Tag 30 & 31 : See -> Helsinki, Finnland


SO EASY


Song des Tages : „Lonely Boy“ The Black Keys (danke, Andreas Be!)


"Der Sinn des Lebens liegt nicht darin, dass wir ihn finden, sondern dass wir ihn immer wieder suchen." Ernst Ferstl


 


Harter Abschied von meiem Privat-See, aber ich frage mich immer, was ich wirklich (!) will. Klar will ich in der Sonne liegen und gar nichts tun: bequem und träge den Tag verrinnen lassen und dabei gemächlich genießen. Aber in wirklicher Wirklichkeit will ich was sehen, was erleben und Neues entdecken. Bequemlichkeit gibts auch daheim - also Aufbruch.

Ich halte mich neben der Autobahn , denn vielleicht finde ich ja ein feines Kaffee-Plätzchen am Ostseestrand. Aber auch hier ist alles voller Bäume, keine Sicht aufs Wasser. Dafür: Tolle, herrlich goldene Birkenwälder, glitzernd und glänzend wie von innen beleuchtet, hier und da ein herbstrotes Bilderbuch-Holzhaus, ein wenig ockerfarbenes Feld dazwischen... diese Straße ist eine der tollsten, die ich je gefahren bin! (Und ich gerate mit sehr lauter Musik so sehr in den Fahrflow, dass ich sogar das Fotografieren vergesse...)

Helsinki also. Stadtcamping bedeutet immer relative Enge, hier ist es trotzdem nett grün und wegen der Jahreszeit sowieso erträglich leer. Als erste Tat lasse ich mir vom sehr netten Campingplatz-Team einen Fahrradladen empfehlen, denn ich bin eh so früh hier und da kann ich die Zeit dafür nutzen, mein Ernie-Klapprad in fachkundige Hände zu geben, um das kaputte Pedal ersetzen zu lassen (ganz ohne Werkstatt-Aufenthalt geht es offenbar bei meinen Reisen nicht...). Also losradeln, mich über diese enorm lustigen Straßennamen freuen, nach dem Radlladen „SuomenPolkupyörätukku“ suchen und gleich finden. Die Jungs runzeln die Stirn, versprechen aber, ihr Bestes zu tun - und ich fahre mit der Metro zurück zum Franz.

Am nächsten Tag wandere ich 7 Stunden durch die Stadt (und klopfe mir dabei dauernd selbst auf die Schulter, dass ich schlauerweise sonst Ernie dabei hatte...). Wie schön hier! Einfach schön, schön, schön. Nicht übertrieben museal (wie vielleicht Danzig), oder fast gewollt alt (wie Tallin) sondern einfach gepflegt, geliebt, echt. Und so entspannt. Und leise. Und lauter nette, blonde, ruhige Menschen, die alle besonders gute Parfüms mit sich wehen lassen. Mein Lächeln wird immer (!) erwidert, oft kommt man mir sogar zuvor. Englisch ist die normale Sprache, alle Touristeninformationen sind mindestens zweisprachig, es ist hier einfach sehr easy, weltoffen, friedvoll.

Und nachdem Ernie geheilt wurde (Danke!), will ich doch unbedingt noch einen zweiten Tag dranhängen, bevor ich mich endgültig Richtung Süden aufmachen muss...