Tag 07 : Labbin -> Rewal, Polen


Für den, der's mag, isses das höchste...


Song des Tages: „Papertrails“ Darkside (danke, Jens!)



Eine riesige Schar piepender Vögel reisst mich beim ersten Sonnenstrahl aus tiefem Schlaf: wie schön, so aufzuwachen! Flott stapfe ich durchs Gras auf die Aussichtsplattform über dem Schilf und bin frühmorgenfröhlich!

Schon um 8 bin ich auf dem Weg Richtung Osten. Meine so gute Laune wird leider stetig trüber... Es ist hier einfach nicht so, als dass ich hier sein will! Es ist einfach nur voll! Ich mag nicht in Horden zwischen grässlichen Buden zum Meer wandern. Ich mag keinen Parkplatz suchen müssen, um das Meer sehen zu können. Ich mag mich nicht zwischen all die Strandkörbe quetschen, um am Strand zu sitzen. Ich bin quengelig, unfroh und vor allem unklar. Ja: mir ist bewusst, dass ich von meinen Balkan-/ Griechenlandreisen verwöhnt bin, wo man einfach den ganzen Tag an der Küstenlinie entlang fährt und immer genau weiss: hier bin ich (nicht nur physisch) richtig. Wo man immer die Augen auf dem freundlich gesinnten Meer ausruhen kann, fast überall am Strand Frappé bekommt und meist direkt am Wasser übernachten kann. Tja. Ich wusste, dass es hier so ist - aber so arg?

Jetzt heisst es: das Beste draus zu machen. Daheim will ich auch nicht sein. Ich checke auf der Suche nach einem Strandkaffee noch die berühmte Seebrücke von Ahlbeck und - schwupps - bin ich fast unmerklich drüben in Polen. Nur dass die Straße plötzlich aus Kopfsteinpflaster ist, die Preistafeln erschreckend hohe Zahlen anzeigen (weil Zloty) und überall Schilder „Billige Zigaretten“ schreien.
In Swinemünde darf ich mich mit Franz (kostenlos!) über den Swine-Strom tragen lassen - die kurze Strecke habe ich ein wunderbares Urlaubsgefühl mit Fernweh und Fährensehnsucht... und überlege, ob ich nicht von hier aus mit der Fähre doch lieber gleich nach Schweden...

Kurz drauf finde ich meinen Morgenkaffee am Strand bei zwei netten Jungs, die vom mobilen Kaffeeradl aus besten Cappuchino verkaufen (und dankenswerterweise auch Euro annehmen). Kurze Rast. Weniger Strandkörbe, dafür mehr aneinandergereihte, sauber abgesteckte „Gärtchen“ und ebensoviele Menschen. Also weiter.

Ich beschliesse, diesen tollen Sommertag nicht zum Fahren, sondern zum Arbeiten zu nutzen und kehre recht früh auf einem Campingplatz ein, der mir (entgegen 20 vorangegangener) einen guten Eindruck macht: nicht direkt an der Hauptstraße, dafür mit direktem Strandzugang. Ganz hinten im letzten Eck finde ich abseits Aller einen super Platz unter der Birke, lasse mich nochmal von dem vollen Sandstreifen abtörnen und setze mich vor Franz in den Schatten, um bis in die tiefe Nacht zu arbeiten. Erst ein fieses Gewitter lässt mich fluchtartig den Sommerabend/ Arbeitstag beenden.