann endlich (!) doch einen fand, kam mir ein weinender Junge mit Feuerquallen-Wunde entgegen...

Also mache ich mich nach Blick auf Kühlungsborn, Heiligendamm, Warnemünde fluchtartig auf, um mir den vermutlich ähnlichen Rest der Küste dort oben zu sparen und sause einigermaßen genervt Richtung Usedom, in der großen Hoffnung auf einen feinen, ruhigen Stellplatz direkt am Meer... Ja klar: am Freitag Nachmittag in den Ferien im August... Super Idee.

Den ersten, riesigen Campingplatz besichtige ich noch zu Fuß - aber schon diese Art der Rezeption, die Einteilung des Platzes in farbige Sektionen, riesige Tafeln voller Animationsprogramme und monströse Platzordnungen am Eingang lösen Fluchtreflex aus. Und es nutzt mir auch nichts, wenn der als „Naturcamping“ betitelte Platz so voll ist, dass eine Parzellen-Einteilung mehr Stellfläche böte. Wenn das Meer hier greifbar gewesen wäre, dann schon, aber noch nicht mal das...

Gut, ich nicke weise wissend, als ich schweißgebadet von der Halbinsel fahre, dass es einfach nur der falsche Zeitpunkt ist (oder ich einfach nur der falsche Gast für den richtigen Platz) und suche unter Zuhilfenahme meiner recht begrenzten Geduld weiter. Sechs Plätze fahre ich insgesamt an, der letzte muss es sein. Und trotz Überfüllung belatschere ich den sehr netten Platzwart so, dass ich nicht nur doch noch rein, sondern auch noch direkt am Wasser parken darf. So sehe ich beim Abendessen zwar beim tollen Sonnenuntergang auf das „Achterwasser“, muss dabei aber grässlichste Schlagermusik anhören und meine klaustrophobischen Anwandlungen mit dem Kampf gegen die Mückenplage teilen... Passt schon: muss so Tage geben.