Tag 22 : Riga, Lettland -> Pärnu, Estland


Planlos fröhlich


Song des Tages: „trouble“ robots don‘t sleep


„Nicht die Glücklichen sind dankbar - es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ Francis Bacon


 


Riga war wirklich toll, ich überlege sehr lange, ob ich mich nicht doch noch einen Tag in der Stadt tummeln soll... Aber jetzt rennt die Zeit dahin! Ich sehe mir meine Landkarte mal mit scharfen Auge an und nach realistischer Schätzung meiner Tagesfahrleistung vs. Anzahl der übrigen Tage komme ich entspannt nur bis nach Helsinki. OK, dann halt nur bis dahin, passt ja auch. Dann habe ich für die nächste Tour das Ziel, die Ostsee von der anderen Seite einzukreisen: auch gut.

Eigentlich will ich bis nach Tallin, wieder mal ein Stück vorwärts kommen, aber es geht einfach nicht. Ich weiss nicht, was mich drängt, stehen zu bleiben, aber an manchen Orten hört Franz einfach auf zu fahren, damit ich eine Pause mache. Diesmal direkt an der „Grenze“ zu Estland, die wirklich kaum zu erkennen ist: nur ein in den Bäumen versteckter alter Aussichtsturm und ein kleines Schild weisen auf den Wechsel in mein 6. Reiseland hin. Ein ewiger, etwas wackeliger Holzsteg führt durchs Schilfmeer Richtung Strand, wechselt zu einem langen Steindamm: mein persönlicher, sehr genußvoller „Barfußpfad“. Beim Tappen über die warmen, runden, fast weichen Steine genieße ich die Seebrise, das Rascheln des Schilfs, das fast zarte Branden der Miniwellen und bin so dankbar für meine Planlosigkeit, die mir solche Orte schenkt.  

Ich entscheide, mir den nächst möglichen Platz zu nehmen, um nach den beiden Stadtnächten wieder Sand zu spüren und den Sonnenuntergang stilgerecht am Strand zu feiern. Aber: die Saison ist zu Ende. Alle Plätze, die ich an der Küste finde, machen Ende August zu, das bestätigt mir auch eine andere, schon verzweifelte Sucherin. Na, dann Planänderung und doch nach Pärnu. Hier weiß ich, dass es mindestens zwei gute Plätze gibt, ausserdem einen supertollen Strand. Geht auch.

Mein „Sundowner“-Bierchen nehme ich tatsächlich am fast leeren Stadtstrand, genieße diese feine Weite (ahne den Trubel im Sommer) und sauge die letzte Wärme aus der Sonne. Kaum ist sie unsichtbar, wird es empfindlich kalt: die Spaziergänger in ihren Daunenjacken haben mich eh schon so komisch angesehen...

 

Eigentlich hatte ich die Idee, auf dem strandnahen Parkplatz zu übernachten, aber ehrlich gesagt: für 15 Euro bekomme ich um die Ecke Strom, Dusche, Wlan und kann mich morgens selbstverständlich zum Frühstück neben den Bus setzen, statt heimlich drinnen zu bleiben. Prinzessin-Feeling siegt: den Platz „Konse“ kenne ich noch vom letzten Jahr und der ist wirklich dufte (in der Nebensaison)...