Meine Reise 2013 : Fahren & Freisein


7 wochen, 6 länder, 5.900 km, 4 Werkstattbesuche, 4 paradiese --- allein & frei


Deutschland -> Österreich -> über die Tauernautobahn -> Italien -> per Fähre von Ancona nach Patras

-> Griechenland -> einmal komplett rund um den Peloponnes -> Patras -> per Fähre nach Ancona -> Italien -> Österreich -> Deutschland

-> Slowenien -> Kroatien -> per Fähre von Zadar auf die Insel Dugi Otoc und zurück -> an der Küste entlang

-> per Fähre von Split auf die Insel Brac und zurück -> Slowenien -> Österreich -> Deutschland


Raus und weg und allein und endlich mal ankommen - das war der Plan dieser Reise. Ich hatte den Alltag so satt, dass es nur die Lösung gab, mich in die Welt zu stürzen und zu sehen, wie glücklich ich werden kann, indem ich fahre, fahre, fahre und dabei ausschließlich mich und Franz dabei habe.



Tag Minus 3 : Und raus!


wegfahren, um anzukommen


Song des Tages: „where is my mind?" pixies


"Wenn Du etwas loslässt - bist Du ein wenig glücklicher. Wenn Du viel loslässt - bist Du viel glücklicher. Wenn Du alles loslässt - bist Du frei."
                    Ajahn Cha


".... With your feet in the air and your head on the ground
      Try this trick and spin it, yeah
      Your head will collapse
      But there's nothing in it
      And you'll ask yourself
      Where is my mind....???"

Mein Wunsch: raus hier! Ich muss ganz dringend den Kopf leeren, das Herz füllen, Ruhe finden, Abstand bekommen, Neues wagen, frei werden - allein sein...


Also wird aus der Idee der Plan: ich suche intensiv und finde glücklicherweise ein Auto, das mir beim EInsteigen gleich Geborgenheit vermittelt: Ein 18 Jahre alter Renault Trafic, ein ausgebauter Kastenwagen. Schon bei der Probefahrt sehe ich seine Mängel, aber vor allem seine großartigen Details... und er passt hervorragend zu mir!


Ein CD Spieler mit sehr guten Boxen ist Pflicht, ich brauche eine neue Gasflasche samt Anschlüssen, die Wasserpumpe muss erneuert, der Wassertank gereinigt und alle Flüssigkeiten geprüft werden. Trotz heftigstem Projekt-Abgabe-Stress in der Agentur lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, mit meiner Schwester auf Gardinenstoff-Jagd zu gehen und diese dann von einer Schneiderin nähen zu lassen, den Bus in allen Ecken gründlichst zu putzen und damit kennen zu lernen, ein paar Stellen zu streichen und mit Neffen und Sohn einen stundenlangen Großputz in der Waschstraße zu machen.


Nach der Befüllung mit allem Wichtigen, was ich meine, dabei haben zu müssen, sorge ich für mein persönliches Wohlfühl-Ambiente: ich hänge die Blümchen-Gardinen, eine hübsche Leselampe und Bilder meiner Kinder auf, klebe einen Blumentopf ins Rückfenster und Bommelborte an die Windschutzscheibe und beziehe mein Bett mit der passenden Bettwäsche: mein Zuhause.


Und als meine Schwester dann den Namen beisteuert, wird aus dem Bus mein Franz. Erstaunt stelle ich fest, wie schnell dieser alte Haufen Stahlblech eine Seele bekommt...



Tag 01 : München -> Millstätter See, Österreich


nur mut!


Song des Tages: „Heidi“ Django 3000


„.... lachts da oamoi in dei Gsicht,
      vergissts des ganze Leben nicht... “

Zwei Wochen nach dem Kauf von meiner neuen Liebe mit viel putzen, herrichten, renovieren, reparieren, modifizieren, dekorieren...endlich der Moment der Abfahrt: kein einziger Mucks, als ich ihn anlassen möchte. Schreck! Wie kann das passieren? Vielleicht habe ich beim Putzen und Einräumen zu lange Musik gehört? Das fängt ja super an... aber zum großen Glück hat SchwestA zum Winken auf meine Abfahrt gewartet und kann mir Starthilfe geben: Franz springt glöckerlgleich an und ich packe sicherheitshalber noch ihre Starthilfekabel mit ein, puh.

Tanken und noch mal durchsaugen (Ordnung muss sein!). Wassertank ist gefüllt, Reifen aufgepumpt, alle Dinge weggeräumt, Schränke fest verschlossen, Kühlschrank verriegelt, Gardinen angebunden, CD läuft: perfekt! Ich sitze in meinem neuen Zuhause, der LKW-Fahrersitz schaukelt bei jeder Bodenwelle sanft nach, eiskalter Regensturm prasselt an mein Fenster (oh - gute Frage: gehen die Scheibenwischer überhaupt? Wo ist denn eigentlich die Heizung?), die LKWs brettern mit gefühlten 150 Sachen links an mir vorbei, ich teste die Boxen auf Maximallautstärke – und grinse. Ich grinse, grinse, grinse: DAS ist das Glück.

Der erste Halt meines neuen Reiselebens in Österreich: eine große Wiese, sehr wenige Mitcamper, ich parke ganz hinten, ganz abseits und richte mich für die Nacht ein: Die Böcke unter die Vorderräder und so weit hochfahren, bis die Wasserwaage am Boden die perfekte Waagrechte anzeigt. Das Stromkabel zum Kasten legen, damit ich in dieser trüben Stimmung unbesorgt Licht machen kann (mir steckt noch der Anspring-Schock in den Knochen: ob es hoffentlich nur an der Batterie lag? Aber für das Licht gibt es doch eine andere? Ob die beiden aneinanderhängen? Keine Ahnung...). Der Regen prasselt sanft aufs Dach, ich fühle mich (nach Überwindung eines großen Abschieds-Traurigkeits-Anfalls) einfach nur pudelwohl - und bin ziemlich stolz auf mich, dass ich den Absprung geschafft habe!



Tag 02 & 03 : Millstätter See -> Ancona, Italien


schunkeln mit meer-blick


Song des Tages: „Down in the past“ Mando Diao


„...well, I don't wanna hang around with you.
     I got my motor, baby
     and I'm gonna see you through...“

Tauern-Autobahn: traumhafte Landschaft unter dichter Regenwolke. Es ist das Gefühl, mit dem Dach an den Wolken entlang zu schrammen. Und ich tanze auf meinem LKW-Sitz und gröle und singe – und Franz schnurrt die Kilometer ab, ich merke, dass es bergab zum Meer geht, denn er läuft fast wie von allein... Die Wolken nehmen ab, es wird warm, Fenster auf, Luft rein und Musik laut.
 
Italien begrüßt mich mit langem Pool-Benutzungs-Reglement in allen Weltsprachen und obwohl ich die einzige (!) Camperin auf diesem Platz bin, darf ich auch auf nette Nachfrage zehn Minuten nach offizieller Öffnungszeit nicht in das kühle Wasser springen. Regel ist Regel und bedingt Achselzucken auf beiden Seiten. Egal: dann halt in mich hineinschmunzeln und heiß duschen.

Und schon am nächsten Morgen stehe ich mit den Füßen im kühlen Wasser – leider im Franz. Zum Glück finde ich rasch das Problem: die neu eingebaute Wasserpumpe leckt. Dankbar freue ich mich, dass ich mich am Abend mit Kommentaren oder barscher Rede zurückgehalten habe, denn so kann ich den Campingplatz-Besitzer um Werkzeug und Hanffasern für die Wasserleitung bitten. Er steht mit verschränkten Armen neben mir, sieht mir interessiert über die Schulter, während ich zack-zack das kleine Problem lösen kann.

Überpünktlich reihe ich mich in die Warteschlange am Fährhafen ein und stehe inmitten der großen LKWs, denen ich mich irgendwie sehr verbunden fühle. Sie verkörpern mein schönes Lebensgefühl und auch wenn ich weiß, dass dieser Job wahrlich Knochenarbeit ist, romantisiere ich alle LKW-Fahrer zu coolen, gutaussehenden, entspannten Cowboy-Typen... jedenfalls bis ich sie im Trucker-Stüberl wiedersehe.

Während des Wartens kann ich die Wahnsinns-Vorzüge meines mobilen Zuhauses genießen: ich koche Kaffee, lese gemütlich auf dem Bett liegend, mache Brotzeit und schneide mir mein erstes Blümchen aus, mit dem ich Franz verziere: ich habe einfach alles dabei, wie gemütlich und gut zu wissen!

Der arme Einweiser ist völlig baff, als ich ihn mit meinem allerstrahlendsten Lächeln beehre, das hat er hier sicher noch nie zugeworfen bekommen – aber er hat mir den perfekten Platz zugewiesen: ich darf direkt neben dem offenen Fenster stehen! Freier Blick auf das Meer, wie wunderbar!


Sanft schunkelnd durch die Nacht mit offenen Fenstern und frischer Meeresbrise. Ich schlafe unruhig, immer wieder stehe ich auf und betrachte durch das Fähren-Bullauge die uns begleitenden Sterne und das so dichte Schwarz...




Tag 04 : Ancona -> Patras, Griechenland -> Zikadenwald


camperleben


Song des Tages: „First Light“ Turner Cody


„Das gute Leben ist ein Prozess, nicht ein Zustand von Sein. Es ist eine Richtung, nicht ein Bestimmungsort.“
Carl Rogers


Im Morgengrauen trinke ich meinen Kaffee am Fenster und sehe der Küste zu, wie sie sich in den ersten Sonnenstrahlen an uns vorbeischiebt. So sanft und warm – und einladend! Kalimera Griechenland!


Mein „Navigationsplan“ steht schon lange fest: in Patras runter von der Fähre, links abbiegen und dann die Küste entlang, das Meer immer linkerhand im Blick, einmal rund um den Peloponnes und stehenbleiben, wenn es sich gut anfühlt. Also raus ins volle Stadtgewimmel. Ich fühle mich plötzlich sehr glücklich hier zu sein, in diesem Chaos aus Menschen und Fahrzeugen. Die Griechen überqueren die Straße mit absoluter Gleichmut und der offenbar unumstößlichen Gewissheit, dass ihnen nichts passieren wird, weil hier jeder auf jeden achtet! Das Mütterchen humpelt in Schneckentempo über die Hauptverkehrsader und auch wenn die Mopeds mit hauchdünnem Abstand an ihr vorbei preschen, so bleibt sie gelassen auf ihrem Weg. Der Vater mit seiner kleinen Tochter kreuzt seelenruhig auf dem Rad von rechter nach linker Spur und niemand beschwert sich oder nimmt ihm die Vorfahrt. Welch Selbstbewusstsein! Ich sehe keine einzige bedrohliche Situation, obwohl alles durcheinander wuselt, denn alle Augen scheinen auf Alles gerichtet zu sein. Sehr laute Musik trägt mich raus aus dem Gewühle auf die alte Landstrasse und führt mich an die Küste, der ich ab jetzt folgen werde.

Den ersten Abend in Griechenland verbringe ich als einziger Gast auf einem sehr einsam gelegenen Campingplatz unter Horden von Zikaden. Was für ein Lärm! Im Kerzenschein klebe ich ein zweites, selbstgeschnittenes Blümchen auf Franz, taufe ihn offiziell mit seinem silbernen Namen am Heck und genieße ich mein Camper-Leben: den ganzen Tag Luft und Sonne auf meiner Haut, das gesamte Leben im Freien, die Waschbecken unter Bäumen - minimalster Komfort und maximalste Lebensqualität.



Tag 05 : Zikadenwald -> Traumplatzerl bei Nafplio


mehr braucht's nicht


Song des Tages: „What you do to me“ Blakroc


„Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran, als eine Pause.“
E.B. Browning


Sechs Euro für die Übernachtung find ich gut. Nach einem gemütlichen Frühstück steuere ich Franz zurück auf die Küstenstrasse und erkläre den wahnsinnig leckeren Frappé in der Strandbar als mein zukünftiges, tägliches Vormittagsritual.

Ich fahre, schaue, rieche, singe, genieße und bleibe immer wieder stehen, um zu baden, Kaffee zu trinken, im Internet-Café Daten zu verschicken und ein wenig mit zuhause zu kommunizieren. Es ist ein so herrliches Gefühl, das mir ein ganz leichtes Herz verschafft: einen Wunsch zu verspüren und ihn sofort und diskussionslos zu erfüllen, einfach selbstbestimmt zu sein.
    
Ich fühle mich vom Glück verwöhnt, denn ich finde ein Traumplatzerl! Auf einem Mini-Campingplatz stehe ich fast alleine und direkt am Meer. Viel Raum um mich rum und Ruhe. Mehr brauche ich nicht! Ich setze mich mit einem Glas Wein auf die Felsen ans Wasser und schaue lange einfach so vor mich hin...


Tag 06 - 08 : Traumplatzerl bei Nafplio 


mein kleines Paradies


Song des Tages: „Hits From A Preacher“ Cypress Hill vs. Dusty Springfield


„Die Verabredung mit dem Leben ist in diesem Moment.“
Thich Nat Hanh


Mein einziger Nachbar ist ein deutscher Rentner, der auch alleine hier steht. Ich merke jetzt erst, wie wenig ich die letzten Tage gesprochen habe, als wir uns einander irgendwann vorstellen und uns gleich sympathisch finden. Gemeinsam gehen wir abends zum Essen in die Taverne am Platz und ich lasse mir von ihm die griechische Mythologie erklären. Es ist ein schöner Abend und ein sehr interessantes Gespräch, aber ich spüre, dass ich lieber alleine wäre.

Ich freue mich jeden Moment über den für mich durch und durch perfekten Platz und bleibe zwei unbeschwerte, faule, ruhige Tage und Nächte im kleinen Paradies...



Tag 09 : Traumplatzerl bei Nafplio -> Monemvassia


Arkadien kreuzen


Song des Tages: „Is it you?“ Vic Ruggiero


Am dritten Morgen packe ich ganz spontan zusammen, weil mich plötzlich die Straße ruft und ich das Gefühl habe, hier etwas zu verpassen. Entgegen den Warnungen meines Nachbarn fahre ich auf der allerkleinsten Straße, denn ich will keine öde Schnellstraße sehen, ich will quer durch Arkadien. Knapp drei Tonnen Franz schleppen sich mühsam im 2. Gang die Berge empor, bis nur noch Schotterpisten bleiben. Oben erwartet uns das Nichts. Stille über der weiten Ebene: kein Vogel-Zwitschern, kein Zikaden-Getöse, nur hier und da ein Ziegen-Glöckchen und das sanfte Gräser-Sirren. Ich platze fast vor Glück und tätschle Franz, der so tapfer mitmacht.

Im Schritt-Tempo mit offenen Fenstern kurve ich auf dem Hochplateau durch die Gegend und betrachte alles mit großen Augen, offenem Hirn und grinsend... Und während ich noch vor mich hin grinse, das Schotterrumpeln genieße und gar nicht weiß, wohin mit meiner guten Stimmung, wackelt es plötzlich komisch beim Schalten und ich merke, dass bei Franz gerade irgendetwas kaputt gegangen ist. Das ist nicht so optimal, hier oben... Aber er fährt und bremst ganz normal und es ist offensichtlich nur der Schalthebel, der nicht mehr ganz richtig funktioniert? Hoffentlich.

Ich vertraue darauf, dass es nichts Schlimmes sein kann und fahre mit ungetrübt guter Laune weiter abwärts, Richtung Meer. In dem Küstenort Monemvassia möchte ich mein Frappé-Stopp-Ritual einlegen, das heute in Ermangelung eines Cafés in den sehr spärlich gesäten Bergdörfern statt Vormittags eben am Nachmittag stattfindet. Beim Einparken trübt sich die gute Laune schlagartig, weil der Rückwärts-Gang mit dem kaputten Schalthebel eigentlich nicht mehr zu finden ist... Ich rühre, ziele, treffe dann doch, parke ein – und geh erstmal Kaffee trinken und die Stadt besichtigen.

Nach Kultur und Ritual ist es recht spät am Tag, keiner der Einheimischen weiss einen erreichbaren Campingplatz in der Gegend, es findet sich nirgends ein vertrauenserweckendes Stell-Plätzchen für mich und so haue ich ganz spontan die Bremse rein, als ich - schon in der Dämmerung - an einem kleinen Hotel vorbeisause. Ich lasse Franz nicht gerne draußen stehen und nach den schönen Nächten am Meer liege ich ausgesprochen ungern in einem Hotelzimmer. So viel Platz und Leere um mich, so weit weg vom Meer... Auch der schöne Pool und das große, saubere Bad versöhnen mich nicht mit dem schlechten Gewissen, dass mein Franz jetzt ohne mich übernachten muss...



Tag 10 : Monemvassia -> Gythio


Straße ohne Namen


Song des Tages: „Near Death Experience“ Andrew Bird


Selbst im Hotelzimmer wache ich meinem eingeschliffenen Tages-Rhythmus bei Sonnenaufgang auf und springe in den Pool. Der nette Hotel-Besitzer bietet mir einen Nescafé an, den wir gemeinsam auf kleinen Schemeln sitzend vor seinem Wohnzimmer trinken. Lange, schweigende Pausen zwischen den paar Brocken Englisch, mit denen wir uns „unterhalten“. Ich finde diesen Moment großartig und fast meditativ: sitzen, lange über das folgende Wort nachdenken, dem anderen immerzu anlächeln, die Sympathie auf beiden Seiten spüren und gemächlich den Tag laufen lassen.

Es wird, so hatten wir am Abend vorher über das Übersetzungsprogramm des Hotel-Computers zu dritt am Tresen der Rezeption englisch-griechisch-deutsch kommuniziert, vormittags bis mittags ein Mechaniker vorbei kommen, der sich meinen Franz mal ansehen wird. Irgendwann wird er kommen, irgendwas wird passieren, irgendwie komme ich weiter. In mir, mit meinem Kaffee-Pott in der Hand im Schatten sitzend, dem väterlichen Fremden neben mir, breitet sich tiefste Ruhe aus, die ich als vollkommenen Frieden empfinde. Es ist alles egal, denn alles wird gut. Erstmal nur auf den Moment besinnen und die Situation genießen. Ich bin nicht allein, denn es gibt einen, der sich um mich kümmert und mit mir friedvoll, schweigend, gut gelaunt Kaffee trinkt. Herrlich.

Gerade als mein Freund mir aus dem Garten eine hübsche gelbe Rose schenkt, brettert der Mechaniker mit seinem BMW auf den Hof, rutscht überraschend dynamisch mit seinem Kugelbauch unter den Bus und bedeutet mir nach einem kurzen Blick, mitzukommen. Ohne viele Worte wird Franz ans Abschleppseil geknotet, ich bekomme den Schlüssel vom BMW in die Hand gedrückt, der Hotelbesitzer muss schleppen, der Mechaniker sich im Franz ziehen lassen und ich zuckle die paar Meter zur Werkstatt hinterher. Franz sehe ich so das erste Mal fahrend: sieht gut aus.

Eine geschlagene Stunde stehen Hotelchef und Urlauberin fast schweigend auf dem Hof der Tankstelle in der prallen Sonne. Immer wieder tätschelt er meine Wange, immer wieder drückt er mich wohlwollend an seine Schulter. Ich find es lustig und grinse ihn an. Ein paar Mal quetsche ich mich zum Mechaniker unter meinen Bus mit in die von dornigen Büschen überwachsene Grube, um zu sehen, wo das Problem liegt. So verstehe ich, dass nur eine schwarze Kunststoffbuchse am Ende des Ganghebels nach oben gerutscht ist. Dem Mechaniker laufen die Schweißbäche in Rinnsalen herunter, aber er werkelt geduldig. Als er die Original-Buchse nicht retten kann, steigt er aus der Grube, wandelt schweigend über den Hof und zerrt aus dem hintersten Gebüsch ein Stück Schlauch. Abgeschnitten, eingebaut und ein paar Minuten, 50 Euro und einer Menge Umarmungen später fährt Franz wieder mit einer laut grölenden Blondine in Richtung Berge. Am Fenster eine gelbe Rose in der Blumenvase.

Die Straße führt mich ins Landesinnere, ich sehe von oben über weite Weite, aber kein Meer zur Orientierung, keine Straßenschilder, keine Abzweigungen Richtung Meer und eigentlich gar keine Richtung mehr. An meinem (bisher unbenutzten Navi) gabs doch einen „Hilfe“-Button mit „Wo bin ich“? Vielleicht kann mich diese Funktion auf dem kürzesten Weg wieder Richtung Küste weisen, bevor ich jetzt auf ewig in den Bergen rumkreuze. Ist nicht verkehrt hier oben, aber ich will doch endlich mal mein Kajak aufs Wasser lassen. Während ich also mitten auf der unbefahrenen Straße im Nichts stehe, schalte ich das Navi ein und frage also den vermeintlich Allwissenden: „Wo bin ich?“ - Ich lache laut los und kann kaum aufhören bei der Antwort: „Ich bin auf Straße ohne Namen, Elika“ Klar, TomTom, bist Du auf Straße ohne Namen, philosophisch, mein Lieber! Ich heiße zwar nicht Elika, aber dann mach ich mir jedenfalls erst mal einen Kaffee. Danke für einen weiteren großartigen Moment der Reise!

Immer noch über die Antwort gackernd, fahre ich doch einfach auf der Straße weiter. Was soll auch die blöde Fragerei, denn alle Straßen führen früher oder später an die Küste, logisch. Ausgenommen Kreisverkehr, den gibt es hier nicht.

Zum Glück finde ich, die Sonne ist schon fast untergegangen, einen Campingplatz am Strand, der OK ist. Ich habe so hohe Ansprüche! Dieser ist mir grad recht, aber ich werde hier so kurz wie möglich bleiben. Den Nachbarn nicke ich freundlich zu, richte mich für die Nacht ein, genieße eine herrliche Dusche, mein Abendbrot und wandere noch ewig im Mondlicht dem hübschen Strand entlang. Aber mich stören die fest installierten Sonnenschirme, die Musik aus der Strand-Bar, die Volleyball-Netze – alles Zeichen der Zivilisation. Ich werde echt sonderbar menschenscheu. Lebe ich doch den Eremiten in mir? Kann ich gut finden, das Bild: mich als sonderbarer Gnom...


Tag 11 : Gythio -> Kokkala


Der traum in türkis


Song des Tages: „So soll es sein“ Ich+Ich


„...So soll es sein, so kann es bleiben.

     So hab ich es mir gewünscht.
     Alles passt perfekt zusammen,

     weil endlich alles stimmt.
     So soll es sein, so kann es bleiben.

     Genau so ist es gut.
     Alles passt perfekt zusammen,

     weil endlich alles in mir ruht.“
                   

Beim Tanken freue ich mich über die D-Mark-Anzeige auf der Zapfsäule und befrage den Tankwart, ob der Reifendruck wohl in Ordnung sein kann. Seit den Bergen ist in jeder Kurve lautes Quietschen zu hören, was meine Musik scheußlich stört und in Kombination mit den Bremsen, die mir (wenn ich ganz ehrlich bin) nicht so ganz geheuer sind, echt beunruhigend ist. Der nette Tankwart misst links, er misst rechts und erklärt mir, dass beide Reifen gleich befüllt und damit völlig OK sind. Super. Danke! Minus mal Minus gibt Plus. Zu wenig links, zu wenig rechts – gute Fahrt! Na gut. Ich nehme mir lachend vor, beim nächsten Tankwart noch mal zu fragen und folge wieder der Steilküste.

Aber ich bin unentspannter. Mein Kopf ist nicht mehr frei, denn ich lausche ständig der Quietscherei und überlege, ob und wie gefährlich es sein kann. Ich fahre noch langsamer als sonst die Passstraßen und bremse möglichst mit Motorbremse (was bei dieser Geschwindigkeit kein Problem ist). Keine gute Fahrt. Ich ärgere mich und überlege, was ich tun kann. Und während ich noch mein (begrenztes) technisches Wissen abfrage: Schock! In einer supersteilen U-Turn-Kurve kommt mir sehr sportlich und knapp ein Kleinwagen entgegen, ich versuche zu bremsen und Franz gerät ins Rutschen... Rutscht quietschend einfach seitlich davon, unbrems- und vor allem unsteuerbar! Gefühlte Minuten bricht mein tonnenschweres Gefährt zur linken Seite Richtung Kleinwagen aus, Richtung Abgrund... Dank der gesammelten Hundertschaft Schutzengel in Kombination mit der beherzten Ausweich-Aktion des Griechen ins knappe Kiesbett hauchen wir aneinander vorbei, unbeschadet, aber mit Herzrasen. Mist. Das war knapp.

Ich fahre, bleich, mit Herzrasen und im Schneckentempo weiter und nehme ungesehen die erste Abzweigung Richtung Strand, sehr froh, erstmal wieder unten am Meer und raus aus den Bergen zu sein. Mit dem Kopf auf dem Lenkrad bleibe ich eine ganze Weile sitzen und versuche das Herzklopfen unter Kontrolle zu kriegen. Als ich den Kopf wieder heben und aus der Frontscheibe blicken kann, bietet sich mir eine Postkarten-Idylle: Taverne mit Tischen direkt am Wasser, blitzblank grün-türkises Wasser, ein fast menschenleerer Kieselstrand in einer traumhaften Bucht. Wow.

Der Tavernen-Besitzer (hmmm, Jack Johnsons griechischer Bruder, wie nett!!) bietet mir an, auf seinem Parkplatz stehen zu bleiben, als ich ihn nach dem nächsten Campingplatz frage und ausgesprochen dankbar lächle ich ihn strahlend an. Ach, herrlich: erstmal nicht weiter fahren zu müssen und den ganzen Tag im Wasser zu verbringen ist eine sehr großartige Idee. Ich wähle den exklusiven 1a Stellplatz für Franz direkt am Strand und mir das hübsch abgelegene Liegeplätzchen direkt am Wasser: So soll es sein, so soll es bleiben!

Die Sonne geht unter, ich ziehe mir meinen einzigen „Ausgeh“-Rock an und setze mich in die Taverne, wo ich mich über einen sehr leckeren Fisch freue. Ich lausche den Gesprächen der Gruppe Engländer am Nachbartisch, gucke dabei übers Meer und fühle mich durch und durch zufrieden mit mir und der Welt. Als die Bedienung zum vierten Mal fragend zu mir kommt und dann offenbar etwas verwirrt das zweite Gedeck wegräumt, wird mir das erste Mal auf dieser Reise bewusst, dass ich alleine sitze. Ich lächle sie an, damit ich ihr bedeuten kann, dass ich mich wohl fühle, dass mir nichts und niemand fehlt. Aber ich bemerke, wie sie mit dem Tavernen-Besitzer über mich spricht, der ihr Franz zeigt. Ob es für alle anderen so ungewöhnlich ist, jemand allein Reisenden zu treffen? Oder ob nur allein reisende Frauen seltsam sind? Ich habe bisher noch kein einziges Mal darüber nachgedacht, wie ich wohl auf andere wirke. Sollte ich das? Ich denke darüber nach, was ich wohl ausstrahle. Eigentlich müsste ich mal jemanden fragen, aber ich rede ja mit niemanden... Bisher bin ich - mit Ausnahme der zwei Abende, in denen ich mit meinem Camper-Kollegen die griechischen Mythologien besprochen und meinem Hotelbesitzer-Freund, mit dem ich vielsagendes Schweigen praktiziert habe - ausgesprochen unkommunikativ und sehr kurz angebunden gewesen. Ich finde es genau richtig so und mir kommt der Spruch in den Sinn: „Endlich Zeit für ein richtig gutes Selbstgespräch.“




Tag 12 : Kokkala -> durch die Mani -> Kalamata


mani


Song des Tages: „Drogen nehmen und rumfahren“ Bernadette La Hengst, Knarf Rellöm & Guz


Die Engländer sprachen gestern Abend vom südlichsten Ende Europas, das sich an der Spitze des Mani-Fingers befindet. Gut, dass ich so aufmerksam gelauscht habe, denn damit habe ich heute mal ein Ziel. Ich schraube also meinen Franz wieder rauf in die Berge und versuche erfolgreich, das Quietschen und mein gestriges Schock-Erlebnis zu verdrängen. Mit wunderbarer Aussicht und sehr lauter Musik klappt es – aufwärts – ganz gut. Abwärts bin ich nur halb so gut gelaunt und singe sehr viel leiser mit. Weil ich mich ärgere, dass mir das Fahren so viel weniger Spaß bereitet, mache ich auf freier Strecke ein paar heftige Bremstests. Alles deutet auf eigentlich hervorragend funktionierende Bremsen.... Dann entscheide ich, dass mein schlechtes Gefühl den Bremsen gegenüber nur durch das quietschende Geräusch verursacht wird, das Quietschen schiebe ich auf zu heiße Reifen durch zu heiße Straßen und den Fast-Unfall auf einen simplen Fahrfehler durch Unaufmerksamkeit. Und damit hebt sich die Laune, alles ist wieder gut, ich kann wieder grölen und den Kopf leer haben.

Die Straße gabelt sich und ich kann nicht erkennen, welches die richtige Wahl zum südlichen Ende ist. Das will ich aber auf jeden Fall erreichen und schalte damit mal ausnahmsweise das Navi ein. Ganz klar: scharf links, den U-Turn, in die mini Schotterstraße. OK, wenn es das behauptet und sich offenbar sicher ist, folge ich natürlich brav. Nach 500 Metern aber spricht TomTom: „Ich berechne neu!“ – und während ich mir noch Flüche über ihn ausdenke, stehe ich vor einer Mauer. Rechts Abgrund, links Felswand, Straße gerade mal so breit wie Franz und 500 Meter rückwärts. Ungut. Aber ich bleibe cool, weil ich weiß, dass es eh nichts nützt: wer vorwärts reinkommt, kommt auch rückwärts wieder raus, rede ich mir zu. So ist es: sehr langsam und bedrohlich nah an Abgrund und Fels taste ich mich wieder aus der Sackgasse. Ich klopfe mir selbst und Franz anerkennend auf die Schulter, als wir wieder auf der komfortablen – und offensichtlich richtigen – Teerstraße sind.

Das Ende des europäischen Festlands erweist sich als trüber Ort mit drei Tavernen und einem Supermarkt. Wenig attraktiv! Also mache ich mich auf die Fahrt durch die wirklich traumhafte Mani, geniesse diese Gegend sehr (ich liebe diese absolute Kargheit!), würde so gerne einfach bleiben, aber finde leider erst sehr spät einen eher hässlichen Platz. Egal jetzt. Lange duschen, Klamotten waschen, lecker kochen, ein Bierchen trinken und dann beruhigt schlafen ist der Plan für das Jetzt. Heute nicke ich noch nicht mal den Nachbarn zu, sondern mache mich gänzlich unsichtbar, so wenig Lust habe ich auf Menschen-Kontakt.


Tag 13 : Kalamata -> Pool-Oma


franz und ich in guten händen


Song des Tages: „Miles“ Sallie Ford and the Sound Outside


Als ich – eigentlich auf der Suche nach meinem Morgen-Frappé - durch Kalamata fahre, fasse ich den spontanen Entschluss, diese Großstadt zu nutzen, und mir eine fachlich kompetentere Meinung als die meinige zu Reifen/ Bremsen zu holen. Ich fahre zwar ganz gut mit meiner Verdrängungs-Strategie, aber das Quietschen nervt mich beim Musikhören, ehrlich! Also in einen der vielen Reifen-Läden in Kalamatas Outback rein, dem kaum englisch sprechenden Chef mal das Problem vorführen, das Quietschen lautsprachlich demonstrieren und Franz gleich darauf hochgebockt sehen. Typisch ich: keine Ahnung vom Preis, aber mich freuen, dass das Problem rasch gelöst wird. Ich verstehe, dass er sich sicher ist, dass die Spur falsch eingestellt ist (sichtbar am ungleich abgefahrenen Profil, sag ich doch!) und dass es deswegen quietscht. Das Reifen-Dilemma kann er lösen, das Schaltgestänge sieht er als definitiv kein Problem an, aber die Bremsen sollte sich ein Fachmann ansehen. Weil sich die Fahrerin des Campers blöd stellt (und dabei mädchenhaft lächelt), ruft er einen Mechaniker an, der kurz drauf vorbei kommt und mir nach Blick auf die noch vom Reifen befreiten Bremsen bestätigt: Alles OK, die halten noch 30 Tage! Da grinse ich schon wieder, die Reifen werden montiert (wie toll: King‘s Tire steht drauf !) und ich zuckle dem Moped des Mechanikers hinterher, um die Spur einstellen zu lassen.

Im Irgendwo steht dann Franz vor dessen Werkstatt, ein (für diese Umgebung) etwas unnatürlich wirkendes High-Tech-Gerät wird an die Reifen gesetzt und nach ein paar Minuten ist die Spur neu eingestellt. Leider spricht der sehr nette Mechaniker kein einziges Wort Englisch und schreibt mir den Preis auf mein dreckiges Seitenfenster: 30 steht jetzt neben der 50, die der letzte Werkstatt-Besuch gekostet hat. Dessen Ergebnis hat mir zwar eine Menge Spaß bereitet, aber leider statt erhoffter 100.000 nur 50 Kilometer gehalten. Die griechischen Straßen waren halt doch stärker als das griechische Provisorium... Mir ist es eigentlich egal, denn ich hab mich inzwischen dran gewöhnt, zu rühren, statt zu schalten, aber weil ich generell viel von Kfz-Mechanikern halte, mir die Aussage der 30-tägigen Bremsen-Haltbarkeit gut gefallen hat und ich zudem die Gelegenheit nutzen möchte, versuche ich, ihm die wichtige Frage zu stellen: ist es gefährlich, mit meinem kaputten Schalthebel wieder in die Berge zu fahren – oder ist es lediglich eine Einschränkung des Fahrkomforts? Wir versuchen einige Minuten lang ein griechisch-englisches-Hand-und-Fuß-Gespräch, bis sich ein anderer Werkstatt-Kunde zu uns gesellt. Offenbar hat er, den Kopf im Motorraum seines Uralt-Kadetts unser Kommunikations-Problem mitbekommen und versucht zu dolmetschen. Er spricht zwar genauso wenig Englisch, aber er versteht meine Gestik besser. So rutscht auch der dritte Mechaniker unter meinen Bus, besieht sich die Baustelle und versucht mir irgendwas zu erklären. Beide Männer reden auf mich ein, ich gestikuliere zurück, innerlich lache ich über uns: drei Menschen reden, wedeln, erklären gleichzeitig - ohne Ergebnis. Ähnlich denkt wohl auch der Kunde, der daraufhin sein Handy zückt und mich dann mit seiner Tochter verbindet, die hervorragend Englisch spricht. So kommunizieren wir jetzt also zu viert und sie kann mir versichern, dass die fehlende Buchse keine Gefahr bedeutet. Ich bedanke mich überschwänglich bei ihr und kann endlich mal meine grenzenlose Dankbarkeit über alle griechischen Mechaniker und Männer und Menschen überhaupt loswerden, woraufhin sie schallend loslacht... Da hab ich wohl einen Nerv getroffen, wage aber ob der Telefon-Kosten nicht weiter nachzufragen.

Wieder glücklich und beruhigt werfe ich meinen Franz wieder an, der mich neu bereift, auf Spur gebracht, mit gesund gesprochenen Bremsen und einer nur kleinen Komfort-Einbuße wieder raus aus der Stadt bringt und finde spät am Tag einen schattigen, ruhigen Platz mit großartigem Pool und großartiger Oma. Ich stelle mich so weit abseits von allen anderen, dass ich noch nicht mal in Kopf-Nick-Verlegenheit komme und lasse mich lange im warmen Süßwasser treiben. Morgen, so nehme ich mir vor, werde ich mal endlich nichts tun, denn ich habe das Gefühl, als sei ich schon seit Wochen nur unterwegs. Ich fühle mich wirklich müde, mein Kopf ist randvoll mit Eindrücken und ich mag grad einfach keine Straßen mehr sehen.


Tag 14 : Pool-Oma 


wie im urlaub


Song des Tages: „Paradise City“ Bossa n‘roses


„Anspannung ist, wer Du glaubst, sein zu müssen. Entspannung ist, wer Du bist.“


Und tatsächlich verbringe ich den ganzen nächsten Tag zwischen Pool und Franz. Oma wäscht mir mein gesamtes Klamotten-Sortiment (das gerade mal eine halbe Maschine ausmacht), ich freue mich über das Frühstücks-Angebot an der Pool-Bar, komme mal wieder zum Blümchen-Kleben, sitze stundenlang lesend im Schatten und habe erstmalig das Gefühl, im Urlaub zu sein!


Tag 15 & 16 : Pool-Oma -> Erste-Reihe


keine ruhe in der ersten reihe


Song des Tages: „Ole black and blue eyes“ The Fratellis


Und obwohl es hier bei Oma sehr familiär ist, es viele komfortable Vorteile hat und ich mich ausgesprochen geborgen fühle, packe ich entschlossen nach der zweiten Nacht wieder zusammen. Mir fehlt hier einfach der Blick aufs Meer. Es ist mir zu brav, mir fehlt das Freiheits-Gefühl und tatsächlich: ich will wieder fahren...

 

Erst im vierten Anlauf treffe ich auf einen wirklich hübschen Campingplatz. Die Stellplätze sind zwar parzelliert und nummeriert (was in mir jedes Mal einen starken Fluchtreflex erweckt), aber ich finde einen Platz direkt am Strand mit schön viel Freiraum drum herum. Fein! Aber schon beim Einparken spüre ich die bohrenden Blicke der Nachbarn. Ich bocke Franz in die Waagrechte, montiere gleich darauf mein Boot und habe das Gefühl, dass die Nachbar-Familie mein Erscheinen gar nicht packt. Zum ersten Mal fühle ich mich beobachtet und gescannt. Ich komme nicht umhin, grüßend zu nicken, schweige aber aus Prinzip und Selbstschutz. Mein Gegenüber besteht aus einem älteren Ehepaar mit etwa 30-jährigem Sohn, alle drei im Partner-Look: Trainingshose, Muskelshirt, unrasiert. Und allen dreien ist offensichtlich so fade, dass sie nichts anderes zu tun haben, als mir beim Leben zu zu sehen. Unangenehm! Ich verstecke mich hinter Franz, der zum Glück groß genug ist, um meinen Tag in seinem Schatten und Schutz zu verbringen.

Trotz Glotz-Attacke ist dieser Platz toll! Ich paddle gemütlich über samtweiches und höchstens brusttiefes Wasser am Sandstrand entlang (wie ein Pool aus Meerwasser), schnorchle und sitze stumm über das Wasser starrend, während ich die Augen an mir kleben fühle. Immer wieder prüfe ich, ob ich mir die Blicke einbilde – und immer wieder sehe ich direkt in irgendein gelangweiltes Augenpaar, das nichts Besseres zu tun hat, als auf mich zu glotzen. Warum nur?

Ich beschließe, dass mir das total egal sein muss, um mein schönes Erste-Reihe-Plätzchen weiter zu genießen und verbringe den Tag alleine im Meer, den Abend alleine in der Taverne und die beginnende Nacht alleine am Strand, als ob ich nichts merken würde...



Tag 17 : Erste Reihe -> Melissa Beach


volltreffer!


Song des Tages: „Two fingers“ Jake Bugg


 „Freiheit bedeutet nicht, tun und lassen können, was man will – sondern nicht tun zu müssen, was man nicht will!“
Jean-Jaques Rousseau


„...So I kiss goodbye to every little ounce of pain,
     light a cigarette and wish the world away.
    I got out, I got out, but I‘m here to stay.
    So I hold two fingers up to yesterday,

    light a cigarette and wish the world away.
    I got out, I got out, but I‘m here to stay. ...“
       

Aber schon bei meinem zweiten Frühstück bin ich mürbe. Ich habe keine Lust mehr, als Fernseh-Ersatz zu dienen! Aber habe definitiv auch keine Lust, diesen Strand, dieses sanfte Meer, die leckere Taverne, die tollen Duschen, meinen schönen Stellplatz aufzugeben. Ich mag grad nicht weg und mag auch nicht fahren. Aber das unaufhörliche Geglotze nervt mich so sehr, dass ich nach meiner morgendlichen Paddel-Runde spontan zusammen packe.

Sehr schlecht gelaunt mache ich mich auf den Weg. Es nervt. Ich sehe Müll und Dreck am Straßenrand, scheußliche Ortschaften, langweilige Ebenen und das Meer verschwindet aus meinem Blick, weil die Straße zu weit im Landesinnern verläuft. So finde ich natürlich keinen Strand-Frappé! Ich habe keine Sicht! Ich werde am Supermarkt das erste Mal angebettelt, mir ist zu heiß, es ist zu voll, ich mag hier nicht sein! Und selbst meine Musik nervt. Ich überlege ernsthaft, ob ich nicht straight nach Patras fahren und die Fähre nach Hause nehmen soll. Fast drei Wochen bin ich jetzt unterwegs. Reicht das nicht? Ich bin so genervt, dass ich die Musik ausschalte und stur die Straße entlang blicke auf der Suche nach dem nächsten Camping-Platz, um von dort am nächsten Morgen zur Fähre zu fahren. Mir egal, wo, mir alles egal! Ich fahr jetzt heim.

Der erst mögliche Platz: ich parke wie üblich vor der Schranke, um zu Fuß den besten Stellplatz zu suchen. Strammen Schrittes schlappe ich über den riesigen Platz: es ist nicht schlecht hier, schattig, Strand, sauber, sogar Pool. Aber der Nerv verstärkt sich, ich fühle mich irgendwie beklemmt, eingeengt, unwohl hier an diesem Ort. Ich spüre deutlich: hier zu bleiben täte mir nicht gut – schnell weg! Ich bin schweißgebadet, alles klebt an mir, ich will Ruhe, Wasser, Kühle. Die Straße kommt mir unendlich vor, unendlich langweilig und ich unendlich langsam. Es ist das erste Mal, dass ich lieber schneller fahren würde, als Franz kann. Ich will einfach nur irgendeinen Platz finden, an dem ich stehen bleiben kann...

Nach mehr als zwei Stunden finde ich endlich wieder ein schiefes Camping-Schild und folge einer ewigen Stichstraße Richtung Meer. Worüber ich mich vor ein paar Tagen noch gefreut hätte: ellenlange Sträßchen durch blühende Oleander-Büsche und Niemandsland mit Meerblick am Horizont... ich bin genervt. Und dieser Platz ist mir - nicht zu fassen! - noch unangenehmer, als der vorangegangene! Sauber gefegter Steinboden, hübsch bepflanzte Fenster, Speisekarte der Taverne in vielen Sprachen, Hinweis- und Verbotsschilder in allen Sprachen...und, natürlich: der obligate Zaun zwischen Platz und Strand. Schrei! Ich mag das alles nicht. Ich fühle ganz deutlich: Hier will ich nicht sein. Und zur Verwunderung des Platzwartes drehe ich wortlos vor der Schranke um und fahre die ewige Piste wieder zurück.

Und jetzt ist schon echt spät, die Sonne steht tief und ich beschließe, auf dem nächsten Platz einfach ungesehen zu parken und dann morgen gleich ganz Früh wieder weiter zu fahren. Ich hadere damit, dass ich heute den ganzen Tag unfroh durch die Gegend gekurvt bin, kein Frappé, keine Aus- oder Fernsicht, kein Gegröle, kein Bade-Stopp – einfach kein Genuss...

Dem nächsten Camping-Hinweis folge ich emotionslos. Beim letzten Tageslicht checke ich ohne Besichtigung ein, will mit Franz einfach nur möglichst nah ans Wasser. Der Platz ist riesig, die Camper stehen dicht gedrängt nebeneinander, es haben sich einige Wagen-Burgen gebildet. Ich fahre in Schrittgeschwindigkeit einfach mal geradeaus, präge mir freie Lücken als mögliche Schlafplätze ein – und finde, ich kann es nicht glauben!, einen Platz in erster Reihe direkt am Ufer: links und rechts und hinter mir kein anderes Auto. Das kann nicht sein, wo ist der Haken? Ich parke ein, besehe mir den Platz genauer und juble innerlich! Perfekt! Perfekt, perfekt!

Nach einer herrlichen Dusche hole ich in der Taverne eine Aufback-Pizza und mit einem kühlen Wein sitze ich lange regungslos vor Franz im warmen Sand und gucke einfach nur in den dunkler werdenden Horizont...



Tag 18 - 25 : Melissa Beach


glück allein


Song des Tages: „Constellations“ Jack Johnson


„Der beste Beweis für die Beruhigung der Seele ist, so meine ich,
stehen bleiben zu können und mit sich zu verweilen.“
Seneca


Sehr früh am nächsten Morgen sitze ich mit den Füßen im Sand im Schatten der Pinie an meinem Tisch, eine luftige Brise weht, es ist kein Mensch am Strand, ich genieße meinen Kaffee und das frische Brot: Paradies. Ich verbringe meine Tage mit Arbeit am Laptop, lesen, ruhen, schlummern. Meine Nachbarn müssen mich für bekloppt halten: spricht kein Wort und grinst die ganze Zeit... Ich habe mich auf das allernötigste Nicken in drei Richtungen beschränkt und hoffe sehr, dass ich beim Abfahren meine Schweigsamkeit und Abwehrhaltung nicht bedauere: Immer noch hatte ich bei jedem Anlassen Angst, dass Franz wieder nicht anspringt und ich Starthilfe brauche. Bisher stand ich möglichst abschüssig, so dass ich damit eventuell anrollen hätte können. Oder ich stand zumindest so, dass mich Fremde unkompliziert per Kabel starten können. Aber diesmal stehe ich mit der Front zum Meer und um Franz aus diesem Sand zur Starthilfe umzudrehen, müssten schon einige starke Hände mithelfen... Und mit meinem offensichtlichen Allein-sein-wollen finde ich wahrscheinlich eher nicht so leicht freiwillige Helfer... Ich schiebe dieses Problem einfach zur Seite: alles kommt, wie es kommt.

Und zum Glück erweisen sich die nächsten Nachbarn als ähnlich verschlossen wie ich und so kann ich völlig ohne Blickkontakt und ohne ein Wort die Tage verbringen und lebe noch abgeschotteter als bisher. (Ich dachte nicht, dass ich meine äußerliche Unnahbarkeit noch steigern kann!) Der einzige Grund in Richtung „Zivilisation“ wie ich die Gegenrichtung zum Meer nenne, zu gehen, sind die Waschräume. Sonst verlasse ich meinen Platz nur, um frühmorgens eine Stunde am Strand zu spazieren, vormittags bei wenig Wellengang eine Runde zu paddeln, mich nachmittags in den mannshohen Wellen auszutoben und zum Sonnenuntergang an den Strand zu setzen und Wein zu trinken. Sonst verbringe ich die alle Zeit in scheinbar meditativer Haltung, lesend, schreibend, denkend. Immer wieder muss ich über meinen Anblick schmunzeln, den ich wahrscheinlich nach außen abgebe...



Tag 26 : Melissa Beach -> Patras, Griechenland


on the way back home


Song des Tages: „Whatever“ Cro


„...Whatever! Bye, bye!
     Ich fühl mich so frei, frei!
     Ich will nicht mehr heim

     und mir ist scheißegal,
     was morgen kommt.

     Ich heb mein Glas und schrei:
     Bye, bye, ich fühl mich so frei, frei...“

Nach sieben Nächten auf einem Platz bekomme ich tatsächlich wieder Lust auf‘s Fahren, ausserdem muss ich dringend wieder nach Hause in den Alltag. Also verabschiede ich mich von meinem Paradies. Ich werde auf ewig daran denken!! Wunderbar.

Franz springt an, als ob auch er sich wieder auf die Straße freut, er hat kein Problem beim Ausparken aus dem Sand und langsam rolle ich vom Platz. Erstaunlich, wie fröhlich im Vergleich zur Einfahrt. Gefühlte Monate nach meiner Ankunft drehe ich die Anlage auf Vollstoff, biege singend auf die Hauptstraße und cruise Richtung Norden, das Meer linkerhand... Die Straße hat uns wieder: ist das schön!

Frappéstopp, logisch. Und während ich noch zwischen all den Männern im Café sitze und verwundert feststelle, dass ich tatsächlich (außer Krabbelgruppen-Treffs) kaum Frauen beim Kaffeetrinken gesehen habe, versuche ich zu realisieren, dass meine Reise jetzt zu Ende ist. Ich muss nach Hause, aber ich habe trotz meiner Traurigkeit über den Abschied vom schönen Dasein das gute Gefühl, den Kopf so überquellend voll zu haben, dass es erstmal bis zum nächsten Urlaub mit Sonne-Meer-Reisen reicht. Also steige ich in Franz und gebe Gas: die Fähre fährt ungefähr mittags, frühen Nachmittag – das schaffe ich...

In Patras erkenne ich gleich, wo ich damals, vor langer Zeit, angekommen bin, steuere straight den Ticketschalter an – und bin eine halbe Stunde später in der Warteschlange vor der Fähre. Ich habe noch genug Zeit, um mir einen Topf leckerer Nudeln zu kochen und freue mich wieder auf eine schaukelnde Nachtfahrt.

Mit nur einem einzigen anderen Camper stehe ich auf offenem Deck und trinke meinen vom Paradies mitgebrachten Plastikflaschen-Wein im Campingstuhl neben Franz sitzend, während ich in die Sterne und aufs Meer sehe...




Tag 27 - 32 : Ancona -> Riccione -> Österreich -> München


heimflug


Song des Tages: „Fly away“ Lenny Krawitz


„... Let‘s go and see the stars,
     the Milky Way or even Mars,
     where they could just be ours.
     Let‘s fade into the sun,
     let your spirit fly for we are one
     just for a little fun.
     Oh, oh, oh yeah!
    I want to get away!

    I want to fly away!...“

Die Fähre schaukelt und brummt mich wieder durch die Nacht und als ich im ersten Sonnenlicht an der Espressobar stehe, sehe ich das alte, zurückgelassene Land.

Italien begrüßt mich diesmal mit einem Kulturschock: Autobahn! Straßenschilder! Fahrbahnbegrenzungen! Und ich stelle überrascht fest: Franz hat einen 5. Gang! Nach fast vier Wochen in den Bergen und im Schneckentempo die Steilküsten entlang habe ich glatt vergessen, dass ich mit meinem Bus sowohl geradeaus, als auch fast schaukelfrei und vor allem schneller als 60 km/h fahren kann...

Leider geht mein Plan, in den Hügeln der Marken einen netten, ländlichen Campingplatz zu finden nicht auf, denn offensichtlich sind inzwischen in den Niederlanden Sommerferien: flächendeckend blonde Köpfe. Aber nachdem ich weit und breit keinen einzigen Hinweis finde und ich weiß, dass Wildcampen definitiv verboten ist, muss ich mich wohl oder übel Richtung Tourismus-Hochburgen orientieren, also nach Osten, Richtung Küste. Minütlich wächst der Nerv, denn ich weiß, dass ich diese Gegend verabscheue. Aber es hilft nichts: ich lande in Riccione, meinem persönlichen Super-Gau. Ein Campingplatz neben dem anderen und für mich persönlich einer schrecklicher als der andere. Also halte ich einfach an irgendeinem, bekomme auf meinen ausdrücklichen Wunsch den ruhigst möglichen Platz (wenn man von Ruhe in dieser Umgebung sprechen kann)... Nach einer extrem coolen Rückwärts-Einparkaktion auf Miniplatz unter Bäumen freue ich mich über die bewundernden Worte des jungen Platzanweisers, esse mein karges Abendmahl in der offenen Schiebetür und streife dann noch über den Platz, um mir das Grauen genauer anzusehen. Ich schmunzel wieder mal über mich: ich bin tatsächlich die einzige im weiten Kreis, die hier von Grauen spricht – Tausende sind freiwillig und glücklich hier. Wunderbar, denn so nehmen wir uns niemals gegenseitig unsere Lieblingsplätze weg: ich werde mich nicht ohne Not auf diese Art Plätze stellen – und diese Campingfreunde werden sich nicht für meinen Stellplatz-Geschmack erwärmen. So sind wir alle gut aufgeräumt...

Im Morgengrauen bin ich wach – und mit mir einige Nachbarn, die ihre Outdoor-Teppiche von den herunter gewehten Blättern frei fegen, die Outdoor-Kafeemaschine röcheln lassen oder ihre Bollerwagen bepacken, um das erste Bummelbähnchen zum Strand zu erwischen.

Und auch hier gibt es keinen Blick für niemanden von mir. Noch ohne Frühstück zahle ich den teuersten Platz meiner Reise, lege mein Abschiedslied supersuperlaut auf Dauerschleife und neugierig schaudernd schleichen Franz und ich noch ein bisschen am „Strand“ entlang, bis wir das erste Hinweisschild Richtung Autobahn entdecken. Schnell weg!

Auf der italienischen Autobahn erwischt mich der Blues. Während ich mit 100 Sachen auf der rechten Spur entlang rausche und mit blutendem Herzen die Autobahn Richtung Deutschland einschlage (statt die lockende Abzweigung nach Slowenien zu nehmen) denke ich sehnsüchtig, wie traumhaft jetzt noch 2 oder 3 Wochen wären...

Österreich lässt mich schnell und unkompliziert einen sehr netten am Ossiacher See und einen originellen Platz am Hallstätter See finden, den ich nochmal einen ganzen Tag genieße. Stundenlang paddle ich über den großartigen See, mache einen kleinen Wander-Ausflug in die Berge und verbringe meinen allerletzten, sehr lustigen und interessanten Abend mit einem deutschen Rentner-Paar zwischen unseren Bussen.
 
Mit sehr lauter Fahrerin und aufmunternder Musik hechelt Franz als letzte Herausforderung zwischen unseren Brummi-Kollegen den Irschenberg hoch und lässt uns gesund und vor allem zutiefst glücklich in München landen...



Tag 33 : München -> Obstgarten, Österreich


geschenkte zeit!


Song des Tages: „Restless“ von kakkmaddafakka


Nach großer Begrüßung und Wiedersehensfreude verbringe ich die folgenden Wochen, mich selbst wieder in der Realität zu installieren. Ich brauche Tage, um ein eigenes Bad wieder als Selbstverständlichkeit zu empfinden...

Und dann: mir würde Zeit geschenkt werden, ich könnte mich noch einmal loseisen, ohne dass es jemand wirklich bemerkt ... hin und hergerissen hadere ich die ganze Nacht, ob ich das tun darf, mir leisten kann, ob es gescheit ist... am nächsten Morgen, ganz klar: Raus! Eine knappe Stunde später sitze ich wieder im Franz. Ich habe nur einen Bruchteil von den Sachen dabei, die ich beim ersten Mal dabei hatte, zu hektisch will ich weg. Ich will jetzt keinen Moment verbummeln, denn mir wurden noch mal drei satte Wochen geschenkt! Diesmal muss ich niemandem etwas erklären, diesmal fahre ich gänzlich ohne Abschiedsschmerz Richtung Süden, wieder Richtung Tauernautobahn, aber diesmal werde ich die Abzweigung nach Slowenien nehmen...

Es ist großartig! Mein Wunsch, den ich als unmäßig abgetan habe, wurde mir erfüllt: wieder alle Freiheit der Welt für mich und drei Wochen Zeit! Das Wetter ist gut, die Brummis kommen mir vor wie alte Bekannte, der Franz schnurrt, die Musik schallt wie gewohnt laut und bringt gute Laune...
     
Und dann mich holt das Problem mit dem Schaltgestänge wieder ein. Mist - alles Schönreden hilft nicht: der fünfte Gang ist kaum mehr zu treffen. Dass ich beim Rückwärtsfahren etwas länger brauche, ist ja OK, aber meinen 3-Tonner auf die ausreichende Geschwindigkeit zu bringen, um endlich hoch schalten zu können und dann so viel Zeit mit der Einfädelung in die richtige Position zu verbringen, dass Franz wieder auf 60 km/h abfällt – das ist nicht gut! Mein Grinsen gefriert, ich fahre meist entweder über- oder untertourig und kaufe mir beim nächsten Kaffee-Stopp ein Warndreieck in dem erstmaligen Bewusstsein, dass Franz doch anfälliger sein könnte, als ich es wahrhaben will?

Ich biege früh von der Autobahn ab, um etwas entspannter über die Landstraße zu fahren, finde einen netten Campingplatz auf der Obstwiese eines Bauernhofs, stelle mich wie gewohnt weit ab von allen und koche mir erstmal Tee...


Tag 34 : Obstgarten -> Unter der Birke


im glücks-rausch


Song des Tages: „Verschwende Deine Zeit!“ Die Toten Hosen


„In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks.“
Heinrich Heine


Beim Zahlen frage ich den Chef nach einer Reparatur-Möglichkeit. Erst winkt er ab, da Samstags kein Mechaniker arbeitet, aber dann fällt ihm die Motorrad-Werkstatt ein, die durch den angeschlossenen Laden möglicherweise doch geöffnet haben könnte. Mit bangem "Mädchen-Blick" (der zweite auf meiner Reise!) bitte ich den Besitzer eindringlich, dass er sich – zwar außerhalb der regulären Werkstatt-Öffnungszeit – trotzdem bitte (!) meinen Franz ansehen soll. Ich müsste wissen, was das Problem ist, ob es vor Ort geregelt werden könne oder ich tatsächlich heim müsste. Er ist beeindruckt von meinen bisherigen alleine gefahrenen Kilometern und hebt Franz tatsächlich auf die Bühne. Was für ein Unterschied zu meinen letzten Werkstatt-Besuchen in Griechenland: feinstes Werkzeug in Reih und Glied aufgereiht, blitzblank geputzt, überall Hightech-Geräte, moderne Hebebühne, fusselfreier Boden... jetzt bin ich beeindruckt. Mit einem Kaffee in der Hand stelle ich mich mit dem sympathischen Chef unter den Franz, erfrage allerlei Technisches und ratsche über unsere unterschiedlichen Camping-Erfahrungen. Eine halbe Stunde später ist Franz wie neu! Professionell repariert: der schwarze Gummistopfen sitzt – dank gutem Gerät – wieder an der originalen Stelle, ein paar wackelige Schrauben sind nachgezogen und zusätzlich gibt es noch ein gutes Urteil über den Gesamtzustand. Hurra! 30 Euro und Tausend-Mal-Tausend Dank von mir und aufrichtige Gute-Fahrt-Wünsche von ihm lassen mich über beide Ohren strahlend vom Hof fahren.

Jetzt geht die zweite Reise so richtig los! Tiefblauer Himmel, laues Lüftchen... ich mag nicht zurück auf die Autobahn, sondern nutze die Gelegenheit, mal zu sehen, was es daneben zu entdecken gibt. Die Landschaft ist wie aus dem Bilderbuch: saftig, blau und sattgrün – herrlich. Ich fahre nach Gefühl Richtung Süden, treffe die alte Tauernstrasse, kreuze unter der Autobahn durch die Täler, gehe ein Stück zu einem beeindruckenden Wasserfall spazieren, mache eine sehr gemütliche Kaffee-Pause im Künstler-Städtchen Gmund und finde zum richtigen Zeitpunkt einen netten Stellplatz auf einer Wiese unter Birken.

Auch wenn es mir hier zu voll und zu laut ist: ich strahle heute in meinem Glücks-Rausch einfach alle an, die mir in die Quere kommen. Ganz gegen meine übliche Art nicke ich jedem Camper auf dem Platz zu, als ich mich zur Dusche begebe und nehme extra einen anderen Rückweg, um den anderen Kollegen auch noch zu zu nicken...


Tag 35 : Unter der Birke -> Wurzenpass -> Trenta, Slowenien


schutzengel-einsatz


Song des Tages: „The Fall“ Ana Brun


Superspontan und ohne nachzudenken biege ich mit quietschenden Reifen nach links, als ich das Schild sehe: Wurzenpass klingt gut! Gestern schon bin ich den Tauern- und den Katschbergpass gefahren: ging super – hat sich kaum Stau hinter mir gebildet... Ich grinse, als ich an den verzweifelten BMW-Fahrer denke, der minutenlang hinter uns gefangen war und im Schneckentempo den Berg rauf schleichen musste. Der Arme. Ob er auch die hübschen Schmetterlinge gesehen hat, die uns ein ganzes Stück begleiteten? Franz wird auch diesen Pass schaffen und wenn nicht, kann ich ja wieder umdrehen und mich runterrollen lassen, aber was sollte schon passieren, außer Langsamkeit? Ich freue mich wieder einmal, dass ich einfach aus dem Moment raus Entscheidungen treffen kann, ohne mit irgendjemandem darüber diskutieren zu müssen. Und wie schön, dass ich mich auch in meiner fünften Reisewoche immer noch nicht alleine fühle – sondern im Gegenteil: immer unabhängiger und freier!

Also steige ich ein, in den Pass, gleich mal mit 13% Steigung – und Franz: kein Jammern, kein Jaulen, er steigt. Fein, fein! Mir bleibt Zeit, genüsslich die grandiosen Aussichten zu betrachten und ohne viel entgegenkommenden Verkehr in Ruhe die einfach wunderschöne Straße entlang zu kurven: es macht mir unglaublichen Spaß, meinen tollen Bus mit Schwung um die gepflasterten Kurven zu steuern...

In größtmöglicher Gemütlichkeit und mit chilliger Musik streife ich durch den Wald, passiere die unscheinbare slowenische Grenze und stoße auf einen strahlenden See. Bade-Stopp! Ich bin völlig erstaunt, hier Menschen zu treffen, denn bisher hat es sich angefühlt, als wäre ich fast völlig alleine in dieser Gegend. Eiskalt! Ich bin eine der wenigen, die sich in den Jasna-See traut, aber das Wasser mit seiner türkisen Klarheit zieht mich quasi rein – es ist einfach nur herrlich! In der Sonne taue ich langsam wieder auf und betrachte mit großen Augen die fast unwirkliche Landschaft: dicht bewaldetes Hochgebirge, so tiefe, klare Farben, so eine intensive Leuchtkraft von Bergblau und Waldgrün.

Franz steigt weiter klaglos in die Höhe und umkurvt eine Serpentine nach der anderen... Ich begutachte ständig seine Temperatur: relativ hoch, aber konstant und damit alles gut. Die Schaltung funktioniert wie bei einem Neuwagen, es gibt kein Klingeln oder Rattern vom Getriebe, Schrittgeschwindigkeit im ersten Gang klappt wunderbar... Ganz oben angekommen gibt es ein Mittagessen für mich, eine Abkühl-Pause für Franz und stolzes Auf-die-Schulter-Klopfen für uns beide.

Nach unserer Aufstiegsleistung rollen wir entspannt die slowenische Seite bergab: 18% Gefälle – wieder in Schrittgeschwindigkeit, auch wenn Franz gern schneller werden würde. Ich bremse hauptsächlich mit der Motorbremse und ärgere mich, dass ich mir nicht gemerkt habe, was mir mal über richtiges Bremsen auf langer Strecke erzählt worden war... Aber ich mache ganz langsam, Serpentine nach Serpentine, es ist eine einfach nur herrliche Straße. Als wir fast unten sind, ist ein wunderbarer Fluss schon in Sicht und ich bedauere, dass diese tolle Strecke schon vorbei ist. Die nächste Kurve, ich bremse – Nichts! Null Reaktion! Ich trete einfach das Bremspedal bis auf den Boden durch! Mir entfährt ein entsetztes Keuchen und reflexartig ziehe ich mit aller Kraft die Handbremse! Mit einer Hand am Bremshebel, mit der anderen Franz um den U-Turn gelenkt, nicht schlecht. Drei Tonnen mit der Handbremse halten und Franz hat schon echt Schwung drauf: da sind meine Muckis gefragt!... Als er etwas langsamer ist, haue ich unsensibel den ersten Gang rein, Motorbremse und reisse wieder heftig an der Handbremse.. Die Straße wird langsam flach, läuft geradeaus, wir sind unten. Ich rolle an den Fahrbahnrand, bremse auf Null, Warnblinker rein und zittere... Das war richtig, richtig, richtig knapp!

Ich tätschle Franz voller Dankbarkeit die Motorhaube und gehe, meine wackligen Beine auslüften, zum Fluss hinunter. Bis über den Kopf tauche ich in die eiseiseis(!)kalte Gumpe, lasse mich lange von der Sonne wieder auf Normaltemperatur aufheizen und kann gar nicht aufhören, mich für das gut ausgegangene Malheur zu bedanken...
 
Erfrischt, aber immer noch zittrig fahre ich meinen Bus mal vorsichtig an, die Bremsen greifen minimal. Trotz flacher Strecke, fahre ich also im Schneckentempo weiter und wie ein weiteres Geschenk kommt schon nach ein paar Minuten ein Campingplatz in Sicht. Ich stelle Franz ab, richte ihn für die Nacht her, dusche lange und setze mich mit einem slowenischen Bier auf Franzens Stoßstange, um völlig matt vor mich hin zu starren...

 


Tag 36 : Trenta -> Bohinj See, Slowenien


soca-love!


Song des Tages: „Endlich Nichtschwimmer“ Dendemann


„...Ich schwimmte, schwamm und schwomm,
     endlich hab ich wieder Land gewonn!
    Endlich bin ich angekomm,
    Endlich Nichtschwimmer,

    schmeiss an, den Song!...“

Es ist ein wirklich schöner Platz hier: direkt an der plätschernden Soca, unter hohen Tannen, mitten in den Bergen. Eigentlich könnte ich mich gut etwas ausruhen hier, aber ich will weiter, denn ich bin unruhig, weil ich unbedingt testen will, ob die abgekühlten Bremsen wieder richtig funktionieren.

Die Straße führt an der traumhaften Soca entlang. Ich bin nach mehreren Bremstests wieder entspannt und bleibe vor lauter Staunen über dieses Wasser in meinem Lieblingstempo: ca. 30 km/h, gerade so, dass ich vorwärts komme, aber trotzdem dabei alles genau betrachten kann. Es ist menschenleer, ich kann fahren, mitten auf der Straße stehenbleiben, fahren... schön! Nach einer Weile bleibe ich am Straßenrand stehen, um mir einen Kaffee zu machen und sehe eine unbeschreiblich schöne, große Gumpe: ein karibisches Türkis, kristallklar – irre. Ich beschließe den Kaffee- in einen Bade-Stopp zu verwandeln, packe mein Badezeug und steige runter zur Klippe. Die Kante ist hier gute 3 Meter hoch, das Wasser scheint tief genug zum Reinspringen zu sein, aber es ist das selbe Wasser, das mich gestern fast schockgefroren hätte... Egal! Zack, bin ich unten... Kalt! Toll! Noch mal! Ich klettere noch vier Mal die Felsen rauf, um mich wieder und wieder in die Kälte zu stürzen – was für ein Spaß!

Bei einem Kaffee an einem kleinen See-Kiosk komme ich mit der Besitzerin ins Gespräch. Auf englisch und deutsch erzählt sie mir, wie sie so lebt mit Kiosk und Bootsverleih, zwei kleinen Kindern, einem fleißigen Mann, in dieser grandiosen Landschaft... Ich freue mich, dass ich eine offensichtlich glückliche Frau treffe, die so zufrieden lebt und mich an ihrem Lebensglück teilhaben lässt. Es ist so schön, ihr zuzuhören, es macht mich noch fröhlicher.

Ich folge mit Franz immer den kleinstmöglichen Straßen in Richtung Süden, trinke Wasser aus den Brunnen am Straßenrand, picknicke auf der Wiese, kurve die Berge wieder (entspannt) rauf und (unentspannter!) runter, Wald überall, ich weiche freilaufenden Kühen aus, ratsche kurz mit ein paar Tübinger Jungs, die im VW-Bus im Wald campen und respektvoll nicken, als sie hören, dass ich alleine unterwegs bin, ich nehme einen alten Mann ein Stück mit, der mir irgendeine wirre Story auf Fast-Deutsch erzählt, kreuze Bäche auf höchst wackeligen Holz-Brücklein, stehe oft minutenlang der Stille des Waldes lauschend – und ich höre sehr laute Musik. So gute Laune!

Am späten Nachmittag finde ich am größten slowenischen See einen zwar für meine Begriffe überfüllten, aber trotzdem schönen Campingplatz. Er liegt mitten im Wald, direkt am Ufer und ist wunderbar wild und naturbelassen (mit Waschbecken unter freiem Himmel: wie ich das mag!). Ich bekomme einen Platz zweiter Wahl (weil nicht in der ersten Reihe am Wasser) und baue als allererstes mein Boot auf, um in einer ausführlichen Runde diesen idyllischen See zu erkunden.



Tag 37 : Bohinj See


klein-kanada


Song des Tages: „Connected“ Kristofer Aström


Nach einer stürmischen Gewitter-Nacht plätschert morgens der Regen in Strömen auf mein Dach. Ich muss mal wieder grinsend den Kopf über mich und meine überstürzte Abfahrt schütteln: regentechnisch habe ich halt gar keine Klamotten dabei. Das wärmste ist ein einziger Fleecepulli und die Chucks sind meine „festesten“ Schuhe. Naja, wird schon wieder besser werden. Ich hole mir trotz Regen und Sturm frische Semmeln von der Bar, koche mir einen leckeren Tee, höre feine Musik (die perfekt zu diesem See und dieser Stimmung passt), kuschle mich in mein Bett und mache es mir richtig gemütlich. Während ich noch überlege, ob ich die Regenpause nutzen soll, zusammen zu packen und weiter zu fahren, bemerke ich, dass die Nachbarn die gleiche Idee hatten und so im Laufe des Vormittags fast alle Plätze um mich frei geworden sind. Ja, wunderbar! Ich parke rasch um, stehe damit in erster Reihe direkt am Strand und freue mich über diesen unerhofften Luxus-Platz! Das ist ein Plätzchen nach meinem Gusto.

Der Regen scheint aufgehört zu haben. Ich ziehe all meine Shirts übereinander, den Fleecepulli drüber und breche zu einem Spaziergang auf. Die Wolken hängen tief, es ist kühl, niemand unterwegs und außer den letzten Tropfen, die von den Zweigen herabperlen, ist nichts zu hören. Der See liegt unglaublich friedvoll in seiner ganzen Länge vor mir, hunderte Fische lassen sich sehen... Harmonie, Frieden, Schönheit: Toll.

Mein Nachbar-Bus stellt sich als junges Paar raus, das mir seine vom Mittagessen übrig gebliebenen Nudeln zum Abendessen anbietet. Während wir ratschen, machen wir uns mit dem wettergeschützten Holz ein Lagerfeuer am Strand und verbringen einen sehr netten Abend zusammen. Die Aussicht ist grandios: vor uns das hohe Feuer, über uns die Tannen, der tiefschwarze See, Vollmond in den letzten Wolkenfetzen – und dazu ein tiefschürfend-persönliches Gespräch. Ein schöner Abend.

 


Tag 38 - 40 : Bohinj See -> Sova-Klippe -> An der Kolpa, Slowenien


ruhiges dahinleben


Song des Tages: „Evelyn“ Abby


„Alles unter dem Himmel hat seine Zeit. Bleiben und sehnen. Fragen und staunen. Ruhen und tanzen. Wagen und vertrauen.“


„... Do whatever you do.
      Say whatever you say.
     Stay whenever you stay...“

Auch wenn der Stellplatz am See-Ufer für mich total perfekt ist: ich merke, dass es mir gleich zu viel mit den netten Nachbarn wird. Der Abend war wirklich richtig schön, aber statt zusammen zu frühstücken, gehe ich wieder auf Distanz und spüre deutlich, dass mir ein weiterer Tag hier zu viel wäre. Ich brauche wieder Ruhe, Freiheit und Abstand zu Menschen...

Nach einer Runde schwimmen packe ich mein Zeug, nutze nochmal die netten Waschplätze im Wald und bin weg. Etwas wehmütig, weil ich gerne noch mehr auf dem See gepaddelt wäre und vielleicht doch noch einen netten Lagerfeuer-Abend gehabt hätte, aber ich bin mir sicher, dass ich meine Zeit lieber alleine verbringen will.

Nach einer unspektakulären Fahrt immer der Nase nach findet sich ein netter Campingplatz und ganz am Ende des weitläufigen, fast leeren Areals stelle ich mich an den Rand einer Klippe. Einzig der Zaun stört gewaltig die super Sicht auf den Fluss Sova. Aber es ist angenehm ruhig hier, ich habe komfortabel viel Platz um mich herum, die Dusche ist super... und so verbringe ich entspannt den Abend, genieße den warmen Wind (der hier aber schon deutlich herbstlich riecht) und blicke über den Fluss zum nächtlich erleuchteten Städtchen, von wo die Rufe eines Fußballspiels herüberschallen. Sehr idyllisch!

Ich merke belustigt, wie zickig hoch meine Platz-Ansprüche sind: trotz toller Aussicht und viel Freiraum fahre ich am nächsten Morgen, weil mir der Zaun nicht taugt und ich keinen direkten Zugang zum Wasser habe. Nicht sehr viel weiter schlage ich unter Apfelbäumen am Fluss Kolpa mein nächstes Lager auf.

Das Gewitter der Nacht verschwindet glücklicherweise rechtzeitig, so dass ich nach dem leckeren Frühstücksbuffet (!) frohgemut mit meinem Kajak auf einen Transporter aufsteige und mich etwa 15 Kilometer  flussaufwärts transportieren lasse. Tiefenentspannt und überglücklich paddle durch den Wald. Das grasgrüne Wasser duftet so großartig! Ich sehe Kraniche und eine Menge Fische, Enten und Eichhörnchen und höre nichts weiter als das sanfte Rascheln der Laubbäume. Kein Mensch weit und breit... nur ich. Paradies!

Immer wieder steige ich aus und umtrage die kleinen Hindernisse oder wate im zu flachen Wasser ein Stück den Fluss entlang...  Erst nach Stunden sehe ich Anzeichen menschlicher Zivilisation: ein Restaurant. Wie toll. Ich lege an und bekomme eine ganz hervorragende Forelle serviert. Mann, geht‘s mir schon wieder gut! Mit vollem Bauch lasse ich mich weiter flussabwärts treiben, manchmal muss ich gegen den Wind anpaddeln, um überhaupt vorwärts zu kommen, so gering ist die Strömung... purer Meditationsgenuss.

Den Abend verbringe ich lesend im Franz, weil das Gewitter der letzten Nacht noch einmal Atem geholt und sich wieder über uns breit gemacht hat. Ganz ungewohnt, abends drinnen zu sein...



Tag 41 : Obstwiese an der Kolpa -> Zadar, Kroatien -> Dugi Otok


rallye durch‘s computerspiel


Song des Tages: „Something Good“ Alt J


Da am nächsten Tag auf diesem Campingplatz irgeneine politische Veranstaltung stattfinden soll (mit Kindertrampolin, Riesengrill und nach den aufgestellten Boxen zu urteilen sehr lauter Musik), flüchte ich nach dem Frühstück ganz schnell und überquere die kleine Grenz-Brücke nach Kroatien.

Für heute habe ich mir das Ziel Zadar ausgedacht, da mir meine Freundin Niki den Tipp der Insel Dugi Otok geschickt hat. Das sieht auf den Bildern superschön aus, klingt landschaftlich hervorragend und da ich Fährfahrten ja so liebe, gönne ich mir das Ticket von Zadar nach Brbinj in der Hoffnung auf das nächste paradiesische Stellplätzchen. Also sause ich rasch über die Autobahn an die Küste und bin ganz beglückt, so unverhofft rasch das Meer wiederzusehen, von dem ich mich so herzschwer vor Kurzem verabschiedet hatte. Ich reihe mich am Hafen in die Warteschlange ein und sehe entspannt bei Sonnenuntergang dem Treiben auf und am Wasser zu. Auf die Fähre fahre ich völlig routiniert, lasse ich mir die steife Brise um die Nase wehen und esse dann im Franz ganz gemütlich zu Abend.

Um mir von den anderen drei mitreisenden Campern nicht den besten (und vielleicht letzten?) Platz auf dem nächsten Campingplatz wegschnappen zu lassen, will ich mich ranhalten... Das heißt: die Adresse googeln, ins Navi eingeben und straight dort hin düsen, um möglichst als Erste anzukommen. Das weckt in mir gleich meine Rallye-Fahrer-Ambitionen... Während die anderen Camper noch in der Fähre auf die Ausfahrt warten, sause ich schon den Hang zur Hauptstrasse hoch, drehe die Musik lauter und folge im Stockdunklen blind meinem TomTom – der mich direkt und ohne Umwege in eine Sackgasse führt. Super! Danke!

Ich muss so laut über mich lachen, während ich Franz durch irgendeine Dorf-Fußgänger-Zone quetsche... Aber was soll ich tun? Das Navi sagt, hier sei der Campingplatz... Ich spreche ein paar Leute aus dem Fenster aus an, alle weisen vage geradeaus und obwohl es offensichtlich keine Straße mehr ist, fahre ich trotzdem weiter. Eltern ziehen ihre Kinder vom Weg, bummelnde Teenies weichen sehr zögerlich zur Seite, vor den Cafés sitzende Männerrunden lachen über mich. Ich lache einfach zurück und zucke mit den Schultern... Mir doch egal! Umdrehen geht hier eh nicht. Irgendwann erklärt mir eine Frau zurücklachend, dass ich hier links und dann geradeaus der Straße folgen soll, dann wäre ich gleich da. Den Gedanken an einen guten Stellplatz in erster Reihe gebe ich auf, während ich zum 20. Mal das gleiche Lied höre und über einen sehr zugewachsenen, sehr holprigen Schotterweg schaukle. Die Frau sagte, ich könne den Campingplatz nicht verfehlen und ich hatte mit ein paar hundert Metern gerechnet... aber hier ist weder Licht, noch ein Hinweisschild, noch irgendetwas anderes als eine baumhohe Gebüsch-Gasse zu sehen. Es fühlt sich an wie in einem ganz schlechten Computer-Spiel, denn ich sehe wirklich nur gerade den Lichtkegel weit, über die Büsche links und rechts ist weder Mond noch Meer als Leitsystem auszumachen, die Straße wird immer schmaler, quasi nur noch ein Pfad, sie windet sich in plötzlich auftauchenden Kurven irgendwo entlang und ich habe keinerlei Orientierung mehr. Kurz nachdem es mir ein bisschen zu unheimlich wird, lichtet sich das Gestrüpp zu einem hohen Pinienwald und dort hinten ist ein Gatter zu sehen. Na also: menschliches Leben! Die schlechtgelaunte Platzbesitzerin weist mir den augenscheinlich letzten Platz zu und ich stehe – statt wie erträumt am Strand – zwischen zwei deutsche Busse gequetscht am Maschendrahtzaun. Tolle Rallyefahrerin...



Tag 42 : Dugi Otok -> Betonstrand, Kroatien


echt düster hier


Song des Tages: „The passenger“ von Iggy Pop


„...Oh, the passenger
     He rides and he rides -

     He sees things from under glass -
     He looks through his windows eye -                He sees the things he knows are his -
     He sees the bright and hollow sky -     

     He sees the city asleep at night -
     He sees the stars are out tonight -                And all of it is yours and mine -
     And all of it is yours and mine -
     Oh, lets ride and ride

     and ride and ride...“

Früh wache ich von durch das offene Dachfenster tröpfelnde Regentropfen auf: greisslich. Greisslicher Platz, greissliche Aussicht, greissliche Nachbarn, greissliches Wetter. Bäh. Es grummelt und poltert laut im Himmel. Mit dem Gedanken, dass vielleicht angesichts dieses fiesen Wetters ein paar der Erste-Reihe-Parker einpacken und ich das selbe Glück wie am Bohinj-See habe, mache ich noch vor dem Frühstück eine Inspektions-Runde. Leider stellt sich heraus, dass es hier keinen einzigen Stellplatz direkt am Wasser gibt und auch die besten Plätze winzigklein und mit Zaun begrenzt sind: greisslich.

Aber der Strand ist schön: eine ganz spezielle Felsküste, ein pittoresker Leuchtturm, die hohen Pinien – sieht alles einladend aus... Der Regen hat aufgehört, die Luft steht nass, der Himmel grummelt immer noch sehr laut vor sich hin und es liegen tiefgraue Wolken als Decke dicht über dem Meer. Und bevor ich noch ganz realisiere, dass mich ein zartes Lüftchen streift, platzt plötzlich wie eine Bombe der Sturm los! Er peitscht die Wellen auf einen Schlag drei Meter höher an den Strand und trifft mich bis zum Knie, der Wind reisst alle losen Gegenstände und den gesammelten Staub mit sich, dem Kiosk wird die Tür aus den Angeln gerissen, alle Leute rennen zu ihren Fahrzeugen und Zelten und versuchen, sich an die ausgefahrenen Markisen zu hängen, den fliegenden Gummibooten hinterher zu springen, umstürzende Campingmöbel zu fangen, das Nötigste zu sichern. Auch ich renne - schon auf ein paar Metern völlig durchnässt - zum Bus, schlage die Türe hinter mir zu und sehe durch die Fenster, wie vor allem die armen Zelter gegen diese Macht ankämpfen müssen. Da lob ich mir doch meinen kleinen Franz, der zwar kräftig durchgerüttelt wird, aber nicht aus der Verankerung gerissen werden kann.

Ich bin froh, dass ich Schlauberger all mein weniges Zeug abends immer (!) wetterfest verstaue und jetzt nichts nachrennen muss - und ich mache mir einen leckeren Tee und ein prima Frühstück und kann aus meiner Höhle mitleidig den anderen zusehen. Fast eine Stunde steht der krasse Gewittersturm direkt über uns. Blitze und Donner gleichzeitig, der Wind peitscht mit fieser Kraft und auch wenn alle Zelter inzwischen vor Angst in ihren Autos und Bussen sitzen, ist es doch ganz schön aufregend, der wild gewordenen Welt da draußen zuzusehen...

Blitz und Donner treten endlich leicht verzögert auf, aber der Sturm scheint sich über uns festgebissen zu haben. Guten Gewissens gönne ich mir ein gepflegtes Vormittagsschläfchen und als ich mir (sehr erfrischt) meinen Kaffee mache, knipst sich aus dem Nichts die Sonne wieder an. Ich gönne den Platzbesitzern noch ein wenig Zeit, sich die Dramatik der Lage anzusehen und mache mich dann auf die Suche nach einem schöneren Platz.

Die Sonne hat sich doch schnell wieder verzogen und düsteren, schweren Wolken das Feld überlassen... Ein ganz neues Bild, aber auch mal interessant, das Land in dieser Farbpalette sehen... Die Wolken liegen bräsig auf den Hügelkuppen und reichen bis knapp über Franz‘ Dach. Kein einziges Auto begegnet mir, während sich Dugi Otok – die lange Insel – wahrlich lang vor mir ausbreitet. Ich kann die Fahrt nicht genießen, weil nichts zu sehen ist. Auch als ich das andere Ende der Insel erreicht habe, ist kein weiterer Campingplatz aufgetaucht. Schade! Ich sehne mich so sehr nach einem neuen Paradies-Platz, ich würde so gerne mal wieder irgendwo angekommen sein... Und ich fahre und fahre... und höre eins meiner Lieblingslieder im Dauerloop.

Also wieder zurück zur Festland-Fähre. Die Warteschlange ist lang, ich koche mir in aller Ruhe einen Kaffee, lege mich lesend aufs Bett und als wir irgendwann auf die Fähre rumpeln, steht die Sonne strahlend, aber schon ziemlich tief am Himmel.

Kroatien scheint in diesem Jahr besonders voll zu sein, Hauptsaison ist sowieso und ich bin froh, nach einer Stunde überhaupt einen freien Stellplatz zu finden. Auch wenn die deutschen Nachbarn sehr starken Kontaktaufnahmewunsch signalisieren, ziehe ich mich etwas unhöflich hinter Franz zurück und verbringe den Abend mit Arbeit am Laptop. Ich habe Strom und Wlan, die Luft ist lau, der Wein schmeckt, ich kann aus der ersten Reihe über die (fies betonierte!) Strandpromenade auf das Meer blicken... und bin ganz zufrieden.

 



Tag 43 : Betonstrand -> Insel Brac, Kroatien


endlich wieder ankommen


Song des Tages: „Island in the sun“ von Weezer


„..On an island in the sun,

    we‘ll playing and having fun.
    And it makes me feel so fine,

    I can‘t control my brain.
    We‘ll run away together,

    we‘ll spend some time forever,
    we‘ll never feel bad anymore...“
                   

Den Morgen nutze ich für Mails, zur Aufladung allen Elektrokrams und Franz wieder auf Optimalzustand zu bringen: WC und Brauchwasser ausleeren, Frischwassertank auffüllen, Scheiben putzen, Fahrerin duschen.

Die kroatische Küste ist hier überhaupt nicht schön, die Dörfer sind extrem trist und touristisch, ich vermisse mein griechisches Strand-Frappé-Ritual und sause ungebremst einfach bis Split. Dort ohne Umwege an den Hafen, zehn Minuten später stehe ich auf der Fähre nach Brac: perfektes Timing! Runter vom Schiff und hoch rauf auf das Hochplateau. Ich habe ein genaues Ziel, weil mir Freundin Niki einen tollen Campingplatz nahe ihres Ferien-Appartements genannt hat, den ich geradewegs ansteuere. Ich sehne mich immer mehr danach, endlich mal wieder einen wirklich schönen Platz zu haben, der mir ein bisschen Ruhe gibt. Ich erträume mir einen Platz in der ersten Reihe am Meer, dazu schöne Aussicht, Ruhe, Freiraum... so wie mein Paradiesplatz in Griechenland...

Der Weg hinunter zu den terrassenförmig angeordneten Stellplätzen ist extrem steil, unbefestigter Schotter, sehr schmal und sehr kurvig. Mir egal: ich will jetzt (!) einen perfekten Platz! An der Rezeption auf halber Höhe des Berges sieht mich der nette Mann ausgesprochen belustigt an und fragt mich, ob ich hier selbst runter gefahren bin. Er gesteht, dass er noch nie eine Frau am Steuer eines solchen Busses gesehen hat... Ich bin verwirrt. Gut: er ist noch jung, hat vielleicht noch nicht all zu viele Camper gesehen, aber kann es wirklich sein, dass ich so ein seltenes Exemplar bin? Oder liegt es an dieser wirklich unlustigen Straße, auf die ich respekt- und gedankenlos gefahren bin? Ich scherze mit ihm und lasse mir den besten Platz auf dem Platz-Plan empfehlen - mir viel zu weit vom Wasser entfernt. Stur wähle ich einen Platz in der dritten Reihe und schlittere den Weg hinunter. Unten angekommen sehe ich, dass dieser Stellplatz einfach nichts für mich ist: zu klein, zu beengt, zu weit weg vom Wasser, null Aussicht. Also alles wieder zurück – wenn ich es schaffe... Rückwärts um die Kurve den super-steilen Waldboden rauf, um dann wieder in die entgegen gesetzte Richtung schwenken zu können. Schwitz! Der Bus steht in zwei Richtungen so stark geneigt, dass ich doch ins Überlegen komme, wo wohl die physikalische Grenze ist. Da bleiben Franz und mir doch kurz die Puste weg, so schräg und rutschig ist die Geschichte.

Wieder auf der Hauptstraße zurück, melde ich meine Ankunft bei meiner Freundin und frage sie gleichzeitig, ob ich nicht in ihrem Garten parken darf. Kein Problem! Hurra! Nach der großen Willkommens-Freude, einem kühlen Drink und der ersten Abkühlung im Meer richte ich meinen neuen Stellplatz inmitten eines riesigen Grundstücks ein. Weit ab vom Wasser, aber auch ganz weit ab von allen Menschen und mit einer traumhaften Aussicht. Das nächste Paradies-Plätzchen, wie schön!



Tag 44 & 45 : Insel Brac im Garten, Kroatien


geborgenheit


Song des Tages: „Father and Son“ Cat Stevens


Der Abend mit den beiden Familien ist wahnsinnig lustig, entspannt und friedvoll. Wir essen gut und viel, trinken ebenso, lachen und genießen die gemeinsamen Zeit in einer malerischen Taverne. Später sitze ich alleine vor meinem Zuhause, sehe in die Sterne und bin mir bewusst, dass ich nur so gut allein sein kann, weil  zu Hause meine langjährigen FreundInnen und meine Familie warten.

Kurz nach Sonnenaufgang wache ich auf und nehme ein feines Morgenbad im Meer: herrlich warm, kristallklar, sanft, harmlos. In der warmen Morgensonne schlummere ich noch ein wenig, bis mich die Kinder wecken, weil auf der Terrasse bereits das Frühstück wartet. Auch schön: mal wieder umsorgt zu werden...

Wir verbringen zwei ruhige Tage, mal jeder für sich, mal gehen wir im nächstgelegenen Ort ein wenig bummeln, mal schwimmen wir im Meer oder sitzen und ratschen. Am letzten Abend singen wir zu Gitarrenbegleitung. Verlegen wische ich mir die Tränen der Rührung aus den Augen: ich finde es so unbeschreiblich wunderschön, in der Sommerluft unter freiem Himmel zu sitzen, schief  und schräg miteinander zu singen und eine für den Moment so harmonische Gemeinschaft zu erleben... Es ist einer der schönsten Abende der Reise.


Tag 46 : Insel Brac im Garten -> Weinlaube, Kroatien


schneller abschied vom meer


Song des Tages: „Tesselate“ Alt J


Dann reise ich doch wieder ab. Mich zieht es zwar nicht wirklich weg, weil es so traumhaft schön ruhig und entspannt hier ist, aber mir genügt das familiäre Eingebundensein erstmal und vor allem will ich noch ein bisschen was sehen, bevor ich endgültig nach Hause muss. Also großes Abschieds-Zeremoniell und wieder bin ich mit mir allein. Die schöne Erinnerung an gestern Abend lässt mich lächeln, während ich die Insel kreuze.

Mit der Fähre zurück auf das Festland gesprungen, durch die Großstadt Split gewuselt und – weil ich mich doch noch nicht vom Meer trennen will – auf die Küstenstraße abgebogen. Verwöhnt vom tollen Garten-Platz will ich nicht den erstbesten nehmen und sehe mir mehrere, knapp hintereinander liegende an. Zu groß, zu laut, zu voll, zu brav, zu animiert, zu dreckig, zu eingezäunt.... es beginnt schon wieder zu nerven. Da sitzt am Straßenrand neben einem handgemalten "Kamp"-Schild ein älterer Herr, der mich zu sich winkt. Ich lasse mich von seiner freundlichen Art überreden, mir den Platz mal anzusehen, immerhin steht die Sonne schon wieder wirklich tief. Wir besichtigen den Vorgarten seines Hauses, der in vier Stellplätzen unterteilt ist. Einer ist von einem Uralt-Wohnwagen besetzt, auf einem haben sich Holländer für die Saison eingerichtet und die beiden klitzekleinen nebeneinander liegenden bietet mir Branco an. Die Negativ-Aspekte (keine Sicht auf das Meer und Familien-Anschluss durch direkt angrenzende Wohnblock-Balkon-Reihen) verlieren gegen seine Überredungskunst, die hereinbrechende Nacht und den für mich ausgesprochen charmanten Waschplatz direkt auf der Durchgangsstraße... Ich finde es toll hier. Mit geübter Routine parke ich auf einem Zug von der steilen Straße rückwärts in den mit Weinreben überdachten Platz ein, ernte einen erstaunten „Spezialista!“-Ausruf vom Chef, zahle ihm 10 Euro auf die Hand und nehme erstmal eine lange Dusche in der an die Straße angrenzende Kabine. Das mag ich!

Da ich die letzten Tage nicht zum Einkaufen kam, gönne ich mir ausnahmsweise einen Tavernen-Besuch im nahegelegenen Mini-Hafen. Ich bin mir bewusst, das dies mein letzter Abend am Meer sein wird und so setze ich mich nach dem hervorragenden Essen noch eine Weile auf die Felsen, bevor ich mich in meine „Laube“ zurück ziehe. Franz' Stoßstange dient mir wie so oft als Weinglas-Abstell-Fläche, die Füße lege ich daneben und so starre ich auf meine beiden (unter der Dusche) gewaschenen Kleider, statt mich lange und sentimental vom Meer zu verabschieden...


Tag 47 & 48 : Weinlaube -> Am Bach, Slowenien -> München


genug.


Song des Tages: „Safe and Sound“ Azure Ray


„Ich bin schön, ich bin stark, ich bin weise, ich bin gut. Und ich habe das alles selbst entdeckt.“
Stanislaw Jerzy Lec


Der Morgen beginnt hier früh mit durchdringendem Hahnengeschrei – wahrscheinlich ist das seine Rache für die durchkläffte Nacht... Ich verabschiede mich vom fröhlich winkenden Chef und begebe mich direkt auf die Autobahn. Diesen Küstenabschnitt brauche ich mir nicht mehr anzusehen, es ist immer noch Hochsaison und ich weiß, dass ich mich hier nicht glücklicher mache. Also rausche ich auf der sehr gut ausgebauten Straße und nutze fast jede Raststätte als Kaffee-Stopp, weil mir vor Langeweile fast die Augen zu fallen... Immerhin ist der Stau auf der Gegenbahn und nicht in meiner Richtung, so dass ich „blitzschnell“ wieder auf slowenischer Seite bin.

Zufällig habe ich den selben Grenzübergang erwischt, wie bei der Herfahrt: ich bin einfach dem allerersten Landstraßen-Schild Richtung Slowenien gefolgt. So kann ich jetzt entscheiden: fahre ich wieder zu meiner Apfelbaum-Wiese, von der aus ich die tolle Kajaktour auf der Kolpa gemacht habe, oder nehme ich die neue, mir unbekannte Strecke... Neu gewinnt und so cruise ich noch mal mit total entspannter Musik auf der Landstrasse nach Gefühl in Richtung Norden und erfreue mich an diesem so weichen und gutmütigen Land.

An einer Bushaltestelle winkt mich ein Mann zu sich: ein deutscher Rentner, dem sein Wanderweg zu lang geraten ist. Ich fahre ihn zu seinem Hotel und finde auf seinen Tipp schon fast zu früh einen netten Rastplatz auf einer recht einsamen Wiese am Bach. Und als ich Franz und mich für die Nacht fertig mache, ist mir ganz klar: dies ist die letzte Nacht. Und ich bin glücklich. Diesmal fahre ich zurück, weil ich es so will, nicht weil ich muss...

 


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