Tag 06 : Insel Usedom von Dorf zu Dorf


Mellow


Song des Tages: „Paper Aeroplane“ Angus & Julia Stone



Der frühe Morgen ist schön leise, fast besinnlich am Campingplatz - zumindest bis die ersten Hundebesitzer lautstark (mit ihren Hunden) plappernd durch die Schlafenden schlurfen. Immer wieder über diese Angewohnheit verwundert, bin ich eh schon lange wache, sitze beim Frühstück und schnipple aus weisser Folie mit der Nagelschere den Namenszug für Franz: der soll ja endlich mal vernünftig getauft werden...

Um 11 muss ich vom Platz sein: gar nicht schade. Da ich für heute ein wichtiges Telefongespräch erwarte und dafür das Inland-Netz nutzen möchte, fahre ich erstmal noch nicht rüber nach Polen, sondern nur ein Dorf weiter an den sehr netten kleinen Sportboothafen Ückeritz. Spontan steige ich bei der nächsten kleinen Kutterfahrt zu: ich will endlich wenigstens ein bißchen Salzwasser-Brise spüren, denn ich bin wirklich sehr frustriert, immer noch nicht am echten Meer zu sein - und jetzt weiß ich sogar, dass das „Achterwasser“ noch nicht mal richtig salzig ist... Trotzdem war das kuttern schön!

Für die Nacht hat mir der nette Kutterkapitän empfohlen, mich in Richtung des alten Fischerdorfs Loddin umzusehen: da gäbe es gute Freistehplätze mit Blick aufs Wasser. Frohgemut fahre ich also in den nächsten abgelegenen Feldweg Richtung Küste und erschrecke, als die Piste immer schmaler, sandiger und plötzlich sehr viel tiefer wird - keine gute Idee, hier steckenzubleiben! Mit ziemlichem Herzklopfen fahre ich möglichst zügig weiter, bis ich endlich umdrehen kann und dann den langen schwammig-rutschigen Weg zurück: sehr ungut! Aber gut gegangen.

Auf zivilisierten Wegen finde ich eine gemütliche Gartenwirtschaft und hole mir beim fürstlichen Matjes die Erlaubnis, auf deren Wiese die Nacht zu verbringen. Spät wird Franz dann noch mit einem Schluck lokalem „Köstritzer“ Schwarzbier getauft, bevor ich mich in meine Höhle zurück ziehe und die Nacht um mich rum wird immer stiller..., einsamer... und dunkler...