Tag 14 & 15 : Danzig -> Masuren, Polen -> Kaliningrad, Russland


weiter als gedacht


Song der Tage: „The road is lonesome“ Club des Belugas (Danke, Moni!)


 „...and the road is lonesome
before you travel on it...“


Die sehr netten Platzbetreiber erlauben mir, so lange zu arbeiten, wie ich möchte, bevor ich den Platz verlasse und so starte ich erst nach 15 Uhr Richtung Süd-Osten/ Masuren. Ganz oberflächlich und aus dem Bauch raus wähle ich einen See, dort einen Campingplatz und peile an. Das erste Mal habe ich ein richtiges Navi dabei (Danke, Papi) und es ist wirklich ein Quantensprung an Komfort. Ich bin echt dankbar, fast hätte ich es nicht mitgenommen, denn bisher habe ich fast nie eins gebraucht: die Orientierung nach Küstenlinie oder Sonnenstand hat immer gut ausgereicht. Aber hier führen die Straßen kreuz und quer durchs Land und dazu kommt heute fieser Regen, absolut trüber Herbst. Und ich bin - nach den traumhaften Sommertagen in Danzig - grad ein bisserl müde und genervt vom Grau und vom Fahren: also will ich einfach nur schnellstmöglich ankommen...

Mein Ziel liegt total versteckt im Wald und ich erreiche es (mit ein paar Abstechern durch die Dörfer) pünktlich zur Regenpause. Also „Franz-Installation“ (möglichst abseits Aller parken, Strom anstecken, Auffahrkeile drunter), ein kurzer Rundgang, Essen rasch im Stehen unter der Markise, dann rein: es regnet wieder und ich hab noch was zu tun...

Über Nacht hat es sich ausgeregnet, ich arbeite während des Frühstücks bis ich um 11 den Platz verlassen muss. Es ist eigentlich ganz schön hier: die absolute (!) Stille, ein um den Platz laufender breiter Kanal und sonst nichts! Fein - aber ich will weiter. Im Groben steuere ich mal wieder nach Nord-Ost: heute nochmal Polen, morgen über die Grenze nach Russland, bis nach Kaliningrad, aber zuvor will ich mich noch ein wenig weiter im masurische Hinterland umsehen. Ich habe von einem netten Ort am See gelesen, dort fahre ich noch hin und dann dreh ich Richtung Kaliningrad. Die Gegend ist schon ganz schön, aber irgendwie hatte ich mir etwas spektakuläreres erwartet. Ich weiß nicht genau was, aber seit ich alle Siegfried Lenz Bücher gelesen hatte, war ich mir sicher, dass Masuren eine verzauberte Landschaft sein muss... Tja: wahrscheinlich habe ich nur gerade zu wenig Geduld. Wahrscheinlich muss man hier mal zwei ganze Wochen verbringen... Masuren steht also weiter auf der Liste, denn diese Seen sehn wirklich extrem schön aus - aber diesmal wird das nix mit uns, ich bin zu unruhig.

Der Ort erweist sich leider als fatale Fehlinformation: Fiese Tourihölle im Nachsaison-Blues, die entsprechend fiesen Campingplätze drumrum. Ich will ein Stück weiter weg nach einem Platz suchen, dann früh das Fahren aufhören und lieber in der Sonne sitzend arbeiten. Aber - schöner Mist! - nach dieser Ansammlung von Plätzen gibt es keinen einzigen mehr, nirgendwo! Ich fahre und fahre: nix! Und ganz plötzlich, nach der Kurve: 40er Schild und - Zack - Zaun, Schlange, Stillstand. Ah, ich ärgere mich! Ich bin gefangen vor der Grenze, umdrehen ist unmöglich. Es beginnt zu dämmern und ich merke, dass es ewig dauern wird, hier durch zu kommen. Unschön! Aber es nutzt nix, ich nehme es, wie es ist, auch wenn ich über den unnötigen (Anfänger-)Fehler grummle. Also: während des Wartens essen und atmen.

Fast 3 Stunden dauert es, bis Polen und Russen gleichermaßen gründlich Pass und Kfz-Papiere gecheckt haben und mich der Grenzer nach genauer Inspektion aller Schränke durch die Schranke in die tiefe Dunkelheit entlässt. Fühlt sich nicht super an, passt aber stimmungsmäßig irgendwie, oder? Zum großen Glück ist Kaliningrad überall groß angeschildert und die autobahnähnliche Straße ist perfekt. Ich halte mich strikt an die Geschwindigkeitsangaben - alle anderen nicht: mir egal, dass ich die anderen nerve. Da das Navi keine russischen Karten hat, muss ich aufs Handy zurückgreifen, was mich dafür unendlich nervt. Und ausgerechnet da, wo ich irgendwohin abbiegen soll, ist ne fette Baustelle auf der Brücke mit völligem Chaos! Ich seh nix, weiss nicht genau, wohin und das Handy findet mich nicht mehr. Ich weiß nur die Richtung, in der das Ziel liegt, aber Orientierung nach Sonnenstand ist bei purer Dunkelheit halt auch mäßig. Mit ruhig Blut, nervig-langsamer und dabei sehr unkonventioneller Fahrweise (stehenbleiben und U-Turn ist vielleicht auf Russlands Autobahn auch nicht so üblich, aber es ist so dunkel und so ein Chaos: da falle ich wohl nicht weiter auf...) komme ich dank meiner eingebauten Navigations-Spürnase doch noch dorthin, wo ich will, auch wenn ich vielleicht direkt über die Baustelle gerumpelt bin, statt die richtige Abfahrt zu nehmen. Egal! „Hotel Baltika“ gefunden, eingecheckt und geparkt. Es ist der einzige „Campingplatz“ in der ganzen Oblast Kaliningrad: eine Wiese hinter dem Haus und ich stehe allein. Spät ist es, ich kuschel mich in meinen Franz und schlafe hervorragend.